Pähtz will Frauenförderung debattieren, gerne!

Mit dem Nachdruck des Elisabeth Pähtz-Interviews für die Olympiadezeitung der Dresdner Neuesten Nachrichten hat Chessbase Gespür bewiesen. Dort beklagt die deutsche Spitzenspielerin, dass die Frauen gegenüber den Männern benachteiligt würden.

Die Debatte findet auch der Schachblogger überfällig. Der wundert sich nämlich seit Tagen, was die deutschen Damen, die gemittelt auf Zweitliganiveau spielen, auf der Bühne der Schacholympiade verloren haben, während Teams voller Weltklassespieler auf engstem Raum antreten müssen. Warum die Frauenolympiade fast auf die Größe des Männerturniers aufgeblasen und damit das Millionenbudget einer Olympiade (in Dresden auf Kosten des Steuerzahlers) gedehnt worden ist. Oder warum geschätzt ein Drittel der Nachwuchsmittel für Mädchen draufgeht, die an die an Jungen gesetzten Förderkriterien nicht einmal annähernd heranreichen.

Wenige Mädchen und junge Frauen arbeiten selbst ernsthaft an ihrem Spiel, weil sie frühzeitig an Trainer gewöhnt werden. Pähtz sagt selbst von sich, dass sie alleine kaum etwas tut, weil sie zu sehr abgelenkt wird. Kein deutscher Spieler hat wohl so viel Förderung aus Verbandsmitteln und öffentlichen Mitteln (Pähtz hat ein Bundeswehrgehalt, ohne viel Dienst zu leisten) erhalten wie die aus Erfurt stammende Wahlberlinerin. Förderung führt also dazu, immer mehr zu fordern. Am Rand der Olympiade droht sie sogar schon mit ihrem möglichen Rücktritt aus dem Frauennationalteam, wenn sie kommendes Frühjahr bei der Bundeswehr entlassen wird, womit auch ein mittelbares Dienstverhältnis gegenüber dem DSB und Bundestrainer Bönsch endet.

Wie aber rechtfertigt sich eigentlich, dass Frauen und Mädchen im Schach gefördert werden, auch wenn sie weit geringere Leistungen (nämlich in Elo um 200 bis 400 Punkte) als Männer und Buben bringen? Wenn niemand ausspricht, dass es ja nicht damit begründet werden kann, dass Frauen und Mädchen intellektuell gehandicapt oder auf gut deutsch dümmer als Männer und Buben sind, wird das fahrlässig offen gelassen. Der Unterschied ist meinem Eindruck nach vielmehr in der Motivation. Buben entwickeln mehr Ehrgeiz im Schach und sind eher bereit, ihr kommunikatives und soziales Potenzial zu vernachlässigen (was eine Konzentration auf Schach in der Regel nach sich zieht). Für Mädchen und Frauen wird durch eigene Wettbewerbe eine Ersatzmotivation geschaffen. Es kommt nicht auf absolute Stärke und das Ausreizen des eigenen Potenzials an, sondern wie frau sich gegen andere ihres Geschlechts schlägt. Im Schach wird aber nur richtig gut, wer sich den stärksten Gegnern stellt.

Ich bin unbedingt dafür, Schach spielende Frauen- und Mädchen zu fördern. Es muss aber wie in der Wissenschaft oder im öffentlichen Dienst als Voraussetzung gelten: bei gleicher Qualifikation, Leistung und Motivation. Sonst hat man Mittel verschenkt, die anderswo fehlen.

Für die Frauenolympiade gibt es freilich eine Umwegrentabilität. Viele Großmeister würden in Dresden nicht für wenig oder gar kein Honorar für ihre Verbände antreten, könnten sie dort nicht Frauen gucken und anbandeln versuchen.
im-makler - 25. Nov, 22:13

Wahrheit, nichts als die Wahrheit ....

Ein Artikel, der mir zu 100% aus dem Herzen sprach. Es ist doch wirklich peinlich, wenn Deutschlands Damen gegen Luxemburg auf der Bühne um die eiserne Annanas spielen und im großen Turniersaal spielt in Reihe 11-15 die versammelte Weltklassse der Männer.

Elisabeth Pätz mag ja für das ( deutsche Frauen- ) Schach, durch ihre mediale Aufmerksamkeit als ehemaliges Wunderkind, viel bewegt haben. Gerade sah ich im MDR einen Bericht über die Schacholympiade, trotz der kurzen Sendezeit voll im Blick und im Gespräch : Elisabeth.... Wer dann aber trotz dieser unglaublich guten Ausgangsposition und intensiven Förderung mit Anfang Zzwanzig immer noch mit einer Elo von 2480 herumkraucht, sollte wohl ernsthaft darüber nachdenken einen anderen Beruf zu erlernen. Laut ihrer eigenen Aussage sei ihr größter Skalp der Großmeister Miezis - na ja , ein guter Spieler, auf allen Open der Welt zu Hause, aber ein echter Kracher , den es zu erwähnen gilt ?

Da drängt sich mir der Vergleich zu männlichen Nachwuchsspielern auf, insbesondere zu Georg Meier. Für diesen jungen Mann, wahrscheinlich auch Anfang Zwanzig, hat sich wohl kaum ein Journalist in Dresden interessiert. Aber mit 7 aus 9 holte er am 1.Brett für Deutschland 2 eine phanstatische Eloperfomance von 2779! Würde das nackte Ergebnis mit dem der deutschen Damen verglichen werden, man hätte Meier 14 Tage lang mit einer Sänfte durch den Turniersaal tragen müssen.

Also Mädels, hört auf zu lamentieren und nachts durch Dresdens Szenelokale zu flanieren. Bringt mal echte Leistung.... dann klappt es auch gegen Luxemburg.

Bernd Schneider

schachblogger - 26. Nov, 02:19

Dem ist freilich hinzufügen, was beim Presseauftritt der deutschen Nationalspieler und -spielerinnen nach der elften Runde verhandelt wurde: Pähtz erklärte, dass die Frauen die Szenelokale mieden und die Abende brav vor Chessbase und Fernseher verbrachten, während die Männer doch einige Biere in der Neustädter Szene hatten. Gusti fragte schlau zurück, woher das Lieschen das wusste, wenn sie so solide gewesen sei. Woraufhin sie dann sinngemäß anfügte, dass die Biere ja nicht so verkehrt gewesen sein können, haben die Männer doch sehr achtbar gespielt und abgeschnitten im Gegensatz zum Frauenteam.
jopro - 27. Nov, 10:37

schneller weiter höher

Bei gleicher Qualifikation gleiche Förderung zukommen zu lassen halte ich für wenig sinnvoll.
Oder sollen auch nur mehr Leichtathletinnen gefördert werden, die so schnell sind wie Männer??
Ich plädiere dafür, dass man die Leistungen in Relation sieht.
Wenn jetzt Pähtz auf Platz 28 der Frauenweltrangliste ist, dann soll sie auch ähnlich viel bekommen, wie Gusti auf Platz 98, unabhängig davon, dass Gustafsson viel stärker spielt!
Spezielle Frauenförderung um mehr Frauen fürs Schach zu begeistern ist wohl nicht nötig. Wer Spitzensport betreibt - gut, wer nicht - auch gut!

schachblogger - 27. Nov, 12:35

In der Leichtathletik spielt die Biologie eine Rolle. Männer und Frauen haben nicht die gleichen körperlichen Voraussetzungen. Gilt das am Ende auch fürs Denken? Ich neige da zu einem Nein.
GMI - 27. Nov, 13:41

Förderung

Na ja, bei der Förderung und dem Training hätte wohl jeder zweite Spieler mit DWZ 2100 die Spielstärke von Elisabeth Pähtz erreicht...

Permanent_Brain - 27. Nov, 18:00

Das Potenzial aktivieren

Es ist nach wie vor so, daß für das Schach nicht alle Potenziale aktiviert werden, welche in der Bevölkerung vorhanden sind. Frauen sind benachteiligt. Ein schönes Denkspiel wie Schach, das uns so viel Freude bereiten kann, sollte zu gleichen Teilen von Mann und Frau betrieben werden. Deswegen ist es ABSOLUT NOTWENDIG, daß Frauenschach NICHT Elo-bezogen, sondern bezüglich der Anzahl der Ausübenden (also mit Extra-Förderungsbedarf für Frauen) gefördert wird. Das heißt, wir müssen zuerst einmal Frauen mehr fördern, und dann einen Zustand erreichen wo gleich viele Burschen und Mädchen sich dafür intereressieren, es methodisch und regelmäßig zu betreiben. Sobald das erreicht ist - aber nicht früher! - kann die Bevorzugung der weiblichen Spielerinnen beendet werden.

Aber solange das nicht erreicht ist, geht die Bevorzugung der weiblichen Spielerinnen vollkommen in Ordnung! Das ist wesentlich, um "die anderen 50%" der Bevölkerung für Schach zu aktivieren.

Wenn Pähtz daher kritisiert, daß keine Bevorzugung, sondern sogar eine Benachteiligung existiert, sollte man(n) das sehr ernst nehmen!

P.S.: Es ist für den normalen Schachfan unerhebeblich, ob eine Top-Partie auf Niveau 2800 oder 2500 gespielt wird. Schachgenuß und -qualität ist in beiden Fällen garantiert!

Schachblog rank zero - 27. Nov, 18:09

Passivierung durch Subventionsmentalität

"Aktivierung des Potentials" ist ein sehr schönes Wort - nur wären dazu das Pähtzsche Anspruchsdenken noch einmal nachzulesen:

Hier wird nichts aktiviert, sondern die Förderung schafft eine Subventionsmentalität, die gerade nicht zu einer Aktivierung von Potenzialen, sondern zu einer Passivierung führt.

Die geforderte Extra-Frauenförderung gibt es seit nunmehr vielen Jahren. Die Fortschritte sind null, wenn nicht negativ. Jetzt einfach mehr derselben zu fordern heißt, sich vor einer kritischen Ergebnisanalyse zu drücken.
Permanent_Brain - 27. Nov, 18:41

@Rank Zero: Experten gefodert

Sollte die Extra-Frauenföderung tatsächlich zu NULL Resultaten führen, so fände ich das VERNICHTEND und absolut inakzeptabel. Es würde aber auch heißen daß fast jeder der innerhalb dieser Initiative(??) unfähig ist. Ist es wirklich so schwer, für Schach zu werben und Begeisterung für das großartigste Denkspiel der Welt zu erwecken?? Also, wenn das nicht funktioniert müßt ihr die Personen austauschen die Mist bauen.

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