Freitag, 21. August 2009

Falsch begonnen

In Runde sieben des Wien Opens bekam ich endlich einen starken Gegner. Und welch ein Debakel. Im 18.Zug überraschte mich Guliyev mit 18.h4. Ich hatte eher mit 18.Lg2 gerechnet. Führte nun nicht einfach Turm angreifen nebst Reinschlagen auf h4 zum Dauerschach?

Guliyev

Zu hastig zog ich 18...Df5?? 19.Lg5 und sah, was ich angerichtet hatte: Gegen die Drohung 20.g4 hilft wenig. Ich hatte überhaupt nicht auf der Rechnung, dass der Läufer nach g5 kann, wodurch der Turm gedeckt ist. Quasi ein Einzüger. Meine Idee war schon richtig, ich hätte nur mit dem Reinschlagen anfangen müssen. Nach 18...Txh4 19.gxh4 Df5 muss sich Weiß freilich nicht ins remis fügen mit 20.Le3 Dh3 21.Te1 Lh2+ 22.Kh1 Lf4+ usw. sondern kann mit 20.Txb7 Txb7 21.Kg2 um mehr kämpfen. Aber das wäre reichlich unklar gewesen - im Gegensatz zur Partiefolge.

Angeführt wird das Turnier von dem 22 Jahre alten Ägypter Samy Shoker, der alle Partien bisher gewonnen hat. Trotz 7 aus 7 kann er aber kaum noch eine GM-Norm erspielen. Nicht so sehr, weil er erst einen Großmeister hatte. Zwei GM kann er in den ausstehenden zwei Runden noch kriegen. Um auf den nötigen Mindesteloschnitt 2381 zu kommen, müsste aber einer von ihnen Tiviakov heißen. Und den kriegt er nur mit sehr viel Glück. Wobei Glück relativ ist. Wahrscheinlich holt Shoker lieber noch zumindest einen Punkt und damit den ersten Preis. Die besten Chancen auf eine GM-Norm hat übrigens ein junger Niederländer mit eineinhalb Punkten weniger als Shoker namens Lars Ootes, der Stanec und Van der Weide geschlagen hat und von Tiviakov nach einem Figurenopfer sofort ein Remisgebot bekommen und angenommen hat.

PS: Das Turnier endete für mich mit einem weiteren Reinfall. Gegen Dennes Abel, der sonst ein sehr gutes Turnier spielte, verpatzte ich eine allerdings nicht triviale Gewinnstellung, wobei wir beide ein forciertes fünfziges Matt übersahen.

Wien vor Schachblüte?

Wenn man von Wien aus schaut, was im nur etwas größeren Hamburg so an Schachterminen auf dem Kalender steht, relativiert sich die aktuelle Strahlkraft des zuletzt ohnehin nur alle drei Jahre stattfindenden Wien Opens. So organisiert und populär wie in Hamburg ist Schach in der österreichischen Hauptstadt nicht. Oder etwa noch nicht? Derzeit erlebt es gerade eine Blüte, und es mehren sich die Zeichen, dass es nicht nur ein kurzer Schachfrühling wird.

Bis Sonntag läuft das mit an die 600 Teilnehmern besetzte Open im Rathaus (Live-Übertragung). Wenige Tage später, nämlich Freitag 28. bis Sonntag 30.August geht es vis-a-vis, nämlich zwischen Burgtheater und Café Landtmann schon weiter mit Schach: Die Anlagefirma Superfund lädt zu Blitzturnieren, freien Partien und zum Simultanspiel ein, wobei der Schachblogger am Freitag ab 15 Uhr auch selbst zum Zug, vielmehr sehr vielen Zügen kommen und auch einige Höhepunkte aus dem Open präsentieren wird (Programm als PDF). Am 6.September folgt dann das sympathische Schnellturnier in Mödling. Vielleicht stellt der Schachblogger auch noch kurzfristig ein Turnier im Fischerschach, vulgo Chess960, auf die Beine.

So richtig durchstarten will das Wiener Schach mit Jahresbeginn 2010, sobald das neue Schachzentrum neben dem Happel-Stadion bezogen ist. Gleich in den ersten Wochen des neuen Jahres dürfte das 100jährige Jubiläum des in Wien und Berlin ausgetragenen WM-Kampfes Lasker-Schlechter zelebriert werden.

Im Sommer 2010 kommen dann die Österreichischen Meisterschaften nach Wien. Es wäre gut, wenn der nunmehr schlagkräftige Landesverband dieser verschnarchten Veranstaltung etwas Pepp einbläst, etwa durch Ausrichtung als doppelrundiges K.o.-Turnier mit 32 Teilnehmern und wer ausscheidet, kann im Schweizer System weiterspielen. 2011 soll dann wieder das Open im Rathaus steigen.

Zwischendurch könnte der Österreichische Schachbund aus dem langjährigen Grazer Exil in die Haupstadt heimkehren. Man munkelt, dass Langzeitpräsident Kurt Jungwirth das Andenken seiner früheren Verdienste nicht länger durch senile Lächerlichkeit schmälern möchte. Wahrscheinlich sind bei dem Berufspolitiker, der am 3.September 80 wird, auch gesundheitliche Erwägungen im Spiel. Vielleicht auch Angst, dass es, wenn Jungwirth nicht freiwillig abtritt, zu einer seine Versäumnisse aufarbeitenden Kampfabstimmung kommen könnte. Denn trotz der dank Bundessportzuwendungen enorm gestiegenen Mittel des Verbands wächst an der Basis die Unzufriedenheit.

Die Wende geht von Wien aus.

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