Sonntag, 11. Oktober 2009

Amerikanische Arbeitsteilung

Die US-Frauenschachmeisterschaft ist eine kuriose Angelegenheit. Keine einzige Teilnehmerin ist "born in the USA". Sie stammen aus China, der Mongolei, Georgien, Armenien, Lettland oder Rumänien. Gleich vier stammen aus der Ukraine, einschließlich der führenden und heute zeitweise in Deutschland lebenden Anna Zatonskih, Ehefrau des deutschen Nationalspielers Daniel Fridman. Auf organisatorischer Seite sind dagegen alle waschechte Amerikaner, inklusive der früheren Meisterin und Nationalspielerin Jennifer Shahade, die lieber Turnierdirektorin als Teilnehmerin ist.

Samstag, 10. Oktober 2009

Beste Turnierleistung überhaupt?

Carlsens 3002-Performance in Nanking wirft die Frage auf, wie sich dieses Resultat zu anderen Turnierspitzenleistungen der Schachgeschichte verhält. Nominell ist es vielleicht das beste, besonders wenn man voraussetzt, dass es sich um ein Spitzenturnier handelt (und nicht diverse Einsätze in einer Liga oder bei einer Schacholympiade), aber dabei wäre auch die Eloinflation einzurechnen. Außerdem waren in Nanking nur zwei weitere aktuelle Top-Ten-Spieler im Feld. Und zehn Runden sind nicht so aussagekräftig wie 13 Runden oder mehr. Freilich ist Carlsen nicht zu nehmen, dass unter 20 noch nie eine annähernd so gute Leistung erzielt wurde.

Hier mal eine Liste von Kandidaten, die mir als beste Turnierleistungen einfallen:

Zukertort, London 1883 (22 aus 26)
Lasker, New York 1924 (16 aus 20)
Aljechin, Bled 1931 (20,5 aus 26)
Karpow, Linares 1994 (11 aus 13)
Kasparow, Linares 1999 (10,5 aus 14)
Topalow, San Luis 2005 (10,5 aus 14)
Carlsen, Nanking 2009 (8 aus 10)

Ergänzung am 14.10.:
Gerade zu diesem Posting hätte ich Kommentare erwartet, es gibt aber hier keine. Lustigerweise gibt es dafür bei Chessbase einen Artikel von deren Hausstatistiker Jeff Sonas, in dem er nachzuweisen trachtet, dass Carlsens Performance eine der zwanzig besten bisher überhaupt sei. Bei seinen Berechnungen habe er die Eloinflation herausgerechnet, schreibt der Amerikaner. Carlsens Performance gibt es mit 2850 an und damit 117 Punkte über dem inflationsbereinigten Eloschnitt seiner Gegner von Nanking (2733). Andere 80-Prozent-Ergebnisse liegen in seiner Tabelle aber 217 Elopunkte über dem Gegnerschnitt. Beim Zusammenrechnen hat Sonas offenbar eine eins irgendwo liegen lassen, wodurch Carlsens Leistung knapp fünfzig Punkte hinter dem seine Tabelle anführenden fulminanten Karpow-Sieg 1994 in Linares bleibt, statt korrekterweise gut fünfzig Punkte höher bei 2950.

Das nicht bemerkt zu haben, dürfte vielleicht weniger einer Zahlenblindheit bei Chessbase geschuldet sein als dem Wunsch, einigen ungenannten Websites zu widersprechen, die Carlsens Leistungfrüher als erstaunlich erkannt und überhaupt höher eingeschätzt haben.

Eure Brettpunkte könnt Ihr Euch sonstwohin...

Auf dem Fußballplatz sind die Deutschen effizienter, am Schachbrett sind es die Russen. Saratov reichen 27,5:14,5 Brettpunkte, um mit einem makellosen Mannschaftsergebnis den Europacup (Resultatseite) zu holen. Baden-Baden schafft fette 33:9 Brettpunkte, volle vier mehr als jede andere Mannschaft (wobei die nächstbesten Sammler auch nicht unter die ersten vier kamen), wird aber nach zwei verlorenen Kämpfen (verkackt haben zweimal Bacrot und einmal Naiditsch) nur Fünfter, was vielleicht die Wut erklärt, mit der im Bauch Werder Bremen am Schlusstag mit 5,5:0,5 abgewatscht wurde. Noch pragmatischer als Saratov war übrigens Jerewan als Zweiter mit 24,5:17,5 Brettpunkten. Bei den Armeniern verpasste Aronjan durch eine vermeidbare Niederlage am Schlusstag gegen Mamedscharow einen höheren Elozugewinn als ein, zwei Pünktchen.

Freitag, 9. Oktober 2009

2801 für Carlsen

Mit den fetten 8 aus 10 in Nanking schwingt sich Magnus erstmals über 2800. Nur noch neun Punkte trennen ihn in der Weltrangliste von Toppy. In Nanking hat er ihn geschlagen und als Zweitplatzierten um volle 2,5 Punkte distanziert. Nach einem bisher durchwachsenen Jahr ist das Resultat, das mit einer Eloperformance über 3000 als eines der besten in der Schachgeschichte gelten darf, ein Befreiungsschlag Carlsens.

Es ist auch eine Frucht der Zusammenarbeit mit Kasparow. Dafür sprechen nicht nur die Eröffnungen (wie Schottisch gegen Leko oder Damengambit-Abtausch gegen Wang) sondern auch die Konsultationen zwischen den beiden per Telefon und E-Mail vor jeder Runde. Kasparow teilt seine Freude über Chessninja Mig mit und kündigt einen ausführlichen Artikel in New in Chess an.

Im November in Moskau und im Dezember in London, wo der Schachblogger übrigens neuerdings wohnt, kann Carlsen nachlegen und wohlmöglich noch Aronjan aus der Pole Position für den Schachoscar 2009 verdrängen.

Montag, 5. Oktober 2009

Auch die Frauen dürfen aufatmen

Auch die Frauenbundesligen bleiben bei einer Karenzzeit von 60 Minuten, nach denen eine Partie erst für verloren erklärt wird, teilte Ligaleiter Thomas Rondio an diesem Montag vormittag mit. Null Minuten damit in Deutschland vorerst nur bei den Einzelmeisterschaften, und da gibt es die Unwägbarkeit von Verspätungen bei der Anreise ja gewöhnlich nur vor der ersten Runde.

Freitag, 2. Oktober 2009

WM-Hängepartie

Drei Städte sind an der Ausrichtung des WM-Kampfes Anand-Topalow im Frühjahr 2010 interessiert: Sofia, Istanbul und Singapur. Doch keine davon hat der Bewerbung, die bis Mittwoch bei der FIDE einlangen musste, die geforderte Bankgarantie (soweit ich mich entsinne über mindestens 1,2 Millionen Euro) beigefügt, teilt der Weltverband mit und gibt bis 15.Oktober Zeit zum Nachbessern. Dann soll das Match bei einer Vorstandssitzung vergeben werden. Summen nennt die FIDE nicht. Von Sofia waren zwei Millionen Euro Preisgeld kolportiert worden, aber diese Meldung kam aus Danailows Lager und war wohl gedacht, den Preis in die Höhe zu treiben.

Dienstag, 29. September 2009

30 Minuten in Baden, 60 in Meckpomm

Welche Karenzzeit im deutschen Frauenschach in der neuen Saison gelten soll, wird noch bis morgen Mittwoch abgestimmt (Ergänzung: es hat etwas länger gedauert,´nämlich bis 5.Oktober, aber nun steht fest, dass sie ebenfalls bei der alten Regelung eine Stunde Karenzzeit bleiben). In den Männerligen ist die Sache klar: Überwiegend sind es die alten 60 Minuten, aber in einigen Ligen und Landesverbänden auch nur 30 Minuten, bis eine Partie für den verhinderten Spieler verloren erklärt wird, jedoch nirgends null Minuten, wie es die führenden Schiedsrichter gerne gehabt hätten. Diese Übersicht hätte schon in einem Artikel über das auf einer Flunkerei beruhende und zunächst einmal vorübergehende Zustandekommen der ungeliebten Regel stehen sollen, der in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Schach steht:

Karenzzeit in Minuten bei Mannschaftskämpfen:
Erste Bundesliga 30
Zweite Bundesligen 60
Oberliga Nord 30
Oberliga Ost 60
Oberliga Südwest 30
Oberliga Baden 60
Baden übrige Ligen 30
Bayern 60
Berlin 60 30
Brandenburg 30
Bremen 30
Hamburg 60
Hessen 60
Mecklenburg-Vorpommern 60
Niedersachsen 60
Nordrhein-Westfalen 30
Rheinland-Pfalz außer Pfalz 60
Pfalz 30
Saarland 30
Sachsen 60
Sachsen-Anhalt 60
Schleswig-Holstein 60
Württemberg 30

Freitag, 25. September 2009

Ohne Rücksicht auf Verluste

Kasparow hat Karpow nicht geschont: 3:1 in den Schnellpartien, 6:2 im Blitz (Bericht und Nachspielen bei Chessvibes). Standesgemäß für einen zwölf Jahre jüngeren, der mit einem der führenden Spieler der Welt (Carlsen) trainiert, gegen einen gerade aus den Top 100 gefallenen fast 60jährigen, der nur in den ersten Fünf-Minuten-Partien noch einmal alte Klasse aufblitzen ließ. Das Interesse an weiteren Schaukämpfen dieser Art, Karpow sprach in Zürich im August ja von bis zu vier davon, feuert dieses Resultat freilich nicht gerade an. Schon viel eher, wie sich Kasparow heute gegen einen Topalow, Anand, Aronjan oder Kramnik schlagen würde.

PS: Eine Vorschau des Schachbloggers war in der Berliner Zeitung.

Sonntag, 20. September 2009

Die letzten Tage der Null-Minuten-Regel

Nachdem vor wenigen Tagen die Null-Minuten-Karenz in den deutschen Zweiten Ligen zurückgenommen worden war (an denen sich etwa auch die Oberliga Baden orientiert), standen die Erste und Zweiten Frauenbundesligen zunächst alleine mit dem ungeliebten Verspätungsverbot da (sieht man von den an einem fixen Ort ausgetragenen Deutschen Einzelmeisterschaften und der einen oder anderen Landesmeisterschaft ab). Nun läuft eine Abstimmung unter den Frauenschachreferenten und -referentinnen bis 30.September, die verbindlich ist für die bevorstehende Saison. Man darf wohl davon ausgehen, dass es keinen Alleingang der Frauenligen geben wird.

Tot ist die Null-Minuten-Regel in den überregionalen Ligen noch nicht ganz. Von den Mitgliedern der Bundesspielkommission wird sie angeblich immer noch mehrheitlich unterstützt. Bei der Rumpfsitzung im Januar, vor der die Landesspielleiter im Umlaufverfahren in anstehende Entscheidungen eingebunden werden, könnte die Schiri-Fraktion einen neuen Anlauf nehmen. Die deutliche Ablehnung seitens der Spieler und Vereine und die Bitte des DSB-Präsidiums, das zu berücksichtigen, sprechen freilich dagegen.

Bis Januar wäre nun Zeit, darüber nachzudenken, wie man die ja auch nicht gewünschte Unpünktlichkeit wegkriegt. Der den spielwilligen Gegner und die Zuschauer mitstrafende Partieverlust kann es nicht sein. Warum nicht eine finanzielle Sanktion? Wenn nachweislich höhere Gewalt (Zugverspätung, Autostau) im Spiel war, wäre ja nicht nur davon abzusehen sondern im Prinzip auch die laufende Uhr wieder auf die volle Bedenkzeit zu stellen.

Die letzte Heimat der Pünktlichkeitsfanatiker ist neben China nun wohl Österreich. Die Spieler mucken nicht auf. Die Vereine der ersten und zweiten Ligen haben den Schmäh des obersten Regelhüters Werner Stubenvoll, es gebe eh keine Wahl, geglaubt. Und im Verband haben Aktive nahezu nichts zu sagen.

Giri is kampioen van Nederland

Anish Giri ist Niederländischer Meister. In der letzten Runde reichte dem15jährigen ein Remis gegen Reinderman zum klaren ersten Platz (Tabelle). Vorentscheidend war sein schöner Sieg gegen Nijboer am Freitag - ein modischer Königsinder mit Springeropfer auf c7. Nach 22 Zügen ist die schwarze Dame im eigenen Lager gefangen, doch Anish kann sich fünf Züge Zeit lassen, bevor er zugreift.

Nicht nur sein Schach hat seit seinem Auftritt in Wien im August 2008 weiter Fortschritte gemacht, sondern auch Anishs Nederlands, wie man diesem Fernsehbericht entnehmen kann. Mit diesem Resultat sollte ihm der Platz im niederländischen Team bei der Mannschafts-EM in Novi Sad zustehen, der durch die Suspendierung des nach drei Runden ausgestiegenen Sergey Tschüssjakow, sorry Tiviakov frei wird, (Nachtrag:) doch dafür bräuchte er einen niederländischen Pass. Den kann er aber erst mit der Volljährigkeit in knapp drei Jahren beantragen. Dass Anish am zweiten (und wohl auch mal ersten) Bundesligabrett von Emsdetten überfordert wäre, steht kaum nicht zu befürchten.

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