Montag, 27. April 2009

Dildoschach, hallo?

Baby, heute leg ich Dich schachmatt! Das verspricht ein Artikel bei Bild.de mit der Empfehlung "Dildoschach gegen Flaute im Bett". Man kann sich sogar durch ein Dutzend dämliche Fotos von den tatsächlich als Sexspielzeug einsetzbaren Figuren clicken. Fette 2000 Euro kostet das äußerst kuriose Spielset allerdings. Ob der harte Kern der Schachsammler da zugreifen wird?

PS: Schachspiele mit sexuellen Motiven gibt es freilich auch andere und das sogar mit künstlerischem Anspruch, wie Jen Shadades Auswahl aus einer rezenten Ausstellung in Reykjavik zeigt.

Ein Schrumpfkurs mit erfreulichen Nebenwirkungen

Wer zu stark war für die Schachbundesliga 2008/9 und wer zu schwach, ahnte man eh schon, bevor der erste Zug gespielt war. Und die größte Spannung entfaltete die Saison eigentlich erst, seit der letzte Zug gemacht ist. Nämlich wer zieht zurück? Hält Tegernsee Wort? Welche der Krisengerüchte aus Kreuzberg und Katernberg würden sich bewahrheiten? Und wer darf trotz Abstiegsplatz bleiben?

SF Berlin und Trier stehen inzwischen fest und haben ihr Antreten zugesagt. Nach Westaufsteiger Porz wird auch das im Westen zweitplatzierte Bochum mit höchster Wahrscheinlichkeit verzichten. Bayern hat mit zumindest großer Wahrscheinlichkeit signalisiert, den Platz einzunehmen. Selbst, dass der abgeschlagen Letzte Dresden bleiben darf, ist zumindest bis Anfang Mai noch nicht ausgeschlossen.

Das hier schon aufgepoppte Krisenpalaver hat inzwischen die Website der Liga erreicht, wo sich bereits jetzt andeutet, dass die Ligasitzung im Juni in Kassel heiße Debatten erwartet. Zumal Till Schelz-Brandenburg trotz seines Rücktritts als Obmann bei Werder weiter aufmischt und wieder einmal seinen Lieblingsantrag, die Liga von 16 auf 12 Teams zu reduzieren, wobei er aber 22 Runden spielen möchte, gestellt hat. Ähnliche Vorstellungen inklusive Zusatzrunden hat man offenbar in Trier.

Gemach, gemach Freunde (und Kommentatoren meiner letzten Bundesligabeiträge). Der Trend ist nicht so schlecht, wie er geredet wird. Vielmehr ist die Liga auf dem Weg zu gesünderen Zeiten.

Ich wage mal die Prognose, dass die Saison 2009/10 mehr Spannung als die alte verspricht. Das verspricht Beachtung, Zuschauer online wie an den Spielorten und vielleicht auch neue Kontakte zu Sponsoren hier da. Mehr Spannung erwarte ich nicht so sehr, aber hoffentlich auch, weil Werder und Mülheim aus Erfahrung klüger auftreten und Baden-Baden die Titelverteidigung schwerer machen werden, sondern vor allem, weil mal wieder ein spannender Abstiegsfight ansteht. Nur nicht, wie noch 2006/7, als mit Mülheim ein Riese sportlich abstieg (und erst am Grünen Tisch vom Porzer Rückzug gerettet wurde), sondern auf einem Niveau, das sich mehr Vereine auch wirklich leisten können.

Der Abstiegskampf wird sich in der Region um gemittelt 2450 abspielen, wo Erfurt, Katernberg und Handschuhsheim wohl etwa aufstellen werden, während Emsdetten, Trier und SF Berlin da ein wenig darüber aber für die nominell schwächeren nicht unschlagbar liegen werden, Bayern und Tegel zwar etwas darunter, aber nicht zu weit entfernt, um sich mit zwei Verstärkungen (zumal sowohl im Münchner als auch im Berliner Raum nach Rückzügen starke Spieler auf Vereinssuche sind) sehr reelle Haltechancen zu sichern.

Damit verbunden ist meine Prognose, dass der Anteil der eingesetzten Deutschen ansteigen wird. Schön wäre in dem Zusammenhang, wenn Eppingen die heimischen Kräfte wieder stärker bringt, Emsdetten und Trier sich um deutsche Spieler bemühen.

Mannschaften wie Hamburg oder Wattenscheid können mal wieder eine Spielzeit relaxt angehen, vielleicht auch etwas ansparen für andere Zwecke. Ideen dafür gibt es in Hamburg sicher. In Wattenscheid könnte man daran denken, die Attraktivität für Livezuschauer zu erhöhen, statt die zu verdammen, die nur online gucken.

Zu begrüßen ist auch, dass der Abstand zwischen erster Liga und zweiten Ligen sich damit wieder spürbar verringert und Aufsteiger vielleicht nicht mehr zum sofortigen Abstieg verurteilt sind, wenn sie nicht mindestens die halbe Mannschaft austauschen.

Das Gegenteil wird sich abspielen, wenn die Liga auf zwölf Teams geschrumpft wird: Weniger Deutsche. Noch mehr Druck, ein starkes Team zusammenzustellen, das die Klasse halten kann. Und im Fall einer doppelrundigen Austragung nach Bremer Modell oder Meister- und Abstiegsrunden nach Trierer Vorstellungen eine deutliche Verteurung der Saison. Eine Riesenlücke zu Liga zwei. Wer soll das wollen?

Freitag, 24. April 2009

Opening Escort Service

Jan Gustafssons Ruf als Theorieguru kennt keine Grenzen. Nach Loek van Wely und Jan Smeets hat den Hamburger nun Peter Leko für das laufende Grandprixturnier in Naltschik als Sekundant verpflichtet, schreibt der Chessninja. Damit zeichnet sich ab, dass Gott Gusti zwar nicht als Spieler, wie vom Schachblogger vergeblich gefordert, aber wenigstens als Sekundant im Juli zu den Dortmunder Schachtagen zurückkehren darf.

Übrigens ist Gusti nicht als einziger deutscher Nationalspieler in Naltschik, wie wiederum die offizielle Website weiß. Daniel Fridman sekundiert Rustam Kasimdschanow.

Donnerstag, 23. April 2009

Neue erste Adresse im deutschen Schach

Nach all dem Krisengerede über die Bundesliga mal wieder was Positives: Das Kulturzentrum LA8 in Baden-Baden ist fertig. Das große Lebensprojekt von OSG Baden-Baden-Sponsor Wolfgang Grenke neben seiner Firma und Familie hat am 9.April seine Pforten geöffnet, und der ZEIT-Kritikerin gefällt´s. Museum, Veranstaltungszentrum und auch Schach sind vertreten. Anlässlich der Einweihung gab es auch schon ein kleines Turnierchen (Bericht mit leider nur zwei Fotos). Die OSG hat nun ihre Clubräume im LA8, was für Lichtenthaler Allee 8 steht und die an der Oos gelegene Flanierzeile der Kurstadt bezeichnet. Nächste Saison bestreitet die OSG hier ihre Ligakämpfe in einem kulturschwangeren Umfeld, das unserem Spiel richtig gut tut.

Dienstag, 21. April 2009

Bayern statt Kreuzberg

Wie hier schon vor zwei Wochen angekündigt zieht sich Kreuzberg aus der deutschen Bundesliga zurück. Ein Schreiben vom Samstag ist heute auf der Kreuzberger Website als PDF zu finden. Damit darf nach SF Berlin (ersetzt Tegernsee) und Trier (ersetzt Porz) auch Bayern als Fünfzehnter und Vorletzter eine Saison dranhängen.

Russland kauft sich einen möglichen Weltmeister

Beim Grandprixturnier in Naltschik, wo Aronjan in der sechsten Runde wieder die Führung übernommen hat, macht es seit einigen Tagen die Runde: Sergei Karjakin will den Verband wechseln. Von der Ukraine, wo ihn der mittellose Verband nicht unterstützen kann, zu Russland, dessen Verband dank exzellenter Verbindungen zum Kreml genügend Geld hat. Als Lockmittel wurde Karjakin bereits vor einem Jahr Juri Dochokjan, der langjährige Kasparow-Sekundant, als ständiger Trainer angeboten allerdings unter der Maßgabe, dass Dochokjan nur für Russen arbeiten darf, wie Chessvibes berichtet. Karjakins ohnehin russischsprachige Familie will demnächst von Simferopol auf der Krim nach Moskau übersiedeln.

Karjakins Verpflichtung wird in Russland offenbar als beste Chance gesehen, bald wieder den Weltmeister zu stellen und eine Olympiade zu gewinnen. Die von einem Russen geführte FIDE dürfte seinem Einsatz nächstes Jahr in Chanti-Mansisk wohl nichts in den Weg stellen.

Ösiliga bisserl neu

Die Österreichische Bundesliga hat sich gleich eine ganze Reihe von Reformen auferlegt. "Die Weichen für eine spannende Saison scheinen gestellt", freut sich die ÖSB-Seite.

Mit einem Verbot von Remisabsprachen vor dem 30.Zug soll die Liga für Zuschauer interessanter werden. Mehr hätte man in dieser Beziehung freilich erreicht, wenn man mindestens eine Runde da ausrichtet, wo Zuschauer kommen, nämlich in Wien. Die Hauptstadt hat aber schon seit Jahren keine Bundesligarunde mehr gesehen. Austragungsorte (siehe Turnierseite) sind Jenbach (ca. 40 km bis Innsbruck, 150 km bis München), Graz (Stadtrand) und Baden (25 km von Wien).

Spannender soll es werden, indem statt der Brettpunkte als Erstkriterium die Mannschaftspunkte zählen. Der Schachblogger fragt sich schon lange, warum man in keiner Liga einfach mal beides kombiniert, also am einfachsten Brett- und Mannschaftspunkte zusammen zählt. Es heißt immer, das versteht keiner. Aber eine einfache Addition in der Tabelle, an deren Ende die Rangliste durch das Additionsergebnis bestimmt wird, sollte jeder durchschauen, der nicht zahlenblind ist.

Die Bedenkzeit wird verkürzt von 100 Minuten / 40 Züge plus 50 Minuten / Rest bei zusätzlich 30 Sekunden vor jedem Zug auf 90 Minuten / 40 Züge plus 30 Minuten / Rest. Das ist zu begrüßen, ist es doch die mittlerweile üblichste Bedenkzeitregelung und macht Partien, die länger als sechs Stunden dauern, zur Freude der Veranstalter, Schiedsrichter und des Übertragungsteams erheblich seltener.

Das Ende einer Saison erleben nur wenige. Wenn unmittelbar nach der letzten Partie der Meister geehrt wird, sind Spieler und Zuschauer fast alle schon auf dem Nachhauseweg. So einen schäbigen Abschluss hat eine Liga, die sich immerhin stets an einem Ort trifft, nicht verdient. Baden, der Ausrichter des letzten Wochenendes der neuen Saison, bot an, die letzte Runde am Samstag nachmittag zu spielen mit feierlicher Siegerehrung am Abend und einem Mannschaftsschnellturnier am Sonntag. Das fand offenbar keine Mehrheit, weil andere Vereine nur die Kosten für eine zusätzliche Nächtigung sahen (und das wenige zur Verfügung stehende Geld eh schon mal von Bordellen oder vom Sexversand erbettelt werden muss...).

Das größte Problem der Liga, dass immer weniger Einsätze für Spieler aus Österreich zustande kommen, war bei der Ligatagung am vergangenen Wochenende nicht einmal ein Gesprächsthema. Dabei wäre es einfach, einen Titel für das beste Team zu reservieren, das in jedem Kampf, sagen wir, mindestens drei Spieler mit Erstwohnsitz in Österreich an die sechs Bretter bringt. Dabei wäre das auch ein Zusatzansporn für Mannschaften, denen die Sponsoren fürs Eingreifen in den Kampf um Platz eins fehlen.

Der Mut, wirklich neue Wege zu bestreiten, fehlt.

Freitag, 17. April 2009

Mamedyarov Rhapsody

Chess Observer, ein regelmäßiger Kommentator bei Chessninjas Daily Dirt, hat sich nach Anleitung des etwas unpässlichen Spiels seines Schachheldens beim Grandprixturnier in Naltschik daran gemacht, Queens "Bohemian Rhapsody" wie folgt umzuschreiben:

"Mamedyarov Rhapsody

Is this a real game,
or just for fans to see?
Caught in a Fritz net,
No escape from the mating threat;
Don't need to sigh,
the game is a lie.
I'm such a GM, I'm in the high elite;
Sometimes I win, sometimes I draw,
Win on time; lose? Oh, no!
Anyone can lose, though it doesn't really happen to me...
to me.

Mamed, you just lost a game.
Played a line you knew how well?
Could you really lose? You fell.
Mamed, the game had just begun
Now you're peeved and think he went astray.

Mamed, ooh, oo-ooh,
You mean he tried to ply?
If he's not banned you're not back to play tomorrow --
Carry on, carry on, as if no one could ever beat you ...

Too bad, you left, you're gone,
Feeling suspicious all the time
Wondering who's the one to find
Smoking on the stairway - It's quite a show -
Gonna leave it all behind and face the truth -
Mamed oooh - (anyone can lose, though)
I don't want to lose,
I sometimes wish I'd never been beat at all -

I see a little cigarette in his hand,
Scaramouche, scaramouche where did the man go?
Empty pack and lighter - nothing too indicting

Where did it go, Where did it go?
Where did it go, Where did it go?
Where did it go, Where did it go?
Where did it go? I don't know - I gotta go!

But I'm never lost and nobody beats me
I'm never lost, he cheated can't you see?
Spare me the truth - I survive monetarily -
If he stays, I will go, did you Kurnosov -
Bismillah! no, he did not Kurnosov - Kurnosov -
Bismillah! he did not Kurnosov - Kurnosov
Bismillah! he did not Kurnosov - Kurnosov
He did not Kurnosov - Kurnosov
He did not Kurnosov - Kurnosov
No, no, no, no, no, no, no -

Mamedyarov, Mamedyarov;
Mamedyarov korosho!

The arbiter has put the rule aside for me, for me, for me -

So you think you can cheat me and make my king die -
So you think you can mate me and leave me to cry -
Oh baby - can't do this to me baby -
Just gotta get out - just gotta get right outta here -

No one ever beats me,
Anyone can see,
No one ever beats me - so no one ever matters to me,

Anyone can lose, though...."

Könige, Bauern und Narren

...oder vielmehr Des Rois, des Pions et des Fous heißt das neue Album des für seine politischen Texte bekannten Welschschweizer und ursprünglich aus Estland stammenden Rappers Stress. Im Song Saint Profit (Youtube) dekonstruiert er die Finanzwelt als Figuren auf einem Brett, aber das war ihm dann auch schon genug Anklang aus unserer kleinkarierten Welt.

Donnerstag, 16. April 2009

Porz verzichtet

Wie hier bereits angekündigt, bleibt Turm Trier also erstklassig. Georg Hinz, der Vereinsvorsitzende, hat mir gerade bestätigt, dass Porz weiter Zweite Liga spielen will. Wenn Kreuzberg einpackt, wie es die Bauern von den Berliner Brettern pfeifen, ist auch Bayern München weiter schachbundesligareif.

Montag, 13. April 2009

Garri Kasparow 46

Es ist etwas ruhiger geworden um den an diesem Montag 46 Jahre alt gewordenen Garri Kasparow, aber nur etwas. Er hat gerade kein Buch im Westen zu promoten und konzentriert seine Oppositionspolitik stärker als früher auf Russland. Dort hat er bereits im Dezember ein neues Sammelbecken der Opposition namens Solidarnost initiiert, und seit einigen Wochen bloggt Kasparow - allerdings nur auf Russisch.

PS: Am 26.Apirl berichtete die New York Times über einen gelungenen Auftritt Kasparows für die Opposition bei der Bürgermeisterwahl in Sotschi (gesehen bei Chessbase).

Samstag, 11. April 2009

Sibirische Linie

Der einzige sibirische Vertreter, Tomsk, hat in der Russischen Mannschaftsmeisterschaft allen die Nase gezeigt. Ein ausgeglichenes Team, das diesmal ohne Stars wie Morosewitsch antrat und von dem effizienten Jakowenko angeführt wurde, spielte die sieben Runden solide runter und verlor nur zwei von 42 Partien. Das genügte, stärker aufgestellte Mannschaften wie Ural Swerdlowsk, wo Linares-Sieger Grischtschuk am ersten Brett nur 2,5 aus 7 holte, nach Mannschaftspunkten klar hinter sich zu lassen. Fünf der acht Teams brachten einen Eloschnitt von 2645 und höher an die sechs Bretter. Eines der besten Einzelergebnisse holte Fabiano Caruana mit 5 aus 6.

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