Dienstag, 5. August 2008

Sandrine Bonnaire ist: Die Schachspielerin

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Echec et Mat, die Zeitschrift des französischen Verbands, hat einen Coup gelandet, nämlich erste Fotos von dem demnächst in Frankreich anlaufenden Film "Joueuse" bringen zu dürfen und dazu ein Interview mit der Regisseurin Caroline Bottaro (das leider nicht online ist, also bitte her mit den guten Zitaten, wer es gelesen hat!). "Joueuse" bedeutet Spielerin. Der englische Verleihtitel "Queen to Move" macht die Beziehung zum Schach deutlicher. Es ist die Verfilmung der Novelle "Die Schachspielerin" von Bertina Heinrichs. Bonnaire spielt ein Zimmermädchen in einem griechischen Hotel, das im Zimmer eines amerikanischen Paares (gespielt von Kevin Kline und Jennifer Beals) ein Schachspiel entdeckt, sich in das Spiel vernarrt und dadurch ihr Leben ändert. Das laut Bonaventura nicht nur vor Schmalz triefende sondern auch mit schachlichen Unsinnigkeiten ("siebte Diagonale") gespickte Buch hat offenbar nicht nur in Deutschland reichlich Leser gefunden. Ich vermute jedenfalls, dass mein Lieblingsfilm mit Bonnaire in einer ähnlichen Rolle, nämlich als Hausangestellter, Chabrols Meisterwerk "La Cérémonie" bleiben wird.

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Die Turnierwebsite folgt!

Samstag, 2. August 2008

Be a brave woman and play in Nalchik!

Nalchik is the chosen place of FIDE for the Women´s World Championship to start at the end of August. This town of 270 000 inhabitants in the Russian Republic of Karbadino-Balkaria lies close to the highest Caucasus peak Elbrus, but is mainly known for what happened there in October 2005. Gunmen attacked police stations, a prison and the airport. About 140 people were killed. The gunmen were said to be Chechens (the usual culprits in Russia) by officials which seemed plausible enough, as the Chechen capital Grosny is the next big town to the East. But many believe the gunmen to have been separatists of a different ethnic group. Some eye-witness reports can be read here.

After the attacks more Russian security forces have been brought to Nalchik. But there are constant rumours of shootings and killings in and near the town which suffers from a depressingly high rate of unemployment. Thus, not everybody is convinced that the situation is under full control. It would seem that the Russian government wants to use the Women´s World Chess Championship to prove it.

I asked a few of the qualifiers what they think. Iweta Rajlich admits that she has been trying to avoid the question so far. She adds that she would certainly not go if she was pregnant. Katia Atalik has already made up her mind. She won´t play as, even if she could somehow convince herself that she wouldn´t have to fear for her life, she couldn´t concentrate in the heavy presence of security forces. And then there are speculations that the tournament may yet be postponed and moved elsewhere at short notice, as has happened earlier with FIDE events.

PS: The German Foreign Service is warning not to travel to Karbadino-Balkaria for safety reasons. The magazine Schach reports that the German federation´s coach Uwe Bönsch is not allowed to travel to Nalchik, and that the federation has advised its players Elisabeth Pähtz and Marta Michna Keti Kachiani-Gersinska not to go. The battles of the last few days in nearby South Ossetia will certainly not help to calm down those who are concerned.

Wenn Chessbase seinen Anwalt schickt

Der Name des umstrittenen Fritz-Server-Administrators Holger Lieske, der auch die Affäre Bindrich auslöste, darf auf dem Diskussionsforum Schachfeld nicht mehr genannt werden. Martin Fischer, der laut seiner Website offenbar stolz darauf ist, Anwalt von Chessbase zu sein , hat mit Klage gedroht. Prompt wurde ein Was ist geschehen?-Thread eingerichtet, auf dem nun immer öfter das Wort Zensur fällt. Liegt dem Hamburger Softwarehaus mehr daran, einen Mitarbeiter schalten und walten zu lassen, als am Ruf der Firma, der in bestimmten Kreisen anscheinend als unreparierbar betrachtet wird? Oder ist der Anwalt Martin Fischer, (Nachtrag) wie kolportiert wird, in diesem Fall persönlich von seinem Fritzserver-Turnierleiterkollegen Holger Lieske beauftragt worden?
PS: Der im Kommentar zitierte Brief demonstriert das harte Vorgehen.

Freitag, 1. August 2008

Kärnten ruft

Am 17. bis 24.August findet ein feines Open in Feffernitz statt, hübsch am in der Nähe des Faaker Sees in Kärnten gelegen, wo man Schach exzellent mit Baden und Wandern verbinden kann. Auch dass dort gleich im Anschluss ein Trainingscamp für die österreichischen Jungtalente stattfindet, macht mir dieses Turnier sympathisch. Ich schreibe dies aber aus anderem Grund, nämlich weil ich unwissentlich einen Teilnehmer für ein Großmeisterturnier abgeworben habe, das ich ab 16.August in Wien veranstalte (mehr dazu). Nun wird jemand gesucht, der das Zimmer des Spielers in Feffernitz übernehmen mag, weil sonst Stornokosten von 150 Euro auf mich zukommen. Wer also Lust und Zeit hat, setze sich in Verbindung mit dem rührigen Organisator Helmut Löscher (h.loescher@utanet.at)

Dienstag, 29. Juli 2008

Dresden im Aufwärtstrend

Ein Zuschussgeschäft für Dresden wird die Schacholympiade bleiben, doch in den letzten Monaten hat sich einiges zum Positiven gewendet:

1. Der aus den Kassen der Stadt eingeplante Zuschuss von 1,9 Millionen Euro reduziert sich auf 1,4 Millionen, muss also zu mindestens einem Viertel nicht ausgeschöpft werden, weil die lange erfolglose Sponsorensuche doch noch zwei potente Fische an Land gezogen hat: den Stromversorger EnBW und PC-Ware, ein auf die Beschaffung von IKT-Anlagen und -Dienste spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Leipzig. Aufgrund weiterer Geldmittel von Land, Bund und öffentlichen Unternehmen bleibt die öffentliche Hand freilich mit einem Anteil von gut drei Vierteln der 4,2 Millionen Euro Budget weit stärker in der Kreide als lange zugegeben wurde.

2. Die ominöse Entwicklung einer eigenen Übertragungstechnik, von der nicht ganz klar war, wer die möglichen Profite einnehmen würde, wurde eingestellt und der zunächst verstimmte Platzhirsch DGT Projects dafür gewonnen, dass die Partien der Olympiade zuverlässig online zu sehen sind, und engagiert sich sogar darüber hinaus.

3. Der Kartenvorverkauf läuft über Erwarten gut und hat die angesetzte Summe bereits übertroffen, obwohl es noch dreieinhalb Monate bis zur ersten Runde sind, sagte mir Kai Schulz, Leiter des städtischen Presseamts. Auch das Musical Chess lief in allen Vorstellungen vor ausverkauftem Haus. Beides deutet darauf hin, dass die Schacholympiade und ihr Beiprogramm ihr Publikum finden werden.

4. Noch ist die Schacholympiade außerhalb Dresdens wenig bekannt. Insbesondere EnBW hat sich verpflichtet, dagegen anzugehen. Im Lauf der Olympischen Spiele, also ab Mitte August soll in dreißig bis vierzig Städten eine Plakatkampagne anlaufen, an der sich auch weitere Sponsoren beteiligen.

5. Die Dichte an Schachterminen in diesem Herbst scheint sich nicht negativ auszuwirken. Im Gegenteil deuten die eintreffenden Mannschaftsmeldungen daraufhin, dass enorm viele Stars in Dresden an den Brettern sein werden: Russland komplett mit Kramnik, Morosewitsch, Swidler, Grischtschuk und Jakowenko. Indien mit Anand. Die USA mit Kamsky (obwohl einen Tag nach Dresden sein Kandidatenfinale gegen Topalow beginnen soll). Norwegen mit Carlsen. Ungarn mit Leko und Judit Polgar. Die Chancen stehen gut, dass es die sportlich attraktivste Schacholympiade wird.

Samstag, 26. Juli 2008

Bankrott schlägt Pleitier

Darf man mit Namen scherzen? Eigentlich nein. Aber wie der sympathische Bieler Yannick Pelletier und sein französischer Trainingspartner Etienne Bacrot nach den ersten Runden in Biel abgeschlagen das Tabellenende zierten, drängten sich die bösen Wortspiele einfach auf: Excusi, wie der Schweizer sagt! Mittlerweile hat Bacrot den Bankrott mit zwei Siegen abgewendet, während Pelletier, nachdem er eine vielleicht minimal bessere Stellung gegen Carlsen zu optimistisch behandelt hat, mit einem halben aus sechs auf Pleitekurs bleibt.

Freitag, 25. Juli 2008

Gibt der Kreml Gas für Kramnik?

Hat es Josef Resch, der Chef von UEP, dank seiner Kontakte als Rohstoffhändler eingefädelt, oder war wie schon bei Evonik Bundesfinanzminister Peer Steinbrück der entscheidende Mann? Jedenfalls ist das WM-Match Kramnik-Anand, wie Ausrichter UEP heute mitteilte, um einen Hauptsponsor reicher, der in Deutschland spätestens als neuer Arbeitgeber des vorigen Kanzlers Schröder allgemein bekannt wurde: Gazprom ist mit 400 000 Mitarbeitern und mehr als 150 Milliarden Euro Börsenwert das größte Unternehmen Russlands und eines der größten der Welt.

Kasparow zufolge ist das frühere Staatsunternehmen die Stelle, an der sich Putin und seine Getreuen bereichern. Die WM in Bonn ist weder das erste Engagement von Gazprom im Sport noch das erste in Deutschland. Das Gasunternehmen sponsert Schalke 04 und ist Eigentümer von UEFA-Cupsieger Zenit St.Petersburg.

Der Einstieg des mit dem Kreml eng verzahnten Unternehmens (Medwedew war Chef des Aufsichtsrats, bevor er Putins Posten einnahm) wirft auch ein Licht auf Kramnik kürzliche bekannt gewordene Entscheidungen, Ende August in Moskau und im November für Russland in Dresden anzutreten, sowie seine sehr deutliche Distanzierung von Kasparow und Belobigung der russischen Regierung in seinem Prager Interview. Schließlich hat Kramnik im stellvertretenden Premier Alexander Schukow, der auch Präsident des Russischen Schachverbands ist, einen Befürworter an höchster Stelle im Kreml.

Carlsen bleibt die Nummer zwei

Wie schon vor einigen Wochen in Foros gegen Alexander Onischuk hätte Magnus Carlsen nun in Biel mit einem Weißsieg die Führung in der täglich aktualisierten Weltrangliste übernehmen können. Wieder ist nichts daraus geworden. Der 17 Jahre alte Norweger hat gegen Leinier Dominguez zwar gleich mal eine Figur reingehalten. Doch bereits nach 24 Zügen war kein Gewinnversuch mehr drin: Forcierte Zugwiederholung. Es reicht freilich für die mit Alexejew geteilte Tabellenführung nach dem ersten Durchgang.

Stilvoller und aussagekräftiger wäre die Übernahme der Weltranglistenführung allemal im Beisein von Numero Uno, Vishy Anand, im September in Bilbao.

Nachtrag 26.Juli: Am Montag hat Carlsen mit Weiß gegen Alexejew den nächsten Schuss auf die Nummer eins-Position. Falls er remis macht, besteht die Chance auch in den beiden folgenden Spielen, wie ein Poster auf Migs Blog ausgerechnet hat: "Carlsen needs 3/4 to finish the tournament with virtual rating above Anand (he would get 2802.1), but would be temporarily virtual number 1 before that by just going +1 from the next 1, 2 or 3 games (getting virtual ratings 2800.6, 2799.4 or 2798.5 respectively.) So he has good chances to be temporary virtual number 1, but not such good chances to be virtual number 1 by the end of the tournament."

Nachtrag 29.Juli: Hatte, denn Carlsen hat gegen Alexejew überzogen und verloren und damit in Biel keine Chance mehr, Anand einzuholen.

Hier kann man Videos von Carlsens Interviews vor dem Turnier finden.

Sagte der Bundesuwe

Meine Frage, was Igor Chenkin im deutschen Nationalteam verloren hat, hat Uwe Bönsch zwar auch von seiner neuen E-Mailadresse nicht beantwortet. Wenigstens hat er sich der Zeitschrift "Schach", deren Augustausgabe dieser Tage erschienen ist, erklärt. Dass Chenkin schon vierzig ist und seinen Platz dem Rausschmiss eines weit jüngeren Spielers verdankt, wischt der Bundestrainer mit der Bemerkung weg, das Team habe auch so ein Durchschnittsalter unter 30. Chenkins Remisschieberei ist für Bönsch Pragmatismus und könne durchaus im Dienste des Abschneidens der Mannschaft sein.

Weder auf Chenkins Verhalten am Brett noch ihr Naheverhältnis als Mannschaftskameraden beim TV Tegernsee geht der Bundestrainer ein. Die Einbürgerungen von Chenkin und Fridman seien nicht planbar gewesen, aber beide hätten zuletzt viele Elo zugelegt und Deutschland somit dank gemittelter 2634 Elo die stärkste Auswahl aller Zeiten. Fragen, ob er sein Amt zurück gibt, wenn die von ihm nominierte Mannschaft hinter den Erwartungen bleibt, oder wie es zur Einbindung von Marion Kauke, der Frau seines Vaters, in die Vorbereitung des Nationalteams kommt, brauchte Bönsch nicht zu beantworten. Es fehlt in dem Interview auch der Hinweis, dass Naiditsch und Kritz nicht mehr miteinander reden, weshalb es nicht so verkehrt ist, wenn einer der beiden nicht nominiert ist.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Fischchen fangen

Nicht nur der Schachblog wurde sechs Tage nicht aktualisiert, sondern die Chessbaseseite stand ähnlich lange still. In dem Fall war es kein (Betriebs-)Urlaub sondern ein Serverproblem. Die erste Meldung, die nach der Funkstille aus Hamburg kam, war ein Hammer. Da stand doch tatsächlich und das schon im Titel: "Rybka - das stärkste Schachprogramm der Welt".

Okay, das wissen wir seit Jahren. Die Sensation ist, dass es nun auch Chessbase sagt. Wenn die Wahrheit bei Chessbase Nachrichtenwert bekommt, hat das wie so oft einen wirtschaftlichen Grund: Vas Rajlich verkauft die neue 3er-Version seines Programms künftig über das Hamburger Softwarehaus.

Ich bin so überrascht, wie es vielleicht ein Computerjournalist ist, wenn Apple von Intel übernommen wird. Die ersten Versionen von Rybka, Russisch für kleiner Fisch, wurden ohne eigene GUI, also Benutzeroberfläche angeboten und wurde ohnehin schon von vielen unter Fritz oder Chessbase laufen gelassen. Doch erst vor kurzem hatten Rajlich und seine Mitstreiter (hier ein Interview als PDF) das "Aquarium" vorgestellt, eine eigene Rybka-GUI, die auch über die Rybkaseite verkauft wird. Für mich sieht die Zusammenarbeit nach Marktsegmentierung aus: Eingeschworene Fans beliefert Rajlich selbst. Den Absatz im Massenmarkt traut er zurecht eher Chessbase zu.

Dass Chessbase nun keine Ambitionen mehr beim eigenen Programm Fritz hätte, lässt sich daraus übrigens nicht ableiten. Schon früher wurden andere Programme wie Junior gerne zum Vertrieb übernommen. Nur setzt man in Hamburg sicher stärker auf andere Features als Spielstärke.

Nachtrag: In der Vergangenheit berichteten einige User auf dem Forum Schachfeld und im Rybkaforum, dass ihr Rybka unter der Fritz-Oberfläche an Spielstärke einbüßte, ja sogar grobe Fehler machte. Das scheint aber längst gegessen.

Freitag, 18. Juli 2008

Schachmotive, die aus dem Rahmen springen

Hou
Wer bis 17.September zufällig in Enschede zu tun hat, sollte sich diese Ausstellung ansehen: Der Utrechter Fotograf Fred Lucas hat 45 seiner originellsten Arbeiten, davon zwei Drittel Schach, für die feine Schau ausgewählt - darunter eine Hou Yifang, deren begabtes Händchen samt Holzhüpfer aus dem Rahmen springt (oben). Ort ist das Büro von Schachuhren- und Sensorbretterhersteller DGT Projects in der Hengelosestraat 166, und geöffnet ist während der üblichen Bürostunden (wer vorher fragen will, ruft 0031 / 53 / 4305195). Alle anderen können sich durch die formidable und umfangreiche Schachfotosammlung auf Freds Website clicken.

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