Montag, 8. März 2010

Erst zur Kasse, dann ans Brett

In Teamsportarten ist es weit verbreitet, dass Profis, die zu spät zum Training oder zum Spiel kommen, ein paar Hunderter oder Tausender vom Gehalt abgezogen werden. Notorischen Zuspätkommern ist aber nach Erfahrung der New York Knicks wirksamer beizukommen, wenn der verspätete Basketballer beim Eintreffen gleich seine Geldbörse zücken und zehn oder zwanzig Dollar abdrücken muss. Obwohl die Sanktion viel geringer ist als der Einzug vom Konto, wird sie von den Profis ernster genommen, berichtet die New York Times. Dabei können die Spieler das Scheinchen sogar spielerisch zurückgewinnen.

Daraus ergibt sich, wie man im Schach mit Verspätungen umgehen könnte. Wo reine Amateure spielen, sollte eine Karenzzeit von einer halben Stunde bleiben. Aber vor einem Turnier könnten die Teilnehmer kollektiv beschließen, dass sozial Unbenachteiligte ab fünf Minuten Verspätung einen Obolus zu leisten haben, von dem Getränke und Snacks für die Schlussfeier bezahlt werden. Wo zumindest ein signifikanter Teil der Spieler fürs Spielen gratifiziert wird, also ab der Zweiten Liga aufwärts oder bei Einladungsturnieren, könnte dagegen verbindlich gelten, dass Spieler, die bei Rundenbeginn nicht im Saal sind, beim Schiedsrichter einen Zehner einliefern müssen, bevor sie ihren ersten Zug ausführen (das gleiche wäre übrigens eine angemessene Sanktion fürs Handyklingeln - eigenmächtiges Telefonieren während der Partie sollte freilich untersagt bleiben).

Das eingesammelte Geld darf aber keinesfalls an Veranstalter oder Verband verfallen. Es sollen ja keine Anreize entstehen, Turniere so zu organisieren, dass Verspätungen normal sind - etwa weil es, obwohl nötig, keine Wegweiser gibt, oder weil dämliche Funktionärsreden mündige Spieler vor der Runde aus dem Saal treiben. Am besten gibt man den Bestraften Gelegenheit zur Läuterung und zum Rückverdienen der Scheine - etwa durch Vorführen ihrer beendeten Partie für die Zuschauer.

Samstag, 6. März 2010

Kuriosum am Rande der Deutschen

Mit 120 Teilnehmern an einem A-Open neben der Deutschen Meisterschaft wurde in Bad Liebenzell anscheinend gerechnet. Jedenfalls sind die Preise ab dieser Teilnehmerzahl garantiert. Tatsächlich haben sich nur zehn Interessierte gefunden, darunter vier Großmeister. So findet nun neben der Deutschen ein neunrundiges GM-Turnier namens A-Open statt. Dem Sieger sind 1250 Euro versprochen. Weil das bereits das Vierfache der Startgeldeinnahme ist, dürfte es ab dem zweiten Platz allenfalls noch Sachpreise geben...

Schachbund fördert Dopingprävention der anderen mit 2800 Euro

Laut einem dpa-Bericht vom Donnerstag, auf den Kommentator Bauerndiplom dankenswerterweise hinwies, ist der DSB einer von 15 Sportfachverbänden, der Teile der erhaltenen Fördergelder zurückzahlen muss. "Die Sanktionen gegen die Verstöße richteten sich laut Bergner (Anm: vom Bundesinnenministerium) nach deren Schwere. Die Höchststrafe liegt bei 20 Prozent der zugeführten Mittel. Diese sollen dann in die Dopingprävention von Verbänden fließen, bei denen es keine Beanstandungen gab... Der Deutsche Schachbund muss wegen Verstößen gegen die gemeinsamen Antidopingkriterien des BMI und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die prozentual höchste Summe aus der Förderung zurückzahlen. 16 Prozent (2800 Euro) der gewährten 17 500 Euro werden fällig."

Die FAZ nennt den Grund, dass Antidoping im Jahr 2008 noch nicht ausreichend in der DSB-Satzung verankert war. Die Süddeutsche berichtet: "Am Beispiel des Schachbunds führte Göttrick Wewer, Geschäftsführer der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) allerdings aus, dass man gerade kleinen Verbänden "den guten Willen nicht absprechen" dürfe. Inzwischen seien die Versäumnisse korrigiert." Spiegel online sagte der Nada-Mann, dass der DSB "bei uns nicht wirklich als Risikogruppe in Sachen Doping geführt wird." Und beim Schachbund selbst hält man die Aufgaben mit den Beschlüssen von 2009 und der Dopingproben bei der Deutschen Meisterschaft 2009 für erledigt.

Eine hinreichend Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn von Dopingkontrollen in einer Disziplin und eine Einbeziehung der Aktiven werden übrigens vom Innenministerium nicht gefordert. Man muss dem Schachbund zugestehen, dass er das auch kaum leisten könnte, weil er ganz andere Baustellen hat und viele Aktive Schach gar nicht als Sport betreiben, weshalb mit dem Thema in Schachkreisen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Wenn Sportförderung nur mit Antidoping zu kriegen ist, macht eine pragmatische Haltung Sinn. Und wenn es heißt, die Dopingprävention in den braven Fachverbänden mit 2800 Euro zu unterstützen.

Freitag, 5. März 2010

Müssen Funktionäre und Nationalspieler zusammenhalten?

So sah aus, was sich Herbert Bastian, einer der (aber auch nicht immer geradlinig) denkenden Köpfe im Deutschen Schachbund und anscheinend Dauermeister des Saarlands*, in Runde eins der Deutschen (mit Liveübertragung) gegen Igor Chenkin leistete. Nach 12.cxd5 nebst 13.Lb5+ hätte Weiß bestimmt nicht verloren. Nach 13.Ld2 stand Weiß dann schon auf Abriss.

DEM-Teilnehmer, hört auf den Schachblogger: Stoppt Chenkin! Aber bitte auf faire Weise! Sonst heißt es nachher noch, hol´s der Chenker!

*Als Echo zum letzten Eintrag: Gibt´s eigentlich keine Schulpflicht (für Lehrer) im Saarland, Herr Studienrat Bastian?

Donnerstag, 4. März 2010

Voreilige Vollzugsmeldungen

Einige Websites (Chessdom, Zsuzsa) berichten, dass der 13jährige Ungar Richard Rapport seine GM-Normen beisammen hat. Tatsächlich hat er, drei Wochen vor seinem 14.Geburtstag, seine zweite erfüllt und wird nach dem Regelverständnis des Schachbloggers noch eine brauchen. Was freilich nur eine Frage der Zeit sein dürfte. Seiner Vermarktung ist bereits eine dreisprachige (nämlich ungarisch, deutsch und englisch verfasste) Website gewidmet. Diese listet bereits neun Trainer, darunter Ruck, Pinter und Beljawski. Ein großes Talent zweifellos, aber wenn man den Input und seine bereits aktiven Jahre berücksichtigt nicht unbedingt ein Ausnahmetalent vom Kaliber Carlsens oder Giris.

PS: Die Kommentatoren weisen dankenswerterweise darauf hin, dass das gerade zu Ende gegangene Turnier in Szentgotthart doch schon die dritte Norm sei, weil Rapport zwei First Saturday-Normen mitbrachte. Nun gab oder gibt es eine Klausel, dass nicht mehrere Normen aus dem gleichen Turnier erzielt werden können bzw. solche Anträge von der Titelkomission zurückgewiesen werden können. Aber das war gar nicht der Grund, warum ich nicht bis drei gezählt habe (obwohl ich dazu erfahrungsgemäß sonst in der Lage bin). Bei mir funktionierte der Link zur auf seiner eigenen Seite aufscheinenden zweiten Norm nicht, und ich ging davon aus, dass es sich um die aktuelle handelt, da sie, wie sein Karriereüberblick zeigt, sehr frisch sein musste. Nun hat er anscheinend zweimal im Februar genormt. Gibt´s in Ungarn eigentlich so etwas wie Schulpflicht?

(Nachtrag) Die 2500 soll Rapport übrigens auch schon im Sack haben.

Mittwoch, 3. März 2010

Alle startklar?

Die Besetzung der an diesem Freitag in Bad Liebenzell beginnenden Deutschen Meisterschaft ist eher auf der schwachen Seite. Acht GMs sind der Teilnehmerliste zu entnehmen, keiner von ihnen über 2600. Man kann nur hoffen, dass Elofavorit Chenkin nicht das Rennen macht. Erstmals bei einem DSB-Wettbewerb gilt Nulltoleranz. Das heißt leider nicht, dass Schieber im Wettbewerb unerwünscht sind, sondern dass mit Partieverlust bestraft wird, wer nicht im Saal ist, wenn der Schiedsrichter den Rundenbeginn bekannt gibt. Dass auch der Gegner und die Zuschauer dann keine Partie kriegen, muss ebenso als Kollateralschaden gelten wie, dass manche Schiedsrichter aufgrund der Nullkarenz (wie es natürlich richtig heißt) den Kopf wieder zwei Zentimeter höher tragen.

Im Fußball würde nie angepfiffen, wenn nur eine Mannschaft auf dem Rasen ist. Im Schach geht das, wenn die Karenzzeit nicht null beträgt. Wie man die verblödete FIDE-Regel (verblödet, weil die Sanktion unverhältnismäßig ist) schadlos anwendet, erlebte ich übrigens kürzlich bei der Zweiten Liga in Österreich. Zwei Bretter waren um 15 Uhr noch auf einer Seite frei, dann übernahm einer der raren Schachfunktionäre, die in der Lage sind, aus dem Stegreif eine kleine Rede zu halten, das Wort, bis der Schiedsrichter ihm signalisierte, dass die Vermissten eingetroffen und nunmehr alle zum Rundenbeginn bereit waren.

(PS) Bauerndiplom weist unten zurecht auf die Terminüberschneidung mit der EM in Rijeka hin, wo denn auch die aktiven deutschen 2600er Naiditsch, Meier, Gusti und Fridman von ebendiesem Freitag an alle am Start (und hoffentlich zu jeder Runde schiripünktlich startklar) sind.

Dienstag, 2. März 2010

Kasim wieder im A-Team

Während Anand in Heidelberg für Baden-Baden seine letzten Turnierpartien vor der WM absolvierte und sich dabei mit 1,5 aus 2 und zwei gewonnenen Elopunkten in vier Stunden Gesamtspielzeit sehr effizient zeigte, wurde das Fehlen von Rustam Kasimdschanow bei Mülheim-Nord damit begründet, dass er Anand wie 2008 (als 14...Lb7 im Meraner auf sein Konto ging) bei der WM-Vorbereitung hilft. Auch zwei Monate vorher gilt anscheinend: Ein Sekundant muss härter arbeiten als der Spieler selbst.

PS: Ein FAZ-Mitarbeiter durfte Anand bei der Vorbereitung im Schmittschen Bad Soden besuchen und traf dort außer Kasim auch Peter Heine Nielsen, aber dessen Mitarbeit, um nicht zu sagen Dauerarbeit war ja schon seit längerem kein Geheimnis mehr. Ich könnte mir zwar ein klimatisch angenehmeres Trainingsquartier vorstellen, aber es hat ja auch sein Gutes, wenn die Leute nicht an die Sonne (weil spärlich anwesend) streben, sondern vor den Monitoren bleiben.

Sonntag, 28. Februar 2010

Naiditsch macht Liga wieder spannend

Werder hat den Spitzenkampf der deutschen Bundesliga gegen Baden-Baden 5:3 gewonnen und damit gleichgezogen. Solingen, das bisher nur gegen Baden-Baden verloren hat, ist punktgleich und schon wegen des leichtesten Restprogramms der drei noch voll dabei. Mülheim-Nord ist dagegen nach dem unerwarteten 4:4 bei Bayern München endgültig aus dem Titelrennen, könnte aber Zünglein an der Waage spielen, weil Baden-Baden und Werder noch ausstehen.

Jedenfalls ist fast alles wieder offen an der Spitze (und ein Stichkampf um den Titel nach den vier ausstehenden Runden nicht ganz unwahrscheinlich), was der Liga einige Spannung einhaucht. Mindestens bis zum 10.April, wenn Baden-Baden zuhause gegen Mülheim und Werder zuhause gegen Solingen antritt.

Für Baden-Baden war es die erste Niederlage nach 51 unbesiegten Bundesligarunden. Am Spitzenbrett trennten sich der aus Linares angereiste und erstmals für Werder zum Einsatz kommende Gaschimow und Anand, der seine WM-Vorbereitung unterbrochen hatte und einen Spanier mit Lc5 aufs Brett brachte, bereits nach zwei Stunden remis. Werder gewann nicht unverdient, hatte aber etwas Glück. Ein 4:4 hätte dem Kampfverlauf besser entsprochen. Unglücksvogel war ausgerechnet der bravourös mit Schwarz für sich Chancen generierende Naiditsch (denn besonders spannend ging es an vielen Brettern nicht zu). In Zeitnot lehnte er ein Remisgebot von Roiz ab, weil er glaubte, nur ein voller Punkt reiche Baden-Baden noch. Doch nach seinem letzten, leicht durchschaubaren Gewinnversuch stand Roiz zwei Züge danach auch schon gewonnen. Dass Adams seine vermutlich haltbare Stellung danach gegen Areschtschenko verlor, machte keinen erheblichen Unterschied mehr.

Im Abstiegskampf hat Bayern durch den Punktgewinn gegen Mülheim seine Chancen gewahrt. Die Entscheidung über die Plätze 12 und 13 dürfte erst am letzten Spieltag, dem 11.April fallen, wenn die derzeit auf diesen Plätzen stehenden Berliner und Münchner in Erfurt aufeinander treffen.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Abhaken

Gaschimow blieb bei Benoni. Aronjan brach am Ende doch noch seine Remisserie. Topalow knackte Gelfands Russisch und gewinnt Linares. Von WM-Form ist er sicher nicht weit entfernt, aber gegen Anand darf er nicht so viel riskieren wie in seinen Partien gegen Grischtschuk. Damit verpasst er Carlsen in der Weltrangliste aber um einen Elopunkt. Grischtschuks Aufwärtstrend wird wenigstens mit Rang zwei und einem weiteren Eloplus belohnt, womit er sich als Nummer sechs hinter den derzeit führenden fünf (Carlsen, Topalow, Kramnik, Anand und Aronjan) festsetzt. Gelfand, Vallejo und Gaschimow hatten mit dem Ausgang an der Spitze wie erwartet nie zu tun und setzen sich mit minus zwei gemeinschaftlich nach hinten ab. Obwohl kämpferisch gespielt wurde, war die Remisquote hoch, überschreitet am Ende aber immerhin nicht 70 Prozent. Linares 2010 war kein großes Turnier, aber auch kein Ausfall.

PS: Topalow hat einige kurze Nachfragen für eine FAZ-Meldung beantwortet: Er habe Linares als Training für die WM betrachtet. Er sei gekommen, um neue Eröffnungsideen zu erproben (lies: Anands Prognose, was bei der WM kommt, zu erschweren). Dass er so viel riskierte, hatte mit der Zeiteinteilung seiner Gegner zu tun. Dass er die Carlsen um einen halben Punkt verpasst, sei nicht wichtig. Momentan zähle nichts anderes, als Anand zu schlagen.

Handyausschaltverbot

Anderswo im Sport wird ein ausgeschaltetes Mobiltelefon bestraft: Ein als Ersatzmann nach Vancouver gereister Eisschnellläufer war, als sein Einsatz kam, nicht erreichbar.

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