Mittwoch, 20. August 2008

Noch bis Sonntag...

...den 24.August ist in der Kunsthalle Wien Gelegenheit, beim von mir organisierten Großmeisterturnier vorbeizuschauen. Nach vier Runden führt Sarunas Sulskis aus Litauen. Chancen auf eine GM-Norm haben der 14 Jahre alte Anish Giri und Gerhard Schroll, der ebenso wie Gernod Beckhuis in Gehentfernung wohnt. Auch die Gäste aus dem Ausland kommen zu Fuß zu den Runden, obwohl etwa Georgy Timoshenko fast drei Kilometer entfernt wohnt. Am Ende der Woche wird er einige Wiener Innenbezirke besser kennen als die meisten Wiener.
Die Partien beginnen täglich um 13.30 Uhr, die Zeitkontrolle ist kurz nach fünf. Am Donnerstag von 13 Uhr bis Rundenbeginn ist außerdem eine Filmvorführung der Schachoper von Zenita Komad zu sehen. Der Eintritt ist frei. Alle Infos sowie die Partien, Fotos und Kommentare auf der Turnierseite.

Dienstag, 19. August 2008

Politische Mischung

Georgien boykottiert die Frauen-WM aus rein politischen Motiven, um sich für den (natürlich vollauf gerechtfertigten) Straffeldzug Russlands zu revanchieren. So stellen der FIDE-Präsident , gleich nochmal der selbe, der ECU-Präsident und der Veranstalter die Kontroverse um den Austragungsort dar und fordern dabei auf, Politik und Schach nicht zu vermischen. Keine Silbe, auch nicht des Bedauerns, dass es eine ganze Reihe Frauen aus anderen Ländern gibt, die nicht nach Naltschik reisen werden, weil ihnen dieser Ort zuwider ist. Abgesehen von den hier schon Genannten werden wohl auch Marie Sebag, Claudia Amura, Tea Lanchava-Bosboom, Monika Socko und Iweta Rajlich die Reise in den friedlosen Nordkaukasus nicht antreten. Elli Pähtz will weiterhin spielen, nicht aber die andere deutsche Vertreterin Keti Kachiani-Gersinska (aber siehe PS).

Alles wäre nicht nötig gewesen, hätte sich die großflächige Meldung vom März bewahrheitet, dass Istanbul nach der argentinischen Absage einspringt. Dass selbst ein Ali Yacizi nicht alles schafft, war Chessbase übrigens keine Zeile mehr wert, stattdessen warb man für Naltschik.

PS 30.August: Socko, Rajlich, Amura und Kachiani-Gersinska haben es sich noch überlegt und sind doch nach Naltschik gereist.

Freitag, 15. August 2008

Go away

Computer schlägt Go-Profi jubelt Chessbase an diesem Freitag. Donnerwetter! Das sollte doch mindestens noch zehn Jahre hin sein, weil Go wegen der enorm vielen Möglichkeiten (361 im ersten zug, 360 im zweiten usw.) für den Computer mit intelligenter Brute Force anders als Schach nicht zu bewältigen ist, dachte ich. Der Artikel erwähnt mit keiner Silbe, dass der Profi dem französisch-niederländischen Programm MoGo Titan ein Riesenhandicap gewährt hat, nämlich vor Beginn der Partie neun Steine auf wichtigen Zentralfeldern zu platzieren, was im Schach etwa auf die Vorgabe eines Turms hinausläuft (vielleicht weniger, siehe Kommentare). Mit einem Turm mehr würden sicher einige Zehntausend Spieler auf der Erde den Schachweltmeister schlagen. Wäre das eine Nachricht? Ich glaube nicht.

Donnerstag, 14. August 2008

Liste der Absagen mehrt sich

Während die FIDE, ohne die weitere Entwicklung abwarten zu wollen, mit deutlichen Worten an der Ausrichtung der Frauen-WM in Naltschik festhält, mehren sich die Absagen. Heute haben die sechs georgischen Teilnehmerinnen erklärt, dass sie nicht fahren werden. Wie würde wohl der russische Schachverband reagieren, fragt sich (wohl nicht nur) Maia Lomineischwili, wenn die WM nicht im eigenen Land sondern in Georgien stattfände?

Mittwoch, 13. August 2008

Alles safe, verspricht der Präsident

Seine Exzellenz, FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow, hat den Frauen, die Naltschik nicht für eine sichere Turnierdestination halten, wie folgt geantwortet:

"Elista, 13 August 2008
Dear chess friends!
After having read the open letter of several participants of the forthcoming World Chess Championship in Nalchik (Republic of Kabardino-Balkaria, Russian Federation), I would like to make the following statement:
The World Chess Federation is in close contact with the Russian Chess Federation and the Championship’s Organising Committee. The FIDE delegation visited the city of Nalchik during 5-6 August and took part in the meeting of the Organising Committee.
According to the information received, the preparation for the tournament has entered its final stages, and a lot of attention has been given to the issues of food, accommodation as well as the provision of all necessary security.
We are aware of the recent developments in South Ossetia, and would like to express our most sincere condolences to all who have become victims of this terrible tragedy.
However, in the current situation I appeal to all not to mix politics and sport, and not to involve FIDE and the world chess community into political, territorial and other disputes. All the issues should be settled at a chess board, and not beyond its limits. This issue is particularly critical during the days of the Olympic Games.
I am confident that we shall witness a very interesting World Championship in Nalchik, which will be organized on a proper level.
See you in Nalchik.
We are one family.
Kirsan Ilyumzhinov
President"

Ich übersetze mal auf die Schnelle:
Kommt nach Karbadino-Balkarien und überzeugt euch selbst, dass ihr dort sicher seid. Und seid ihr es nicht, gebt die Antwort am Schachbrett!

Montag, 11. August 2008

Verlegung der Frauen-WM wird gefordert

Die Zuspitzung der Ereignisse zwischen Georgien und Russland wirkt sich nun auch auf das Schachgeschehen aus. Naltschik, wo in gut zwei Wochen die Frauen-WM beginnen soll, ist durch schwere Kämpfe im Oktober 2005 zu trauriger Berühmtheit gelangt, liegt nur etwa 100 Kilometer von Gebieten, in denen derzeit gekämpft oder zumindest geschossen wird, und auch das Eintreffen von Flüchtlingen wird bereits kolportiert. Sicherheitsbedenken einzelner Frauen, die abgesagt haben, waren hier schon ein Thema. Nun rufen weitere Qualifikantinnen in einem Offenen Brief die FIDE auf, die WM zu verlegen. Hier der Wortlaut:

"Dear chess friends!

We would like to inform you about current situation regarding women chess championship which should be held in Nalchik.

As it was known before Cabardino-Balkaria is the most dangerous region in Russia. Especially now, in view of current events, situation became more dangerous. War zone in South Osetia is around 140 km from Nalchik. Not only the conflict zone, but the other areas around are bombing permanently. Many refugees are escaping to Kabardino-Balkaria. Being in Nalchik is not safe for all players.

According all this facts we would like to apply FIDE to change the place of women world championship and move it to the safety place..

P. S. If you are agree, please join us with signing attachment, and please send it to FIDE and to us (Maia Chiburdanidze, Lela Javakhishvili, Sopio Gvetadze, Nino Khurtsidze, Maia Lomineishvili, Sopiko Khukhashvili) by this e-mail: wchampionship@yahoo.com"

Dass die Erstunterzeichnerinnen allesamt Georgierinnen sind, entwertet den Vorstoß freilich, denn er kann - und wird wohl - als politisch abgetan werden. Schließlich ist der kritisierte Austragungsort in Russland, und das ist Georgiens Gegner in den akuellen Konflikten um Abchasien und Südossetien.

Eine unbefangene Entscheidung ist freilich von der FIDE kaum zu erwarten. Ihr Präsident Iljumschinow ist selbst Chef eines Gebiets im Süden Russland und muss in Treue zum Kreml stehen.

PS: Die kanadische Meisterin Natalia Khoudgarian hat ebenfalls schon im Juni unter Verweis auf die Reisewarnung des kanadischen Außenamts abgesagt mit diesem (nie beantworteten) Brief an den FIDE-Vorstand:

"Dear members of FIDE presidential Board,
It was a great surprise to find out that the World Women's Championship 2008 was scheduled to be held in Nalchik, as it is well known from the news that North Caucasus region is a very dangerous and nonsecure place.
Canadian travel advisory page tells to avoid all Travel and has the following information:
"OFFICIAL WARNING: Foreign Affairs and International Trade Canada advises against all travel to the Chechen Republic or the neighbouring North Caucasus region, including North Ossetia, Ingushetia, Dagestan and Kabardino-Balkaria, but excluding Stavropol Krai and the Republic of Karachaevo-Cherkessia. Canadians in Chechnya should leave. The security situation is unstable and dangerous.
Heavy military activity, terrorist bombings, kidnappings, and unexploded mines and munitions are widespread. Canadians contemplating travel to Chechnya despite this warning are taking serious and unwarranted risks. The ability of the Embassy of Canada in Moscow or Foreign Affairs and International Trade Canada to render assistance is severely limited or non-existent."
Under this circumstances I would like to express a great regret to the decission of FIDE presidential Board to held the 2008 World Women's Championship in this region and cancel my participation.
If there will be change and the Championship will be scheduled for a different location I would be happy to play.
Sincerely,
Natalia Khoudgarian
Canadian Women's Chess Champion"

Nie was gewesen

Es ist zwei Monate her, seit Falko Bindrich Unterstützung vom DSB forderte bei der Wiederherstellung seines Rufs nach der Sperrung auf dem Fritz-Server. Vergeblich. Nun erscheint ein Porträt auf der DSB-Seite, das sich in einer Aufzählung der Fortschritte des jüngsten deutschen Großmeisters erschöpft, die von Chessbase gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfe aber fein verschweigt. Alles wieder gut? Von wegen. Beim DSB neigt man dazu, dem Sponsor zu glauben. So jedenfalls würde ich auch Bönschs schwammige Wertung der Affäre gegenüber der Zeitschrift Schach deuten.

Deutsche Liga noch stärker

Die Ranglisten der deutschen Bundesliga sind da. Einfach auf der Ligawebsite in der Tabelle rechts (wo alle noch 0 Punkte haben) auf den Vereinsnamen clicken, und die jeweilige Mannschaftsaufstellung scheint auf. Der Trend geht weiter Richtung Aufrüsten. Der von OSC in OSG Baden-Baden umbenannte Meister ist mit einer möglichen Aufstellung jenseits von 2700 Eloschnitt Favorit, aber nicht so überlegen wie in den letzten beiden Jahren: Werder kann in Bestbesetzung nun über 2670, Mülheim-Nord immerhin über 2660 aufbieten.

Wer wird die Bayern München und den TU USV Dresden in die Zweite Liga begleiten? Obwohl allesamt verstärkt machen wohl Turm Emsdetten, die SF Berlin, der SC Kreuzberg (mit Shengelia und Maksimenko für Aronjan und Löffler) und Turm Trier die übrigen zwei Absteiger unter sich aus.

Sonntag, 10. August 2008

Wer folgt Arik?

Braun_kl_thumb
Wer das GM-Turnier in der Kunsthalle Wien gewinnt, kann es weit bringen. Behaupte ich einfach mal angesichts der erfreulichen Neuigkeit, dass der Sieger von 2005 Arik Braun (oben ein Foto von damals) die U20-WM in der Türkei derzeit mit 6,5 aus 8 zusammen mit Li Chao anführt. Wer wird 2008 vorne landen? Erster Anwärter auf den Sieg ist der dreimalige Bulgarische Champion Boris Tschatalbaschew, der ab 16.August mit der höchsten Elo 2596 ins Rennen geht und gegen beide GM-Kollegen Sarunas Sulskis und Georgy Timotschenko Weiß haben wird.

Aber viele werden wohl Anish Giri die Daumen drücken, von dem hier schon eher die Rede war. Vorhin bekam ich von einem anderen Teilnehmer eine E-Mail, ob es sich um ein kleines Mädchen aus Russland handle. Ich habe geantwortet, dass er Anish besser nicht für ein Mädchen halten soll.
GirivonOlthof
Im April hat der 14jährige (Foto: René Olthof) in Hilversum eine GM-Norm geholt und gerade in Enschede hat er eine IM-Norm deutlich übererfüllt. Dass er es noch weit bringen wird, bin ich mir jetzt schon sicher. Kann Anish vielleicht schon in Wien siegen? Am 24.August wissen wir mehr.

Donnerstag, 7. August 2008

Um ein Jahr geirrt

Vor einiger Zeit habe ich hier einen tollen Schweizer Schachsommer angekündigt in Biel und Zürich. Allerdings findet das mit vielen Stars inklusive Kasparow geplante Event in Zürich nicht im August 2008 sondern erst 2009 statt, was auch meine Quelle erst später bemerkt hat. Und es macht ja auch Sinn: Denn es ist das 200jährige Jubiläum des ältesten Schachvereins der Welt. Sorry!

Kramnik besinnt sich auf Russland

Nachdem sich Gazprom bei seinem Titelkampf eingekauft hat, präsentiert der Ex-Weltmeister nun auch einen neuen Sponsor aus seiner alten Heimat: die Eurocement-Gruppe von Filaret Galtschew, der in der aktuellen Forbes-Liste auf gut zwei Milliarden Euro Vermögen und Nummer 38 der russischen Milliardäre eingestuft wird und wohl noch weiter aufsteigen wird. Eurocement hat einige Wettbewerber geschluckt und ist mit vierzig Prozent Anteil Marktführer im derzeit einen Bauboom erlebenden größten Land der Erde. Das Unternehmen war maßgeblich beteiligt, den Preis für eine Tonne Zement in Russland zu verdoppeln, was ihm ein Antimonopolverfahren eingebrockt hat, das mit einem für das Unternehmen glimpflichen Vergleich endete. Da Zement von Bauträgern und Baufirmen angefragt wird und nicht von der breiten Masse, könnte das Engagement, den Schachweltmeistertitel wieder nach Russland zu holen, politischem Lobbying dienen. Die Eurocement-Gruppe, die übrigens mit der gleichnamigen Eurocement in Nickenich bei Koblenz nichts zu tun hat, plant in den nächsten Jahren, nämlich erheblich zu expandieren.

Zehn Großmeister für sechs Bretter

Husek Wien ist verdammt, Österreichischer Meister zu werden. Nach Nakamura, Caruana, Laznicka und Movsesian wird nun auch noch die Verpflichtung von Jewgeni Najer vermeldet, der damit der zehnte GM in Diensten des testamentarisch durch seinen Namensgeber Alfred Husek zum Meistertitel verfügten Aufsteigers ist. So spannend wie im Vorjahr wird die Liga also eher nicht werden. Derweil tippt sich der Schachblogger die Finger wund, um nicht zehn sondern genau noch einen weiteren Großmeister zu einem Turnier im Museumsquartier zu locken. Und das leider ohne Erbe im Hintergrund.

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