Freitag, 20. Juni 2008

Sehr kurze Geschichte des Schachs

TIME Magazine hat in der aktuellen Ausgabe einen kurzen Artikel von Vishy Anand oder wohl eher einem Ghostwriter, der ihn interviewt und ein wenig recherchiert hat. Unser Weltmeister reflektiert über die Geschichte des Schachspiels, das in seiner indischen Heimat seine Wurzeln habe und ausgerechnet nach Russland, wo es sich so gewaltig weiterentwickelt hat, erst relativ spät gekommen sei. Zusammen gehalten wird alles von der von Anand schon früher geäußerten Idee, dass seine Wahlheimat Spanien und Iran, wo er FIDE-Weltmeister wurde, in der Schachgeschichte eine wichtige Rolle spielten. Gut fürs Image des Schachs ist es natürlich schon, wenn das alleine in den USA 3,4-millionenfach verkaufte Magazin ein Plätzchen einräumt.

Donnerstag, 19. Juni 2008

Werder will es wissen

Nächste Saison dürfte der Titelkampf in der Deutschen Bundesliga nicht so einseitig verlaufen wie in den beiden letzten Jahren. An der Weser erwächst dem OSC Baden-Baden ernstzunehmende Konkurrenz. Der Vizemeister rüstet nämlich mit Weltklassemann Schachrijar Mamedscharow aus Aserbaidschan, dem ebenfalls deutlich über 2700 gestiegenen Ukrainer Pawel Eljanow (von Wattenscheid) und dem starken Israeli Michael Roiz auf.

Baden-Baden hat mittlerweile Mickey Adams und Fabiano Caruana als Verstärkungen bekannt gegeben. Ob auch Mülheim noch etwas zulegen wird? Meldeschluss ist der 30.Juni.

Ansporn für Kramnik

Magnus Carlsen war schon während des Turniers in Foros kurz davor, für einen Tag die Weltranglistenspitze zu übernehmen - wenn er nämlich am Montag mit Weiß gegen Onischuk gewonnen hätte. So reicht es dem 17jährigen Norweger, der das Turnier mit vier Remis austrudeln ließ beendete - zuletzt gegen Karjakin, wobei die Partie mit 29...Te8 endete, das übertragene 30.Sf3 war schon Analyse - immerhin für 2792 und Platz zwei in der von einem Landsmann geführten Live-Weltrangliste sechs Elopunkte hinter Anand und einen Punkt vor, nein nicht Kramnik, sondern dem in Foros Zweitplatzierten Iwantschuk. Geteilt dahinter stehen bei 2788 Kramnik und Morosewitsch, der wegen der mehr gespielten Partien in der Juliliste wohl nominell schon vor seinem Landsmann auftauchen wird. Damit also die ersten fünf nur zehn Elopunkte auseinander. Aber es sind ja nur ein paar wenige Elopunkte, und mit einem guten Resultat bei den am 28.Juni beginnenden Dortmunder Schachtagen kann Kramnik sich wieder dahin setzen, wo er von der Spielstärke hingehört, nämlich neben seinen WM-Gegner Anand. Hoffentlich gibt ihm das Ansporn.

PS: Natürlich kann auch der derzeit voll im Saft stehende Iwantschuk in Dortmund Elopunkte hamstern.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Deutschlandspiel

Aus dem Großraum Frankfurt spielen drei Vereine in der neuen Saison 2008/9 Zweite Bundesliga, doch keiner ist bei der alljährlich von Spielleiter Jürgen Kohlstädt nach Kilometerabstandberechnungen vorgenommenen Einteilung in der gleichen Gruppe gelandet: Schott Mainz wurde dem Süden zugeordnet, Oberursel muss im Westen antreten, und Schöneck darf in den Osten.

Auch bei der Reisepartnereinteilung für die Bundesliga musste Kohlstädt eine schwere Entscheidung treffen: Getrennt hat er sowohl das Hansepärchen Hamburg (zu Aufsteiger SF Berlin) - Bremen (zu Aufsteiger Emsdetten, als auch das Berliner Duo (Kreuzberg zu Aufsteiger Dresden). Ob Kohlstädt auch die Alternative berechnet hat, Hanseaten und Berliner zusammen zu lassen und Dresden und Emsdetten zu vereinen? Was sich im Nachhinein als Glückswurf herausstellen würde, wenn Pessimisten Recht behalten und sich die Emsländer aus finanziellen Gründen vorzeitig abmelden. Oder zwar Emsdetten und Bremen zusammenzubringen aber auch Hamburg und Dresden? Das sind immerhin Partnerstädte, die mal eine Runde auf einem Elbedampfer austragen könnten.

Aber für solche Marketingvorschläge ist es jetzt zu spät und der nunmehr selbstständige Bundesliga e.V. sowieso noch nicht reif, wenn man dem Lamento von Werders Till Schelz-Brandenburg glauben möchte (aus Sicht der anderen verlief die Bundesligatagung in Kassel ziemlich konstruktiv). Er hätte das reizvolle Duell Bayern - Werder gerne zu Saisonbeginn gesehen. Beim letzten Mal 1994 war es in Bremen ein Hit, der für einige Medienberichte sorgte. So feste TSB mal wieder vor, bei und nach der Bundesligatagung nach so ziemlich allen Seiten ausgeteilt hat (beim letzten Mal gegen Bindlach musste der Beitrag von der Bundesligaseite genommen werden, weil die Rechtsabteilung von deren Sponsor, der Zeitschrift Aktionär, vorstellig wurde), muss man ihm doch lassen: Exzellente Ideen hat er auch.

Dienstag, 17. Juni 2008

Andrei, was machst Du?

Kaum habe ich Andrei Wolokitin für seinen erfolgreichen neuen Aufschlag 1.d4 (2/2) gelobt, kehrt er in Foros zu 1.e4 zurück. Und was passiert? Knappes Remis gegen Swidler, Niederlage gegen Eljanow. So wird das wieder nix mit Platz zwei und dem lange erhofften Aufstieg auf 2700.

Kalmücke zahlt

Das Gegenspiel von Gata Kamsky und seinem ukrainischen Manager Alexander Tschernenko ist aufgegangen. Nicht dass die Bulgaren ihr Angebot erhöht haben. Viel, viel besser. Iljumschinow persönlich bürgt für gut 600 000 Euro, um die Ausrichtung Ende November, Anfang Dezember des tatsächlich nur auf acht Partien angesetzten Quasi-Kandidatenfinals in Lwow zu sichern. Wenn Tschernenko das von ihm in Aussicht gestellte Geld nicht auftreiben kann, zahlt eben einmal mehr der Kalmücke. Über diese Lösung sind auch Danailow und Topalow zutiefst glücklich. Kein Stress mit der Organisation in Bulgarien und dazu fünfmal soviel Preisgeld.

Montag, 16. Juni 2008

Husek Wien rüstet weiter

Nach der bereits gemeldeten Verpflichtung des Amerikaners Hikaru Nakamura meldet der Aufsteiger mit dem in Budapest lebenden Italiener Fabiano Caruana und dem aus dem tschechischen Pardubice anreisenden Sergei Movsesian weitere Verstärkungen der bereits mit den Großmeistern Kiril Georgiew, Alexander Tschernin und Attila Groszpeter bestückten Mannschaft. In wichtigen Kämpfen könnte Georgiew dann durchaus am vierten Brett Platz nehmen. Von österreichischer Seite werden allenfalls Valeri Beim und Helmut Kummer einzelne Einsätze bestreiten. Husek geht als hoher Favorit in die nächste Saison der Österreichischen Bundesliga. Holz Dohr Semriach, Meister Advisory Invest Baden und der SK Hohenems dürfen allenfalls auf einen eigenen Lauf und Terminprobleme bei den Husek-Legionären hoffen.

Kaum habe ich das geschrieben, erreicht mich eine Stunde später die Nachricht, dass auch Viktor Laznicka, aufstrebender Tscheche und Trainingspartner Movsesians, bei Husek gelandet ist.

Sonntag, 15. Juni 2008

Reformolympiade

Jahre lang waren die Regeln der Schacholympiaden in Stein gemeißelt, nur die Bedenkzeit wurde zuletzt wiederholt adaptiert. Doch in Dresden gibt es eine ganze Reihe von Neuerungen, zu denen nun noch einige Ergänzungen bekannt wurden:
1. Statt 14 Runden werden nur noch 11 Runden ausgetragen.
2. Statt zwei Ersatzspielern ist nur noch ein Ersatzspieler erlaubt.
3. Die Damen spielen nicht mehr zu dritt sondern wie die Herren in Viererteams.
4. Remisangebote vor dem 30.Zug sind nicht erlaubt. Nur durch Zugwiederholung kann eine Partie früher enden.
5. Wer zur offiziellen Anfangszeit nicht am Brett ist, um seinem Gegner oder seiner Gegnerin die Hand zu geben, verliert kampflos.
6. Meldeschluss für die teilnehmenden Spieler ist nicht mehr wenige Stunden vor der ersten Runde sondern bereits zwei Monate vor dem Wettbewerb.

Kein zu spät kommen mehr also. Da werden sich die Dresdner für die Sicherheitskontrollen etwas ausdenken müssen, damit die Spieler nicht in diesen hängen bleiben. Und der frühe Meldeschluss dürfte dazu führen, dass die Schacholympiade ohne die von ihrem neuen Hauptsponsor EnBW angekündigten Stars Kramnik und Anand über die Bühne gehen wird. Dass sie sich von vornherein festlegen, weniger als zwei Wochen nach ihrem vermutlich anstrengenden Titelmatch für ihre Länder anzutreten, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Freitag, 13. Juni 2008

Trost für die Schweiz

Auf den Fußballsommer folgt der (schon einmal thematisierte) Schachsommer: Biel hat die übrigen drei Teilnehmer bekannt gegeben: Neben Pelletier, Bacrot und Carlsen (wird er in Biel Weltranglistenerster?) werden Alexejew, Onischuk und der zuletzt bärenstarke Dominguez, der im Juli erstmals die 2700 überschreitet, erwartet. Das Zürcher Schnellschachevent ist anscheinend immer noch nicht offiziell. Meiner Quelle nach soll es übrigens um den 22.August herum stattfinden.

PS: Am 20. bis 23. August nämlich aber nicht 2008 sondern erst 2009, was auch meiner Quelle erst später klar wurde. Sorry!

Neuer Aufschlag

Seit einiger Zeit hat auch Andrei Wolokitin begonnen, mit Weiß 1.d4 zu spielen. Nicht dass sein 1.e4-Aufschlag nicht stark genug wäre, abgesehen von Russisch scorte der Ukrainer, der am Mittwoch 23 wurde, ausgezeichnet damit. Doch er wolle seinen Horizont erweitern, sagte er mir vor einigen Monaten in Berlin.

In Foros scort der Tegernseer Bundesligaspieler hervorragend mit seiner neuen Waffe. Seine einzigen beiden Weißpartien bisher hat er gegen Karjakin und Onischuk mit 1.d4 gewonnen. Im Moment teilt er hinter dem überragenden Carlsen zur Hälfte des Turniers den zweiten Platz. Und vielleicht kann Carlsen von Glück reden, dass er nicht mit Schwarz auf Wolokitin treffen wird.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Carlsen bei 2791

In der virtuellen Weltrangliste hat Magnus Carlsen Kramnik nach Elo überholt und steht jetzt bei 2791. Wenn der Norweger im ukrainischen Foros so weiter macht, sprich in den verbleibenden fünf Runden noch zwei gewinnt, hat er sogar Anand eingeholt, gewinnt er noch drei, steht er bei 2800. Und wenn noch nicht in Foros, könnte es eben im Juli in Biel soweit sein. Da dürfte es bald zum Schachpolitikum werden, dass Carlsen frühestens Ende 2010, vielleicht auch erst 2011 einen Schuss auf den WM-Titel kriegt. Drei Jahre sind eine verdammt lange Zeit, wenn man erst siebzehn ist. Doch sein Vater warnt auf dem Blog erst einmal vor überzogenen Erwartungen, habe Magnus doch offensichtliche Schwächen wie zu wenig Erfahrung und im Eröffnungsrepertoire, dessen Vielseitigkeit und Überraschungseffekte andere allerdings bereits als Plus betrachten.

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