Wie hässlich ist der denn?

Als Nigel Short in der ersten Runde des London Chess Classic gegen Luke McShane schon verloren stand (O-Ton Short: "es waren nur noch Luke, ich und der Hausmeister da"), zögerte er die Aufgabe noch über ein Dutzend Züge hinaus, um wenigstens seine längste Partie zu spielen. Nach 163 Zügen gab er auf. Und wurde rasch belehrt, dass er schon einmal 164 Züge gespielt hatte.

Immerhin war sein Humor am Mittwoch intakt, als er davon erzählte. "Es ist das erste Mal, dass ich nach der ersten Runde eines Turniers schon völlig erschöpft bin." Das könnte auch der Grund sein, warum er in dieser Stellung gegen den von ihm selbst gecoachten David Howell ("wir wissen beide voneinander, welche Stellungen wir kein bisschen verstehen") nicht den Besten und auch nicht den Zweitbesten fand:
shorthowell

Die Computer mögen 32.f4! "Welch ein hässlicher Zug", gab sich Short angewidert, als ihm das eröffnet wurde. "Wenn man nach einem solchen Zug verliert, weiß jeder, woran es gelegen hat."

Schön mag er nicht sein, aber effizient. Welcher der zweitbeste in dieser Stellung ist, ist schon schwerer zu sagen. Der von Short gewählte ist es aber sicher nicht. Nach 32.d5 versprach sich Short einiges von der Zentralisierung seiner Dame auf d4. Tatsächlich hatte Weiß keinen Vorteil mehr, und es wurde bald Frieden geschlossen.
schachblaetter - 10. Dez, 14:26

Mir gefällt

Shorts Humor. Er muss zu einer aussterbenden Rasse von Schachspielern gehören.

MiBu - 10. Dez, 20:37

Mir meistens auch, aber...

manchmal schießt er über das Ziel hinaus und ätzt etwas zu viel. (Der humorvollste GM ist IMHO John van der Wiel - ich darf doch die Geschichte vom playoff gegen Torre mit dem zusehenden Short als bekannt voraussetzen? Zudem habe ich ein oder zweimal persönlich getroffen; war immer lustig.)
Aber von den jüngeren Topspielern haben nur drei Sinn für Ironie, und davon machen zwei (Bareev und vor allem Aronian) zu viele Witze auf anderer Leute Kosten. Bleibt nur noch Svidler, dessen Kommentare mir am meisten zusagen - der nimmt sich halt nicht so ernst.
prumich - 11. Dez, 00:32

MIBU

"die Geschichte vom playoff", ich will sie hören.
Aronian nimmt sich gar nicht ernst, das gibt ihm das Recht, auch Witze auf Kosten der anderen zu machen, finde ich.

MiBu - 11. Dez, 09:16

Die van der Wiel-Geschichte:

Nach dem Interzonenturnier Biel 1985 (Es gab mal bei der FIDE einen funktionierenden WM-Modus, die älteren werden sich noch erinnern können.) waren drei Spieler punktgleich an der Spitze, aber es gab nur einen Quali-Platz. Short gewann im playoff gegen Torre und spielte gegen van der Wiel remis. Die letzte Partie war für Torre also bedeutungslos, er war schon ausgeschieden. Dennoch gab er sich nicht kampflos geschlagen, und irgendwann sah van der Wiel ein, dass das Remis unausweichlich war und er auch ausschied. In diesem Moment beugte er sich zu Torre rüber und sagte "Ich biete 50.000 Dollar, einen Mercedes und eine Wohnung voller Frauen!" Asiaten sind ja für ihr beherrschtes Mienenspiel bekannt, aber dem Filipino Torre sollen dennoch ob dieses fast schon obszönen Bestechungsversuches die Gesichtszüge entgleist sein. Aber van der Wiel erlöste ihn direkt und ergänzte erklärend: "Ich wollte sagen, ich biete Remis an!" Finde ich immer wieder faszinierend, wie van der Wiel dieses sportliche Scheitern (wenn man es so nennen will) aufgenommen hat - spricht für ihn meine ich.

PS: Ich hatte es nicht mehr richtig in Erinnerung: Erstens war es kein Stichkampf um Platz 1, sondern Platz 4 gewesen und zweitens war das Stechen nicht ein- sondern dreirundig. Der Kern der Anekdote ist aber unverändert: Van der Wiel hätte in der letzten Partie gegen Torre gewinnen müssen um ins Kandidatenturnier zu kommen,
hat das aber nicht geschafft und musste Short den Vortritt lassen.

PPS: Hier gibt es die Turniertabelle: http://www.mark-weeks.com/chess/85871iix.htm. Man beachte insbesondere das Ergebnis von Andersson: 9. von 18, aber neben dem Sieger als einziger ungeschlagen!
Lenfant - 11. Dez, 11:05

Playoff IZT Biel 1985

Danke an MiBu für die Anekdote und den Hinweis auf wohl hochinteressante Playoffs damals...(Jeder gegen jeden dreimal; Short gewinnt alle drei Partien gegen Torre, verliert zweimal gegen van der Wiel und kommt trotzdem weiter) Werde mir die alten Partien mal anschauen!

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