Samstag, 31. Oktober 2009

Russische Goldquote sinkt weiter

Déja vu: Russland kommt in der letzten Runde gegen Spanien nicht über ein 2:2 hinaus. Bei der Schacholympiade in Dresden kostete es Bronze. Nun bei der EM in Novi Sad Gold. Aserbaidschan hat seinen ersten großen Mannschaftserfolg im Schach durchaus verdient. Mamedscharow ging freiwillig ans vierte Brett, um mannschaftsdienlich zu punkten. Gaschimow brachte die vielleicht beste Leistung des ganzen Turniers.

Aber klare Favoriten waren wie bei jedem internationalen Teamevent die Russen. Hier eine Chronik ihrer Misere, die 2001 einsetzte und 2005 in Göteborg ihren Tief- aber längst nicht Endpunkt erreichte.

Mannschafts-WM 2001: 1. Ukraine, 2. Russland
Schacholympiade 2002: 1. Russland (letztmals mit Kasparow)
Mannschafts-EM 2003: 1. Russland
Schacholympiade 2004: 1. Ukraine, 2. Russland
Mannschafts-EM 2005: 1. Niederlande... 14. Russland
Mannschafts-WM 2005: 1. Russland
Schacholympiade 2006: 1. Armenien... 4. Russland
Mannschafts-EM 2007: 1. Russland
Schacholympiade 2008: 1. Armenien... 6. Russland
Mannschafts-EM 2009: 1. Aserbaidschan, 2.Russland

Früher gewannen die Russen bzw. Sowjets nahezu alles. In den letzten zehn Teamevents beträgt die Goldquote nur noch vierzig Prozent.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Sargissjan macht es wieder spannend

Mit einem Sieg gegen Armenien wäre Aserbaidschan bei der EM in Novi Sad durch gewesen. Es kam umgekehrt. Kurioserweise haben sie den schwächelnden Guseinow wieder aufgestellt, der prompt gegen Sargissjan verlor. Damit bekam Mamedscharow auch wieder Schwarz, womit er halt nur für einen halben Punkt gut ist. Trotzdem kann es für die Aseris noch mit Gold klappen, nämlich wenn die beiden Mitführenden Russland und Armenien am Donnerstag 2:2 spielen. Favorit ist aber erst einmal wieder Russland. Favorit des Schachbloggers bleibt freilich Armenien.

Im deutschen Team enttäuschen aller außer Fridman. Ein größerer Ausfall ist nur Bulgarien, das nun auch Dänemark unterlag. Ob Topalow eloschonend nicht mehr eingesetzt wird? Schließlich würde ein Patzer von ihm reichen, Carlsen zur neuen Nummer eins zu machen...
Nachtrag: Laut Chessninja ist Topalow erkrankt und wurde deshalb nicht mehr eingesetzt.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Fuck the players

Wer sich während einer Partie Züge einsagen oder signalisieren lässt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ungestraft davon. Selten fällt es auf, und wenn dann fällt der Beweis schwer. Wie viel leichter ist da ein rumorendes Mobiltelefon als Corpus Delicti. Wer sein Handy nicht ausschaltet, hat zwar keinerlei Betrugsabsicht, kriegt aber unweigerlich eine Null. So ziemlich das Schlimmste, was ein Spieler nach Ansicht von FIDE-GeneralsekretärIgnatius Leong tun kann, hat aber nichts mit Betrug zu tun. Zur Bestrafung von Zuspätzkommern reicht eine sofortige Null nicht. Jetzt werden von Leongsaftige Strafen propagiert (danke an Kommentator Bauerndiplom für den Hinweis). 500 Euro beim ersten Mal, 1000 Euro beim zweiten Mal, und ein Jahr Sperre beim dritten Mal.

Dahin sind wir nun gekommen, weil wir Spieler vor Jahren vergessen haben, uns gegen den Verlust des Augenmaßes in der Anwendung der Regeln zu wehren. Wie mies die Weltfunktionäre ihren Verband managen und für ihre kleinen korrupten Geschäft nutzen, war vielen Spielern lange relativ egal. Hauptsache man konnte Schach spielen. Langsam dämmert es: diese Funktionäre brauchen uns Spieler nur als Einnahmequelle. Was sinnvoll und uns wichtig ist, spielt keine Geige mehr.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Das ist der Hammer

Dass Norwegens erstes Brett die Performancebestenliste der Mannschafts-EM anführt, wird Kenner nicht überraschen... äh Moment schnell, hat Carlsen nicht (aus Angst um seine Elo) abgesagt? Richtig, Carlsens Kumpel und Vertreter Jon Ludvig Hammer ist es, der glänzt.

Nachtrag: Hammer hat bis zum Schluss ungeschlagen durchgehalten und eine Performance von fast 2800 erspielt.

Wechselgeschäft

Wer sich von seinem nationalen Verband nicht vertreten fühlt und daher wechseln will, sollte sich beeilen. Ab Juli 2010 gelten nämlich ziemlich saftige Ablösesummen von bis zu 50 000 Euro bei Spielern über 2700 Elo. Klingt nach einer "Lex Karjakin", der Ukrainer will ja künftig für Russland spielen, dürfte aber vor allem die Niederländer treffen, wenn sie in ein paar Jahren einen dann vielleicht schon über 2700 gelisteten Anish Giri einbürgern. Außerdem hat der Weltverband auch seine Gebühren für Wechsel nochmals saftig angehoben. Die neue Gebührentafel hier (PDF).

Samstag, 24. Oktober 2009

Ein Giri kennt keine Angst

Sechsmal remis in sechs Runden gegen allesamt mehr als 100 Elo stärkere Gegner (Iwantschuk, Polgar, Tiviakov). Nettes Resultat, ein Dutzend Elopunkte näher an 2600, aber zu viel Respekt, den Anish Giri da in Hoogeveen gezeigt hat, wird mancher denken. Dabei hat der 15jährige keineswegs zu ehrfürchtig gespielt. Als in der letzten Runde klar war, dass Tiviakov ein Remis gegen Giri genügen würde, bot er an, doch Giri lehnte trotz der schwarzen Steine und des weißen Läuferpaars ab. Mit einem Sieg konnte er den Vierkampf schließlich selbst noch gewinnen. Am Ende musste er ums Remis zwar kämpfen und bangen. Dafür machte Giri allen klar, dass man sich auch einen halben Punkt gegen ihn erst einmal erarbeiten muss.

Wo ist Short?

Das kennt man von Nigel Short sonst ja nicht, ein Mannschaftsturnier auszulassen, bei dem jede Menge Frauen umher sind. Die Rede ist von der Mannschafts-EM in Novi Sad, wo sowohl Männer als auch Frauen spielen. Doch Nigel hat etwas Besseres: Er ist als Coach von David Howell bei der U20-WM in Argentinien. Da spielen gleichzeitig die Juniorinnen bis zum knackigen Höchstalter von 20 Jahren. Wer hat während der Runden mehr Gelegenheit, sich umzuschauen, ein Spieler oder ein Coach? Eben. Nichts neues also von Nigel.

Nochmal zurück zur männlichen Jugend: Mit einem Spieler über 2700 (Vachier-Lagrave) und sechs weiteren über 2600 ist es übrigens an der Spitze die bestbesetzte U20-WM (2007 und 2008 waren jeweils vier 2600er am Start). Freilich gibt es in der FIDE-Liste mittlerweile drei 2700er im Juniorenalter und sechzehn weitere über 2600.

Das Schachturnier als Erziehungslager

Nur um fünf Sekunden verpasste Viktor Laznicka angeblich sein Brett zum Start der zweiten Runde der Mannschafts-EM und verlor kampflos. Paco Vallejo war über den schnellen Sieg nicht glücklich, wie diesem Videobericht aus Novi Sad zu entnehmen ist. Der Spanier hätte mit Weiß lieber versucht, ein paar Ratingpunkte zu gewinnen. Auf den Bildern ist auch dokumentiert, wie Schiedsrichter Werner Stubenvoll die österreichische Linie durchsetzt.

Von den spanischen Kämpfen gibt es aber auch etwas Lustiges zu berichten: Am ersten Tag spielten sie gegen Litauen, das als einziges Herrenteam eine Frau aufbietet. Am dritten Brett saß Viktorija Cmylite, die Exfrau von Spaniens erstem Brett Alexei Schirow.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Heimvorteil, Heimnachteil

Es war ja abzusehen: Anand muss seinen Titel im April in Sofia verteidigen. Selbst wenn die bulgarische Regierung, die für je Spieler eine Million Euro Preisgeld, an die 600 000 Euro Ausrichtungskosten und 400 000 Euro an die FIDE bürgt, auch Neutralität versprochen hat, sehen viele einen Heimvorteil für Topalow. Warum eigentlich?

Soweit ich weiß hat es sich in der Geschichte der Schachzweikämpfe mindestens so häufig negativ ausgewirkt, wenn man im eigenen Land antrat. Short hätte Kasparow 1993 ohnehin nicht schlagen können, aber sein nervöser Start ruinierte seine Minimalchance gleich zu Beginn und nahm dem Match jede Spannung. Anand selbst gab gegen Kamsky 1994 im indischen Sanghi Nagar einen Zwei-Punkte-Vorsprung weg und verlor noch, weil er sich während des Kampfes nicht den Journalisten, Organisatoren und Zuschauern entziehen konnte.

Topalow wird in Bulgarien mehr denn je unter Druck stehen. Er hat freilich genug Erfahrung, dass es, anders als für Anand vor 15 Jahren, nicht zum matchentscheidenden Ballast werden sollte. Weil sein Manager Silvio Danailow wesentlich dazu beigetragen haben wird, das Regierungsgeld für das Match zu sichern, ist abzusehen, dass er auch in der Organisation eine Rolle spielen wird. Darum wäre es nun ein feiner Zug, wenn die Bulgaren einen Vertrauten Anands an wichtiger (und bezahlter) Stelle in ihr Komitee holen. Die Telefonnummer von Hans-Walter Schmitt sollte kein Geheimnis sein: 0049 6196 22726

Ein Sonntag im Waldviertel, eine Minute vor zehn

Zwei Partien der Auftaktrunde der österreichischen Zweiten Liga Ost wurden kampflos entschieden. Die Spieler waren aber nicht verspätet sondern tatsächlich verhindert und kurzfristig nicht mehr zu ersetzen. Alle anderen saßen pünktlich an den Brettern. Einige Funktionäre werden das als Bestätigung der Sinnhaftigkeit der neuen Regel werten, die bei Rundenbeginn nicht am Brett sitzende Spieler und ihre spielwilligen Gegner zu Verlierern erklärt. Welch ein Unsinn. Welche Unverhältnismäßigkeit.

Vor der Runde am Sonntagmorgen verpasste ich in der Pension knapp eine Mitfahrgelegenheit, so dass ich an dem nasskalten Morgen rasch gehen musste, um sicher kurz vor zehn im Spiellokal zu sein. Obwohl ich beider Ankunft daher noch außer Puste war, ergriff ich, bevor es der Schiedsrichter tun konnte, das Wort. Ich wies alle darauf hin, dass sie bei Verspätungen ihrer Mitspieler frühzeitig den Schiedsrichter ansprechen, damit er den Rundenbeginn herauszögern kann. Dann erinnerte ich daran, dass in Deutschland die Verspätungsregel in den Ligakämpfen zu Fall gebracht wurde, weil sich die Vereine praktisch geschlossen wehrten. Wo ist der Widerstand im österreichischen Schach?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Arme Wikinger

Carlsen hat seine Teilnahme an der Mannschafts-EM in Novi Sad abgesagt. Kasparow hat seinen Schützling überredet, sich für das nahezu anschließend ausgetragene Michail-Tal-Gedächtnisturnier in Moskau zu schonen. Schließlich handelt es sich um das wohl stärkste Turnier des Jahres. Spielt Carlsen beides, ist die Chance sehr groß, dass er seine gerade errungenen 2800 gleich wieder verballert.

Das Problem ist nur, dass die neuen Regeln keine Nachmeldungen vorsehen. Weil Johannessen erst später anreisen kann, drohen Norwegen kampflose Niederlagen zu Turnierbeginn. Selbst ein Rückzug der Mannschaft wird angeblich diskutiert hätte wegen seiner Arbeit eigentlich später anreisen sollen, so dass kampflose Niederlagen in den ersten zwei Runden drohten, doch nun hat er, wie Schachblog-Kommentator Blauhut mitteilt, doch frei bekommen und kann von Beginn an da sein.

Der Weltranglistenerste Wesselin Topalow wird in Novi Sad übrigens spielen. Aber er ist ja auch nicht auf der Einladungsliste für Moskau in Kramnikland. (Ergänzung:) Aber Aronjan tut sich beide Turniere an. Für den zweifachen Olympiadesieger Armenien nicht anzutreten käme für ihn nicht in Frage.

PS: Im norwegischen Fernsehen wurde Carlsen zwar nicht zu seiner EM-Absage gefragt (vermutlich weil sie noch nicht fest steht). Interessant ist es dennoch, danke an Chessbase für das Transkript: Carlsen erklärte seinen Triumph in Nanking vor allem damit, dass seine Gegner nicht nur ihn sondern auch Kasparow im Hintergrund fürchten. Ein bisschen habe auch geholfen, dass er den roten Kimono zugelost bekommen hat. Beim Ringen gewinnen die Rotgewandeten öfter als die Blauen, wusste Carlsen.

Ein Tag später: Jorge Cori

Vielleicht hat Permanent_Brain ja recht, dass man sich die Namen von Kinderstars nicht zu früh merken sollte. Lange hat Robsons Rekord jedenfalls nicht gehalten. Gerade wurde bekannt, dass der Peruaner Jorge Cori Tello, 14 Jahre und zwei Monate, in Argentinien seine dritte GM-Norm erfüllt habe (Tabelle hier: dass noch ein 15jähriger, Federico Perez Ponsa, eine GM-Norm erzielt hat, weckt allerdings gewisse Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zuging). Trainiert hat ihn in letzter Zeit der in Spanien lebende Argentinier Javier Moreno. Jorges zwei Jahre ältere Schwester Deysi, die in Argentinien Letzte wurde, ist bereits Frauengroßmeisterin. Im Mai konnte ich beide in Sardinien spielen sehen. Jorges Titel kommt für mich nicht überraschend, ich hätte ihn nur etwas später erwartet.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Introducing Ray Robson

Die Ehre, jüngster Großmeister der Welt zu sein, muss Anish Giri in Kürze an einen Amerikaner abtreten. Ray Robson (nicht zu verwechseln mit dem Herrenmode-Label Roy Robson), der erst im August seine erste GM-Norm erzielte, hat zwei Wochen vor seinem 15.Geburtstag als Sieger der panamerikanischen Jugendmeisterschaften seine letzte fehlende Norm im Sack und kriegt bei nächster Gelegenheit den Titel verliehen. Trainiert wird er von einem alten Bekannten, nämlich Alexander Onischuk.

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