Samstag, 5. Dezember 2009

Bestechender Stecher

Vier sind noch im Rennen um den Sieg beim Weltcup. Gelfand trifft im Halbfinale auf Karjakin und Ponomarjow auf Malachow. Wer ist Favorit? Von der Papierform und Erfahrung Gelfand. Als Ex-Sieger eines FIDE-Knockouts empfiehlt sich Ponomarjow. Der bisherige Turnierverlauf spricht für Karjakin, der als einziger erst in zwei der fünf Runden ins Stechen musste. Malachow aber hat etwas, was alle anderen fürchten müssen. Auf zunächst vier Partien sind die Stechen in Chanti-Mansisk angesetzt - Malachow brauchte nie mehr als drei. Mit 8,5 aus 9 hat er im Schnellschach eine Performance von deutlich über 3000 Elo.

Freitag, 4. Dezember 2009

Deutscher Schachheld 2009: Marc Lang

Marc wer? Was soll der geleistet haben? Nun, 23 Partien blindsimultan gegen ausschließlich Vereinsspieler, ohne eine Figur zu vergessen und übrigens auch, ohne einen Euro Honorar dafür zu kassieren. Das ist neuer deutscher Rekord und der ZEIT ein kleines Stück wert.

Das beste ist aber, dass Lang damit seine Grenze noch nicht erreicht sieht. Schließlich hatte er sein geplantes Trainingsprogramm mangels Zeit - er hat zwei Kinder und ist selbstständiger Programmierer - nicht einmal ansatzweise umgesetzt. Er traut sich mehr zu.

Wo steht der Weltrekord? Das hängt davon ab, wen man fragt oder wo man nachsieht. Die deutsche Wikipedia hält es mit Janos Flesch, der 1960 in Budapest 52 Partien auf einmal gespielt haben soll. Für die englische Wikipedia und das Guinessbuch der Rekorde ist dagegen George Koltanowskis 1937 in Edinburgh gegen 34 Gegner gezeigte Leistung die letzte rekordwürdige.

35 Blindpartien gleichzeitig zu spielen hält Lang für nicht unmöglich. Wenn er es tatsächlich wagt, wird die Debatte wieder aufleben, was von späteren Rekorden wie von Najdorf (der 1947 immerhin 45 Gegner hatte, aber auch die Partienotationen) und Flesch zu halten ist. Auch so schon ist Marc Lang mein deutscher Schachheld des Jahres.

Seid Ihr Schachspieler oder was?

Ein unterklassiger Wettkampf in Nordrhein-Westfalen wurde tatsächlich abgeblasen und 0:8 aus Sicht des Gastgebervereins gewertet, weil dessen Uhren, eine frühere Version des Silvertimers, nicht auf die in der Liga geltende Bedenkzeit eingestellt werden konnte. Da haben also 16 Schachliebhaber ihre Zeit geopfert, um an einem Ort zusammen zu kommen und ihren Schachappetit zu stillen, und dann fahren alle hungrig nach Hause, bloß weil sich ein Materialwart oder Mannschaftsführer auf eine im übrigen lange vom DSB promotete Uhr verlassen hat? Hallo?

Ich stell mir vor, ich wäre einer dieser 16 Amateure. Ich hätte an Ort und Stelle die Lust verloren, noch einmal zu einem dieser bescheuerten Mannschaftskämpfe zu kommen. Tschüss, ich such mir eine andere Zeitverschwendung. Gerade im Amateurbereich sollte es doch möglich sein, dass in dem Wettkampf auf eine ähnliche, von der Uhr gehandhabte Bedenkzeit ausgewichen wird. Das letzte Wort dabei hätte im Zweifel der Gastverein, denn das kleine Problem hat ja der Heimverein aufgebracht.

Dass der Vorfall (aber zuerst gesehen bei Rankzero) auf einer Schiedsrichterseite vermeldet wird, nährt allerdings meine Befürchtung, dass für einvernehmliche und im Sinne des Spiels stehende Lösungen immer weniger Raum bleibt.

Es geht ein Gespenst um in den Turniersälen, und es heißt Schiedsrichterismus... Was haben wir Schachspieler zu verlieren als unsere Ketten, sprich immer rigidere Regeln und Regelhüter, die sie ohne Augenmaß auslegen. Brauchen wir ein Manifest?

PS (6.Januar): Ein Protest des ausrichtenden Vereins wurde mittlerweile abgewiesen. Wie die verantwortlichen Funktionäre dabei jede Verantwortung für das von ihnen verantwortete Chaos abgewälzt haben, ist bei Lasker Köln nun nachzulesen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Pa russki, pascholsta!

Der Weltcup verliert Farbe. Die letzten nicht Russisch sprechenden Spieler sind im Achtelfinale ausgeschieden. Mit So, Caruana und Vachier-Lagrave (dem ich es gegönnt hätte schon als Dreingabe an alle, die ihn bisher ignorieren) hat es zugleich drei junge Hoffnungsträger erwischt.

Der letzte Deutsche Naiditsch stolperte schon am Sonntag, dabei war Swidler gegen ihn zwischenzeitlich mausetot (in der sechsten Stichpartie, als Naiditsch nur noch remis brauchte statt Dd3 einfach Sxg7+ Kf7, Lxh6 und Schwarz ist pleite).

Bisher habe ich mindestens alle zwei Tage geschaut, jetzt wohl nicht mehr. Obwohl: Heute ist ein unterhaltsames Interview mit Freund Tkatschjew auf der Turnierseite.

Montag, 30. November 2009

Das Zocken der Funktionäre

Erinnert sich noch jemand, dass der übernächste WM-Kampf bereits an die deutsche Firma UEP und damit am wahrscheinlichsten nach Bonn vergeben war? Drei Monate nach dem Zuschlag waren die Verhandlungen zwischen dem Weltchaosverband und UEP dann plötzlich gescheitert. Außer zwanzig Prozent vom Preisgeld forderte der Weltchaosverband nämlich mehr Kontrolle über die Vermarktung, als ein wirtschaftlich denkender Veranstalter abtreten konnte.

Der gleiche Konflikt um die Vermarktungsrechte bedroht nun das Match Topalow - Anand in Sofia. Nach dem Weltcup soll Oberchaot Iljumschinow nach Bulgarien reisen, um dort den Vertrag zu unterschreiben, meldet das Sofia Echo (Hinweis von Chessbase). Wenn die auf ihre Nebengeschäfte bedachten Funktionäre auf stur stellen, könnten die Bulgaren aussteigen. Erhalten haben sie das Match ja ohne Bankgarantie aufgrund des Ehrenworts ihres Präsidenten, dass drei Millionen Euro für Organisation und Preisgeld zur Verfügung stehen.

Meinen Makropoulos, Iljumschinow und ihre Kumpane, alles durchsetzen zu können, weil sie ja notfalls Topalow gar nicht zum Zug kommen zu lassen brauchen? Anstatt an ihren eigenen Vorteil zu denken, müssten die Funktionäre eigentlich vor allem dafür sorgen, dass in Sofia, wo kein anderer als Topalows Manager Danailow mit die Fäden zieht, faire Bedingungen für den Gast, Weltmeister Anand geschaffen werden. Kommt es zu einem Kompromiss, ist ein Beigeschmack vorprgrammiert, denn Makro und Danailow sind bekanntlich gute Freunde.

Anand hat von außen betrachtet nicht viel zu verlieren, falls das Match in Sofia platzt und er länger Weltmeister bleibt. Unter den Verlierern wären aber, wenn sich mit dieser WM auch das nächste Kandidatenturnier und übernächste WM-Finale hinausschiebt, mal wieder die übrigen Spieler der Weltspitze.

Neunzehn

In einigen Meldungen der letzten Wochen war er es schon, an diesem Montag wird Magnus Carlsen tatsächlich neunzehn Jahre alt. Sonst bloggt er ja nur, wenn er auf einem großen Turnier ist. Ob er an seinem Geburtstag eine Ausnahme macht? Vielleicht weil es der Tag ist, an dem der Vertrag mit seinem neuen Sponsor Arctic Securities über 240 000 Euro bis Ende 2011 offiziell beginnt. Warum erst jetzt, obwohl er schon seit Wochen auf den Seiten des Finanzdienstleisters bloggt? Vielleicht mit Rücksicht auf das von einem anderen Finanzdienstleister, nämlich einer Bank, gesponserte Blitzturnier vorigen Samstag.

Mit Carlsen wartete im Finale. Die Qualifikation gewann Favorit und Hikaru Nakamura erreichten die beiden Favoriten das Finale. Und trotz der Anstrengung der vorigen Spiele, des Jetlags und einer Weißniederlage in der ersten von vier Finalpartien besiegte der Amerikaner den inoffiziellen Blitzweltmeister von Moskau mit 3:1. Partien hat Chessdom.

Sonntag, 29. November 2009

Scharfrichter statt Schiedsrichter

Beim Weltcup haben die Regelhüter des Weltchaosverbands einen neuen Tiefpunkt gesetzt (danke an Bauerndiplom für den Hinweis). Zwei Spieler, die zwischen den Schnellpartien eine Nikotindosis benötigten, Wang Yue und Li Chao, wurden genullt, als sie im Stechen den Start ihrer Weißpartien gegen Bacrot bzw. Gaschimow vierten Stichpartie verpassten beim Stand von jeweils 1,5:1,5 und dem relativen Vorteil der weißen Steine in der ausstehenden, im Nichtremisfall entscheidenden Partie verpassten. Nichts deutet im Moment darauf hin, dass von den Schiedsrichtern ein Missverständnis in Erwägung gezogen wurde (den Wang und Li sind des Englischen kaum und des Russischen vermutlich gar nicht mächtig) oder dass sie die in den Raucherbereich gegangenen Spieler informiert hatten. Wenn man schon keine Regeln mit Augenmaß hat, bräuchte man wenigstens Schiedsrichter, die es haben. Aber das Schiedsrichterideal im Weltchaosverband ist heute nicht das eines Geurt Gijssen sondern das eines Scharfrichters.

(Ergänzung:) Wang und Li waren laut ihrer Darstellung nicht draußen bei minus dreißig Grad sondern in einem Raucherraum, wo vermutlich keine Ansagen wie drei Minuten bzw. eine Minute bis Rundenbeginn zu hören sind und wo beide aus China eine digitale Anzeigetafel, die die Zeit bis zur Runde anzeigt, gewohnt sind. Als brave Chinesen haben sie keinen Protest eingelegt sondern die Anschaffung solcher Anzeigetafeln für künftige Turniere angeregt. Natürlich Made in China.

Freitag, 27. November 2009

Wasjas Depression

Nach seinem unglücklichen Ausscheiden gegen Wesley So beim Weltcup ließ Wassili Iwantschuk seiner Enttäuschung freien Lauf. Er ging so weit, dass Schach nicht mehr seine Lebensaufgabe sei und er sich neue Ziele setzen wolle. (In etwas besseres Englisch übertragene) Zitate aus seiner Pressekonferenz:
"The unlucky days started when I could not beat Vladimir Kramnik in the final round of the Tal Memorial. But I could. The real tragedy started then. I was so unlucky at the Moscow blitz, as I have never been unlucky in my life. I blundered all possible pieces: queen, rooks, and pawns. At that blitz tournament I was as if I was thrown out of a saddle. Plus I was losing. (...)
To my mind I should leave professional chess now. Chess becomes a hobby for me from now on. As for the signed contracts, yes, I will play in all tournaments where I have to. Perhaps I will even participate in a tournament before the New Year. I should win something! And that will be the end. No serious plans, no professional goals. (...) I am sure, from now on I should forget about any serious aims in chess. I don't need anything from chess anymore. I start a new life with new goals. Chess… I will become just a chess fan now. I will follow chess; will follow the games of my ex-colleagues. (...) Now chess is killing me. Chess is playing against me! Chess is destroying me! (...) Now I only feel that the world crashed down around me. Everyone is against me and I don't see the way out."

Ein Hilferuf. Dieser Mann braucht professionelle Unterstützung.

Montag, 23. November 2009

Blitz nicht mit dem Chinamann

Die Armenier aller Länder hatten beim Weltcup keinen guten Start. Movsesian hat es als ersten 2700er erwischt - gegen einen unbekannten Chinesen namens Yu Yangqi. Petrosjan hat es gegen Georg Meier erwischt. Im Tiebreak verloren dann Akobian und Sargissjan, der ebenfalls gegen einen Chinesen, Li Chao. Dass die Spieler aus dem Reich der Mitte im Schnellschach brandgefährlich sind, erlebte mit Sutovsky ein weiterer favorisierter Spieler gegen Zhou Weiqi. Yannick Pelletier weiß schon, warum er Bu Xiangqi schon vor dem Stechen erledigte. Arkadi Naiditsch hatte mit Hou Yifan, der neben Judit Polgar (ergänzt:) und Alexandra Kostenjuk einzigen weiblichen Teilnehmerin, auch seine liebe Mühe. Den einzigen deutschen Sieger des ersten Tages, Jan Gustafsson, hat es gegen Inarkijew leider doch erwischt. Die Ausgeschiedenen lockt ein Open, das am Dienstag beginnt. Gut eine Million Rubel beträgt das Preisgeld in der A-Gruppe, aber das hört sich besser an als die umgerechnet 23 000 Euro.

Hilfe, mein Sohn ist ein Schachfunktionär

Sorry, dieser Programmhinweis kommt zu spät. Auf RTL 2 lief heute noch vor dem Frühstücksfernsehen: "Hinterm Sofa an der Front, Folge 24: Eltern gegen Kinder", USA 2006, Sitcom. Synopse:
Larry verkündet, Präsident einer Vereinigung werden zu wollen. Dave freut sich, dass sein Sohn den Mut hat, ein Anführer sein zu wollen. Seine Begeisterung schlägt in Entsetzen um, als er erfährt, dass Larry Präsident des Schach-Clubs werden möchte. Dave will seinem Sohn unter allen Umständen die Schmach ersparen, zum belächelten und von seinen Mitschülern gehänselten Streber zu werden.

Sonntag, 22. November 2009

Gibt´s in Chanti auch Chianti?

Hotelzimmer gibt es in der sibirischen Ölstadt jedenfalls zu wenig, um nächstes Jahr alle Schacholympiadebesuchswilligen aufzunehmen. Als Generalprobe dafür dient der Weltcup, der am Samstag begonnen hat. Etwa zehn 2700er haben abgewinkt. Darunter alle Stars, nämlich Carlsen, Topalow, Anand, Kramnik, Aronjan, die ja auch ihre Teilnahme im nächsten WM-Zyklus in der Tasche haben. Ebenfalls für die Kandidatenwettkämpfe qualifiziert sich der Sieger von Chanti-Mansisk. Hier mal eine Liste, wer meines Wissens fix ist:

Kamsky (Verlierer Kandidatenfinale)
Aronjan (Sieger Grandprix)
Carlsen (Elo)
Kramnik (Elo)
Anand oder Topalow (Verlierer WM)

Ein Freiplatz dürfte an Baku gehen, wo ein Teil der Kandidatenkämpfe, nämlich der ohne Aronjan, stattfinden soll. Für diesen Platz gibt es mit
Radschabow, Gaschimow und Mamedscharow drei Kandidaten - und vielleicht ja ein nettes Ausscheidungsturnier?

Ich schätze, dass der verbleibende achte Platz nicht, wie von der FIDE mal angekündigt, an den Zweiten des Grandprix geht. Dafür müsste diese von Aronjan vorzeitig uneinholbar gewonnene Serie mit einem sechsten Turnier ordentlich abgeschlossen werden. Im Gespräch war auch einmal, dass die ersten beiden des Weltcups Kandidaten werden, aber auch das halte ich für unwahrscheinlich. Eher ist damit zu rechnen, dass der Ausrichter des nicht in Aserbaidschan stattfindenden Teils der Kandidatenkämpfe den Spieler nominieren darf.

(Nachtrag) Oder die FIDE will es mal wieder allen recht machen und erweitert die Kandidatenkämpfe auf zehn Teilnehmer, was mit k.o. nicht geht aber durchaus als doppelrundiges Rundenturnier.

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