Österreichs Firmen sponsorn Schach in der Ferne

Zwölf Jahre ist es her, seit ein österreichisches Unternehmen eine signifikante Summe Geld, will sagen mehr als 100 000 Euro, in die Hand genommen hat, um ein Schachevent zu sponsern. Beim Weltklasseturnier im Wiener Rathaus 1996 war die Bank Austria (mittlerweile mit der Creditanstalt fusioniert) Hauptsponsor. Seit 2004 ist die Telekom Austria Schachsponsor, allerdings nicht in Österreich sondern über ihr Tochterunternehmen MTel in Bulgarien: Neben dem persönlich unter Vertrag genommenen Topalow wird ein jährliches Weltklasseturnier sowie etwas Kinderschach unterstützt. Beim derzeit laufenden MTel Masters engagiert sich sogar noch ein weiteres österreichisches Unternehmen in der Ferne, nämlich die Wiener Städtische, Mehrheitseigentümer der unter den Turniersponsoren aufscheinenden Bulstrad Versicherung.

Die Frage stellt sich: Warum nicht auch einmal in Österreich selbst? Mehr Zuschauer als derzeit in Sofia hätte ein Spitzenturnier in Wien allemal. Nur wäre es hier schwerer, auf eine entsprechende Medienpräsenz zu kommen. Schach hat nun einmal kein Seitenblicke-Niveau.

Voriges Jahr wurde es laut Silvio Danailow, Topalows Manager, dennoch versucht, Geld für ein Spitzenevent in Wien zu finden. Fieberhaft versuchte er, eine Revanche zwischen Topalow und Kramnik zustande zu bringen, deren Match in Elista er mit dem Toilettenskandal in die Schlagzeilen gebracht hatte. Da sich Kramnik weigerte, in Bulgarien, wo die Regierung für die Finanzierung gerade gestanden wäre, seinen Titel gegen Topalow zu verteidigen, versuchte es Danailow auf neutralerem Boden über seine Kontakte bei der Telekom Austria. Doch schon bevor Kramnik und die FIDE abwinken konnten, scheiterte das Ansinnen: In Österreich war eine Schach-WM nun einmal keine Million wert.

Nachtrag 22.Mai: In einem Interview, das Josef Vinatzer Dagobert Kohlmeyer gab, wurde die Frage, warum das Unternehmen nicht einmal in Österreich als Sponsor auftritt, erst gar nicht gestellt, dafür stellte der MTel-Chef die richtige Überlegung an, wenn die Spieler schon in einem Glaskasten spielen, sie damit dorthin zu bringen, wo mehr Leben und mehr Laufpublikum ist, nämlich in einem Park oder einem Einkaufszentrum.
Krennwurzn - 16. Mai, 14:33

ganz einfach: es fehlt ...


Permanent_Brain - 16. Mai, 16:09

Keine Schachnation (2)

Ich fürchte, weder ein österreichischer Super-GM noch locker sitzende Sponsormillionen könnten dem Schach in Österreich viel weiterhelfen, außer durch direkte Vereinsfinanzierung. Es fehlt einfach die Verwurzelung in der Breite, im öffentlichen Bewußtsein, die es in den Ex-Ostblockstaaten gibt. Dort kann man mit Schach werben weil es Breitenwirkung garantiert, aber in Österreich?

Es ist aber teilweise, oder überhaupt paradox. Denn wenn man alle FIDE-Titel zählt, hat Österreich mehr als doppelt soviele wie China (120 gegenüber 51), auch mehr als z.B. Indien. Lediglich an GMs fehlt es ein wenig. Italien scheint in ähnlicher Lage zu sein.

http://ratings.fide.com/topfed.phtml

Krennwurzn - 16. Mai, 18:16

wir Hölzlschieber sind vor den Fußballern platziert ...

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