Mittwoch, 2. Juli 2008

Das damenindische Gambit einmal anders

In der vierten Runde in Dortmund traf Wladimir Kramnik mit Weiß auf seinen WM-Gegner von 2004, Peter Leko. Der Ungar spielte einmal mehr Damenindisch, was auch für die WM-Vorbereitung interessant ist, gehört diese Eröffnung doch auch zu Anands Schwarzrepertoire. (Partie-Download)

Kramnik zog dieses Mal nicht sein übliches 5.b3, und man kann das leicht so interpretieren, dass er keinen Einblick in seine Vorbereitung auf Anand gewähren wollte. Stattdessen folgte er der Mode, indem er das Bauernopfer mit 5.Dc2 und 6.d5 brachte. Doch statt dem üblichen 9.0-0 interpretierte er es mit 9.Db3. Leko verzichtete auf den Widerlegungsversuch 9...Sc7!? und gab bald den Bauern für Entwicklung und Raum zurück. Nach 18 Zügen war eine Stellung auf dem Brett, in der beide Seiten gut mit einer Zugwiederholung bedient waren, und nach einer Schaukel von schwarzem Springer und weißer Dame wurde im 23.Zug der Punkt geteilt.

Zum Glück für die Zuschauer blieben die drei Partien an den anderen Brettern länger spannend. Nepomniaschtschi gab Loek van Wely (der seit Monaten seiner Form hinterherläuft – ob er als Sekundant Kramniks geschlaucht ist durch die WM-Vorbereitung?) noch eine mit und fügte sich zu Leko und Gustafsson an die Spitze. Einer der vier Spieler einen halben Punkt dahinter mit fünfzig Prozent ist Kramnik. Am Freitag geht es in Dortmund weiter.

Dienstag, 1. Juli 2008

Naiditsch knackt den Russen

Drei Jahre ist es her, seit Wladimir Kramnik zuletzt mit Russisch verloren hat (und damals, 2005 in Sofia, war er gerade völlig von der Rolle). Einige der Experten, die Georgios Souleidis und ich für unseren gerade gelaunchten WM-Blog befragt haben, halten ihn im WM-Kampf gegen Anand alleine deshalb für den Favoriten, weil mit 1.e4 kein Durchkommen gegen Russisch in Sicht sei. Nun hat Arkadi Naiditsch den Weg gewiesen und Kramniks Lieblingsverteidigung mit einer fantastischen Vorbereitung in der dritten Runde der Dortmunder Schachtage zerlegt.

Statt der Hauptvariante der letzten Jahre 8.c4 zog der Dortmunder 8.Te1 und erst auf 8...Lg4 9.c4. Auf 10...Sd4 11.cxd5 wollte sich Kramnik nicht einlassen. Doch in der Variante, auf die er sich verlassen hat, befindet sich ein von Naiditsch aufgedecktes Loch (möglicherweise sollte Schwarz 12...c6 spielen, z.B. 13.cxd5 Sxd5 14.Dg4 Sf6 und nun nicht 15.Dxg7? Sf3+ sondern 15.Dh3 mit Kompensation aber wohl nicht mehr). 16.Lf4 lässt Schwarz keine Wahl, da 16...0-0? an 17.Sxe7+ Dxe7 18.Ld6 scheitert.

Der Schlüsselzug ist 19.Dd2!! mit der Pointe 19...Dxe5 20.Db4+ Ke8 21.Dxb5+ Kd8 (21...Kf8? 22.Dc5+ nebst Springerabzug) 22.Td1 und entscheidendem Angriff. Kramnik versuchte es anders, doch nach 22.De3 ist guter Rat teuer. Er gab die Dame für Turm und Springer, doch es gab keinen Weg, eine Festung aufzubauen. Eine starke Vorstellung von Naiditsch und ein interessanter Wink für Anand.

Montag, 30. Juni 2008

Kramniks schnörkelloser Start

Wladimir Kramnik hat mit dem Training für die WM längst begonnen. Seit Wijk aan Zee im Januar, wo er, auch wegen einer Erkältung, am Ende auf fünfzig Prozent sackte, hat er keine lange Partie mehr absolviert. Sein überzeugender Schnellschachsieg gegen David Navara vor einem Monat in Prag deutet darauf, dass er wieder in Form ist. Eine Einladung, im Grand-Slam-Finale am 2.-13.September in Bilbao durch die Absage eines in Mexiko City geplanten Turniers frei gewordenen Platz einzunehmen, hat er ausgeschlagen. Anand will er lieber erst ab dem 14.Oktober begegnen. Darauf ist bereits alles abgestimmt.

Das seit Samstag laufende Sparkassen-Chess-Meeting, besser bekannt als Dortmunder Schachtage, ist Kramniks letztes ernstes Turnier vor dem WM-Kampf. Die Auslosung meint es nicht so gut mit ihm: In vier der sieben Partien dieses bis Sonntag, den 6.Juli dauernden Wettbewerbs hat er Schwarz. In der ersten gegen Dortmund-Debütant Jan Gustafsson. Den überraschte Kramnik mit Grünfeldindisch. Was gleich drei Botschaften an Anand beinhaltet:

1. Schau mal, womit du dich auch noch beschäftigen musst, wenn du 1.d4 eröffnen willst.
2. Wenn ich aber doch Slawisch spiele, zeige ich nicht, wie ich mich derzeit aufbauen würde.
3. Und wenn du selbst als Schwarzer Grünfeld planst, darfst du damit rechnen, dass ich mich damit befasst habe.

Gustafsson konnte sich nicht zu einem Widerlegungsversuch durchringen und wählte eine Variante, in der Weiß nichts riskiert, aber auch nur zu Vorteil kommen kann, wenn Schwarz mehr als Remis will. Damit war auch Kramnik zufrieden. Zur Versöhnung der Zuschauer haben beide schnörkellos abgewickelt, bis das Resultat offensichtlich war.

In der zweiten Runde traf er auf seinen Sekundanten Loek van Wely, gegen dessen Slawisch er der kritischen Moskauer Variante (4.Sc3 e6 5.Lg5 h6) weiträumig auswich und sich mit 4.e3 und 5.b3 aufbaute. Van Wely reagierte uninspiriert. Statt 6...b6 wäre mir aus weißer Sicht 6...Se4 nebst 7...f5 und 8...Ld6 unangenehm. Der Niederländer stellte sich auf e3-e4 ein, stand aber gegen 10.Se5 falsch. Nach 13...Lb4? stand der weiße Vorteil bereits außer Frage. Kramnik setzte geradlinig mit einem Bauernopfer fort. 22...Lb6? beschleunigte den schwarzen Untergang. Auf das zähere 22...f5 folgt aber in Ruhe 23.Dg6 Te7 24.Tad1 Lb6 25.Tfe1 mit der Drohung, auf d7 einzudringen (25...c5 26.Td7! bzw. 25...Lc8 26.Td6).

Der Turnierbeginn ist Kramnik schon mal gelungen. Um nicht Elo zu verlieren, muss er freilich auch mehr als vier Punkte schaffen. Mit 5,5 aus 7 kann er sowohl Anand einholen als auch die 2800 wieder schaffen. Es passt nicht zu dem Pragmatiker, sich von vornherein so ein ehrgeiziges Ziel zu stecken. Aber vielleicht läuft es ja. 2006 holte Kramnik in Dortmund plus zwei, voriges Jahr plus drei, da wären plus vier jetzt einfach mal dran.

Donnerstag, 26. Juni 2008

Deutsch-Russische Freundschaft

Das Mainzer Chess Classic hat gut daran getan, seinen Termin um zwei Wochen auf Ende Juli, Anfang August vorzuverlegen. Offiziell war nur von Rücksicht auf die Olympischen Spiele die Rede, deren Fernsehfans man nicht verlieren will, aber in Wahrheit wäre Mitte August auch fatal, weil dann die Fußballbundesligasaison beginnt, die den ganzen nichtolympischen Rest der Sportberichterstattungsplätze aufsaugen wird.

Dass sich die Dortmunder Schachtage, die am Samstag beginnen, mit dem EM-Finale am Sonntag überschneiden, ist dagegen kein Nachteil. Die FAZ hat mir in der Samstagsausgabe Platz für einen Vorbericht zugesagt, und auch die Schach- und Fußballfans können es kombinieren. Ab 15 Uhr gepflegt im Schauspielhaus Schach schauen und dann um 20.45 draußen, vermutlich wenige Meter entfernt auf Großleinwand (leider kein Hinweis auf der Schachtage-Website) das Endspiel. Ich vermute mal, dass der seitens der Stadt immer noch für die Schachtage beauftragte Gerd Kolbe, ehemals Stadionsprecher und Klubhistoriker der Borussia und vor zwei Jahren Verantwortlicher für die Fußball-WM in Dortmund, an der örtlichen EM-Fanmeile organisatorisch beteiligt ist. Als Anhaltspunkt, falls es Deutschland-Russland wird, empfiehlt sich ein augenzwinkender Seitenblick, wie es am Samstag in den Paarungen Gustafsson-Kramnik und Naiditsch-Nepomniaschtschi ausgeht (Spielplan). Und anschließend können sich die von den Spaniern besiegten Nationen verbrüdern.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Happy Birthday, Vladimir!

33 is an excellent age for a top chess player. Make the most of it during the next twelve months! And take inspiration from your younger compatriots on the football pitch: reinvent your attacking game!

It has been quite a good year for you. Not as good as the year before when you overcame your athritis and Topalov in the notorious Elista match to become our unified world champion. But still a good one with excellent victories in Dortmund and Moscow and a much underestimated second place in Mexico where you were just less lucky than the proud winner Anand, whom you will face later this year.

Work, fight and be ready to take risks to be number one and live up to the promise of your talent, Vladimir! Show us your best in Dortmund, Bonn and Dresden and help in this way to raise the popularity of chess in Germany!

Yours truly,
Schachblogger

Grand Slam greift fehl

Wie ich hier vor einiger Zeit schrieb, wäre es eine schöne Geste, den freien Platz im Grand-Slam-Finale am 2.-13. September in Bilbao an den Sieger von Dortmund zu vergeben. Zumal wenn man sich ernsthaft immer noch bemüht, das deutsche Traditionsturnier in Zukunft für die Serie zu gewinnen. Doch heute haben die baskischen Veranstalter bereits bekannt gemacht, wen sie neben den Siegern Aronjan (Wijk aan Zee), Anand (Morelia/Linares), Iwantschuk (Sofia) und Zweitplatzierten Carlsen (Wijk aan Zee, Morelia/Linares) und Topalow (Sofia) einladen. Nämlich Radschabow. Nicht nur zu früh sondern auch der falsche Name. Radschabow hatte nämlich heuer schon jede Menge Chancen (Wijk aan Zee, Morelia/Linares, Sofia), gerade auch gegen die anderen Grand Slam-Finalisten und kam eben deshalb überspielt nach Sofia. Da hätte es einige interessante Alternativen gegeben - und nicht zuletzt den Sieger von Dortmund, den wir am 6.Juli kennen werden.
PS: Zuerst war Wladimir Kramnik gefragt worden, ob er den freien Platz einnehmen möchte. Nach seiner Absages, so höre ich, erwarteten die Veranstalter, da Iwantschuk ja schon als Finalteilnehmer fest steht, keinen interessanten Sieger von Dortmund. Mamedscharow haben sie da wohl vergessen, würde ich sagen. Überlegt wurden dann noch Morosewitsch und Kamsky, aber verworfen. Radschabow drängte sich auf, weil er in allen drei Grand Slam-Turnieren Platz drei teilte.

Dienstag, 24. Juni 2008

A Message to 2700+ players

Dear Grandmaster,
what are your plans for November 29 and January 31?
If you´re rated above 2700 and you´re free and willing to come to Germany on both given dates please send a brief message including your fee for a game to Mr Schmitz (svmhnord@cityweb.de).
Mr Schmitz is chairman of the SV Mülheim-Nord, a contender for the German team champion title (you may have heard more about our rivals OSC Baden-Baden and Werder Bremen).
Looking forward to seeing you add excitement to the German Bundesliga!
Schachblogger

Montag, 23. Juni 2008

Was wird aus den Bindlachern?

Nach dem Rückzug des Aktionärs als Namenssponsor und der ersten Mannschaft aus der deutschen Bundesliga wenige Tage nach Ende der Saison haben fast alle Spieler wieder einen Verein gefunden (weitere Bundesliga-Personalien hier). Nur David Navara sucht noch und Wladimir Baklan, der aber vielleicht auch die Nase voll hat von der deutschen Liga, nachdem es ihm schon dreimal passiert ist, dass seine Mannschaft im zweiten Jahr zurückgezogen wird. Weiter für Bindlach in der Zweiten Liga Ost spielen Roman Slobodjan und Eigengewächs Axel Heinz. Der Verein hat sich nochmals ausdrücklich bedankt und die neuen Vereine der anderen bekannt gegeben:

Falko Bindrich zum SC Eppingen
David Baramidze zum Hamburger SK
Ilja Schneider und Jan Markos zu den SF Berlin
Michael Bezold zu Bayern München
Michael Prusikin zum SC Forchheim (Zweite Liga Ost)
Dimitri Bunzmann zum SC HP Böblingen (Zweite Liga Süd)

Sonntag, 22. Juni 2008

Vorhang auf für Anish Giri

Die meisten Spielerwechsel der deutschen Bundesliga sind bereits bekannt: Werder meldet mit Mamedscharow den spielstärksten Neuzugang, Remagen mit Hübner und Solingen mit Buhmann zwei interessante Comebacks. Mülheim verstärkt sich mit Kasimdschanow und darf sich im Dreikampf mit Baden-Baden (freilich weiterhin hoher Favorit) und Werder ebenfalls gewisse Titelchancen ausrechnen.

Doch das interessanteste neue Gesicht in der Liga gehört Anish Giri (hier in Aktion eingefangen von Fred Lucas und hier ein Porträt am Brett), der am kommenden Samstag 14 Jahre alt wird. Herzlichen Glückwunsch - auch an Emsdetten. Der Aufsteiger hat den früheren Russischen U12-Meister und Vierten der U14-EM nämlich in seinen Kader aufgenommen.

Der ist ja nicht einmal IM und hat gerade mal 2430 in der Juliliste, da gibt es in dem Alter weit Stärkere, werden manche einwenden. Doch Giri hat in den letzten Jahren nicht viel Gelegenheit gehabt, sein Talent zu entwickeln. Seine Familie zog nämlich von St.Petersburg für einige Jahre ins schachlich unterentwickelte Japan, wo Vater Sanjay eine Unistelle hatte.

Giris Mutter ist Russin, Vater Sanjay Giri Nepalese und Hydrologe. Seit einigen Monaten hat er einen Job bei einem Forschungsinstitut im niederländischen Delft, wohin die Familie, zu der auch noch zwei Schwestern gehören, übersiedelt ist. Die Niederlande ist schachlich alles andere als ein Entwicklungsland. So hat Anish Giri im April mal wieder ein Open gespielt, in Hilversum nämlich, und es auf Anhieb mit GM-Norm und einigen reifen Spielleistungen gewonnen. Hans Ree hat daraufhin die Vorhersage gewagt, dass wir an Anish Giri noch viel Freude haben werden. Ich wage mal die Vorhersage, dass er in einem Jahr Großmeister ist und in zwei Jahren 2600 Elo hat.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

close to the resorts...
close to the resorts are http://www.turkish-propert y-world.com/alanya_apartme nt.php...
tpw - 22. Jun, 16:18
Hält man das zusammen...
Hält man das zusammen mit der nunmehr von der Landesschachseite...
racingralf - 11. Aug, 09:43
montages wa maandishi...
Rellstabsstelle- Wakati wa mgomo hewa NATO juu ya...
er78kl - 1. Jul, 10:49
Falsifiziert
Dankenswerterweise hat Michael Knapp sich die Arbeit...
Schachblog rank zero - 6. Dez, 09:46

Besuchen Sie auch

Suche

 

Status

Online seit 7340 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Jun, 16:18

Credits


Impressum
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren