Mittwoch, 22. Juli 2009

Little Slam

Das Grand-Slam-Finale in Bilbao schrumpft weiter. Nachdem gegenüber 2008 schon von sechs auf vier Teilnehmer gekürzt wurde (die Sieger von Sofia, Wijk aan Zee, Nanking und Linares, also Schirow, Karjakin, Topalow und Grischtschuk), ist nun auch der Spielplan reduziert worden. Das geplante Finale zwischen den Erstplatzierten und das Match um Platz drei sind ersatzlos gestrichen. Bleibt ein doppelrundiges Viererturnier von 6. bis 12.September im Glaskasten auf der Plaza Nueva. Die Gründe liegen außerhalb des Einflusses der Organisation, mehr ist der Mitteilung von Sprecherin Pilar Molina nicht zu entnehmen. Ob es an Sponsoren mangelt oder die Plaza Nueva anderweitig verplant ist - jedenfalls wird das Finale in dieser Form mit nur zwölf Partien und ohne Anand und Aronjan schwerlich ein schachlicher Höhepunkt des Jahres 2009.

Sonntag, 19. Juli 2009

Sometimes it snows in July

Schach auf der Alm stellte ich mir bisher so vor: Bei strahlender Sonne und Fernblick unter Sonnenschirmen gemütlich ein paar Partien spielen. Wenn es was zu gewinnen gibt, um so besser.

Auf der Schönbergalm, der auf etwa 1350 Höhenmeter gelegenen Mittelstation am oberösterreichischen, zum Dachsteinmassiv gehörenden Krippenstein und Ausstiegspunkt zu den bekannten Dachsteinhöhlen, ging es am Samstag anders zur Sache. Fast 6000 Euro Preisgeld waren geboten. Dabei war nicht einmal Startgeld zu entrichten, sondern nur ein sogar leicht ermäßigter Preis für eine Berg- und Talfahrt (14,80 Euro). Für Begleitpersonen winkten Gratiskarten für Höhenführungen. Gespielt wurde nicht auf der Alm sondern in der Großgaststätte. Platz für mehr als 200 Spieler war vorgesehen. Angesichts des winterlichen Wetters immer noch beachtlich, dass mehr als 100 kamen. Sogar eine Liveübertragung der ersten vier Bretter gab es.

Während Runde zwei bis vier schneite es draußen fette Flocken, vom Dach gingen in kurzen Abständen kleine Schneelawinen runter. Und das Mitte Juli. Das Preisgeld zog natürlich die Profis an. Auf dem Weg vom Obertrauner Bahnhof zur Talstation sausten Autos mit kroatischen und ungarischen Kennzeichen an mir vorbei. Je sieben GM und IM waren es. Bei nur sechs Preisen in der offenen Kategorie. Bis kurz vor Ende der siebten Runde lag ich selbst gut auf Kurs, bevor ich gegen Marcelin mit zwei Mehrbauern einen Springer einstellte, worauf nur noch Frust und Selbstmitleid folgten. Besser hätte ich mich nach der Partie gleich abgemeldet und mich auf einer Höhlenführung verkrochen. 1500 Euro Hauptpreis gingen an den besonders weit angereisten Rumänen Istratescu vor dem Kroaten Kozul (Tabelle).

Feine Sache (trotz meines spielerischen Kälteeinbruchs). Ansonsten kenne ich in Österreich kein offenes Schnell- oder Blitzturnier mit auch nur mehr als 200 Euro für den Ersten und damit auch wenig Chancen, gegen starke Gegner anzutreten. Auch wenn sich der Preisfonds beim Welterbe Dachstein-Turnier gegenüber dem Vorjahr anders als im Vorjahr und heuer kaum noch einmal verdoppelt, ist zu hoffen, dass die Veranstaltung auch 2010 steigt. Vielleicht scheint dann (mir) auch die Sonne.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Eine Schachstadt mit Vergangenheit

"Schachmetropole Wien" heißt das Thema der gerade erschienenen Ausgabe von Karl. Wie dem Inhaltsverzeichnis leicht zu entnehmen ist, geht es nicht um die Gegenwart sondern die Geschichte. Der einzige aktuelle Wien-Aspekt, wenn man so will, ist ein Porträt des Wiener Schachhistorikers und -händlers (und KARL-Mitarbeiters) Michael Ehn - bei dem das Heft in Wien wohl auch am leichtesten zu beziehen ist. Oder per E-Mail an einzelheft@karlonline.org.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Nicht nur Chessbase hat einen Anwalt

Am Sonntag erschien ein Stück von Edward Winter auf der englischsprachigen Chessbase-Seite. Dieses Mal nahm er sich Übertreibungen vor, mit denen Schachautoren für ihre Bücher warben. Einige Stunden später war der Artikel offline, dann erschien er wieder, doch die wahrscheinlich spannendste Passage fehlt nun.

In der entfernten Passage ging es laut Beobachtern um Zsuzsa Polgar und das Aufblustern ihrer Schachkarriere. Die Streichung ist nicht kenntlich gemacht. Nun wird vermutet, dass Polgar und ihr Mann Paul Truong Chessbase mit einer Klage drohten, vielleicht sogar direkt ihren Anwalt einschalteten.

Ihren Anwalt braucht Zsuzsa Polgar seit einiger Zeit in solchen Fragen. Momentan führt sie eine Kampagne zur Abwahl der gegenwärtigen Führung des US-Schachverbands, dem sie Misswirtschaft und Korruption vorwirft.

Sonntag, 12. Juli 2009

Steinmeier ist nicht Steinbrück

Die SPD hat den falschen Kanzlerkandidaten und zwar weil er nicht abends gelegentlich ein Schachpartiechen spielt (wie fälschlich im Magazin Cicero berichtet worden war). So ungefähr steht es jedenfalls in der Stern- Politglosse "Berlin vertraulich".

Klar, werden wir Schachspieler sagen, der Kramnik-Intimus und WM-Ermöglicher Peer Halt-die-Schulden-niedrig Steinbrück wäre der richtige Mann, weil er die besseren Züge spielt. Aber der ist gar nicht gemeint. Statt Steinmeier, schreibt der Stern-Politglossist, hätte dessen Frau als Spitzenkandidatin der SPD bessere Wahlchancen. Dabei spielt die auch nicht abends zur Entspannung Schach, wie es ebenso fälschlich im Cicero gestanden ist. Alles klar?

Samstag, 11. Juli 2009

Kein Risiko, außer meine Neuerung ist korrekt

Vielleicht hat jemand eine bessere Idee, wofür das Acronym K.r.a.m.n.i.k. steht. Jedenfalls gewinnt der Ex gerade mal wieder Dortmund ohne viel dafür geleistet zu haben.

Naiditsch hat Kramnik quasi ums Reinopfern angefleht. 18.f5 gegen den achtlosen Carlsen war auch nicht schwer, denn ab da spielte sich die weiße Stellung quasi von allein. Riskant wirkte nur Kramniks Spielanlage gegen Bacrot und Jakowenko, aber diese Russisch-Variante hatte er wohl bis zum Erbrechen, wahrscheinlich für die WM gegen Anand, präpariert. Und dann noch ein paar Remis, die nicht immer ausgekämpft waren. Gegen Jakowenko winselte er mit Weiß nach 19 Zügen, statt 17.Sxf7!? zu riskieren, und mit Schwarz konnte er sich nicht zu 43...axb4 durchringen (z.B. 44.Dd6 Db8 45.Dxb8 Txb8 46.e8D+ Txe8 47.Txe8+ Kf7 und die Freibauern laufen durch), sondern wickelte in ein ungewinnbares Remisendspiel ab.

Ich bin nicht sicher, ob die etwas kämpferischer eingestellten Carlsen und Jakowenko (nein, Leko nicht) den Sieg eher verdient hätten, aber Kramniks Plus-Zwei-Geschiebe nervt einfach.

PS: Im Interview mit dem Dortmunder Pressemitarbeiter Dagobert Kohlmeyer feiert Kramnik seine wiedergekehrte Risikofreude.

Fremdgänger

Das Neue Deutschland bringt eines seiner unsäglichen Schachinterviews von René Gralla mit Dan Freeman, dem Kopf hinter der Onlinedatenbank Chessgames.com, das er als Konkurrenzprodukt von Chessbase bezeichnet und mit mancher Frage geradezu Werbung für Chessgames herausfordert. Mal sehen, ob Chessbase seinen (früheren?) Lieblingsautor Gralla auch dieses Mal verlinken wird.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Damals in Moskau

Obama hat auf seiner Reise nach Moskau auch Oppositionelle getroffen, etwa Garri Kasparow, der dem US-Präsidenten hier samt der üblichen Hiebe auf das Putin-, äh Medwedew-Regime dankt.

In nächster Zeit wird Kasparow wieder etwas Schach spielen. Beim SG Zürich-Jubiläum zwar nur simultan (ich glaube am 22.August), dafür, wie Mig schon weiß, am 21. bis 24. September in Valencia ein Nostalgiematch gegen keinen anderen als Anatoli Karpow, sowohl Schnell- als auch Blitzschach. Schließlich ist es 25 Jahre her, seit sie damals in Moskau ihr trotz des teilweise einschläfernden Schachs viel beachtetes erstes Titelmatch austrugen.

Montag, 6. Juli 2009

Nakamuras schafft in zwei Tagen, was andere in sieben nicht schaffen *

Kann man in drei zwei Tagen ein eigentlich neunsiebentägiges Open gewinnen? Man kann, wie Mig berichtet. Wenn man Nakamura heißt und in den USA spielt. Dort ist es üblich, dass man sich für Tage, von denen man im voraus weiß, dass man nicht kann, Byes, also halbe Punkte reservieren kann. Und für die ersten Runden gibt es oft einen beschleunigten Modus, das heißt statt einer langen Partie pro Tag spielt man mehrere an einem.

Beim World Open in Philadelphia tat es Nakamura wie folgt: Er trat erst am fünften Tag an und absolvierte die ersten fünf Runden in 45-Minuten-Partien. Dann spielte er zwei reguläre Partien (eines davon ein kurzzügiges Remis). Und für die letzten zwei Runden hatte er sich Byes genommen, um rechtzeitig zum Turnier nach San Sebastian abzureisen. Ergebnis 7 aus 9 und geteilter Erster. Wie geil ist das denn?

* Die alte Überschrift (Nakamuras schafft in drei Tagen, was andere in neun nicht schaffen) war nicht korrekt. Wie ich mittlerweile bei Chessvibes lesen konnte, gab es mehrere Doppelrunden. Die neun Runden wurden also in höchstens sieben Tagen absolviert, es gab aber auch ein Drei-Tages-Angebot, sie zu spielen, das Nakamura wahrnahm und sich für die beiden Runden am letzten Tag zusätzlich zwei Byes nahm, so dass er es in zwei Tagen schaffte.

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