Wer will noch Bundesliga spielen?

Kaum hatte ich hier mein persönliches Goodbye Bundesliga veröffentlicht, folgte mir Bindlach mit der Rückzugserklärung. Von den Spielern hat es anscheinend keiner kommen sehen. Falko Bindrich sagte mir, der Mannschaftsführer und der Vereinsvorsitzende hätten sich am letzten Tag der Saison noch sehr zufrieden mit dem erreichten vierten Platz gezeigt (diese und weitere Stimmen zum Rückzug hier). Im Gegensatz zum nun auf Vereinssuche befindlichen Juniorennationalspieler schätze ich, dass in der Pressemitteilung nur die halbe Wahrheit steht und dem Sponsor der Ertrag zu gering und der finanzielle Einsatz auf Dauer zu hoch war.

Nun geht das Spielrecht traditionell an den ersten Absteiger. Doch der Godesberger SK hat nach kurzer Bedenkzeit bereits verzichtet. Nun ist Erfurt dran. Die Thüringer haben bekannterweise Bedenken, weil ab der neuen Saison das Spielrecht mit der Mitgliedschaft im von ihnen abgelehnten Bundesliga e.V. verknüpft ist. Sollten auch sie verzichten, wäre Zehlendorf dran. Doch bei den Berlinern war in der zu Ende gegangenen Saison schon das Geld knapp. In der letzten Runde wurde nicht einmal Ersatz für einen erkrankten Spieler gefunden. Sollte tatsächlich bis zum Letzten durchgefragt werden, wäre Kreuzberg wohl bereit, ließe sich damit doch zugleich der Zwangsabstieg der zuletzt gut spielenden und in der Zweiten Liga Nord bis zum letzten Spieltag führenden Zweiten abwenden.

Es hat sich, ich glaube vor sieben Jahren, schon einmal ergeben, dass ein Tabellenletzter in der Liga blieb, weil alle Vorplatzierten verzichteten. Nachdem die damals zu null abgestiegenen Stuttgarter SF in der Liga blieben, setzte sich in der Liga die Meinung durch, Rückzüge sollen nicht den sportlich ermittelten Absteigern zugute kommen, sondern aufstiegswilligen Zweiten der Zweiten Ligen. Doch bisher blieb es dabei, dass die Absteiger gefragt werden.

Zumindest einer zweitplatzierten Mannschaft stand anscheinend ohnehin nicht der Sinn nach einem weiteren Bundesligaabenteuer. König Tegel hätte mit einem hohen Sieg gegen die nicht mehr vollständig antretenden Lübecker die Zweite Liga Nord gewinnen können. Doch statt auf Biegen und Brechen zu kämpfen, gab es Remis an fast allen Brettern und einen viel zu niedrig ausgefallenen Sieg, der nur im Falle eines nicht sehr wahrscheinlichen 4:4 zwischen Kreuzberg II und SF Berlin reichen konnte.

Für die nächste Saison deutet sich nach dem mörderischen Abstiegskampf der zu Ende gegangenen Saison eine gewisse Entspannung hin: Südaufsteiger Bayern München will weitgehend den siegreichen eigenen Spielern Gelegenheit geben. Dresden ist wohl auch nicht bereit, mindestens die halbe Mannschaft auszuwechseln, um ernsthafte Chancen auf den Klassenerhalt zu haben. Den SF Berlin fehlen schlicht die Mittel für größere Verstärkungen, aber dank ihrer Substanz und Erfahrung haben Polzin und Co ohnehin Chancen. Ob Emsdetten den größeren Etat überhaupt auftreiben kann, muss sich erst noch weisen. Trier und vielleicht auch Remagen wird man kommende Saison wieder im Kampf um den Klassenerhalt sehen und natürlich wer auch immer das Bindlacher Spielrecht übernimmt.

Nachtrag: Kreuzberg hat seiner Ersten mittlerweile den Klassenerhalt am grünen Tisch sichern und damit seiner Zweiten den Abstieg am grünen Tisch vermeiden können. Emsdetten überlegt, auf den Aufstieg zu verzichten. Der zweitplatzierte Bochum soll bereits abgewinkt haben, dann wäre Porz dran, berichtet Rainer Polzin am Ende seines Artikels über den Wiederaufstieg der SF.

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