Freitag, 2. Oktober 2009

WM-Hängepartie

Drei Städte sind an der Ausrichtung des WM-Kampfes Anand-Topalow im Frühjahr 2010 interessiert: Sofia, Istanbul und Singapur. Doch keine davon hat der Bewerbung, die bis Mittwoch bei der FIDE einlangen musste, die geforderte Bankgarantie (soweit ich mich entsinne über mindestens 1,2 Millionen Euro) beigefügt, teilt der Weltverband mit und gibt bis 15.Oktober Zeit zum Nachbessern. Dann soll das Match bei einer Vorstandssitzung vergeben werden. Summen nennt die FIDE nicht. Von Sofia waren zwei Millionen Euro Preisgeld kolportiert worden, aber diese Meldung kam aus Danailows Lager und war wohl gedacht, den Preis in die Höhe zu treiben.

Dienstag, 29. September 2009

30 Minuten in Baden, 60 in Meckpomm

Welche Karenzzeit im deutschen Frauenschach in der neuen Saison gelten soll, wird noch bis morgen Mittwoch abgestimmt (Ergänzung: es hat etwas länger gedauert,´nämlich bis 5.Oktober, aber nun steht fest, dass sie ebenfalls bei der alten Regelung eine Stunde Karenzzeit bleiben). In den Männerligen ist die Sache klar: Überwiegend sind es die alten 60 Minuten, aber in einigen Ligen und Landesverbänden auch nur 30 Minuten, bis eine Partie für den verhinderten Spieler verloren erklärt wird, jedoch nirgends null Minuten, wie es die führenden Schiedsrichter gerne gehabt hätten. Diese Übersicht hätte schon in einem Artikel über das auf einer Flunkerei beruhende und zunächst einmal vorübergehende Zustandekommen der ungeliebten Regel stehen sollen, der in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Schach steht:

Karenzzeit in Minuten bei Mannschaftskämpfen:
Erste Bundesliga 30
Zweite Bundesligen 60
Oberliga Nord 30
Oberliga Ost 60
Oberliga Südwest 30
Oberliga Baden 60
Baden übrige Ligen 30
Bayern 60
Berlin 60 30
Brandenburg 30
Bremen 30
Hamburg 60
Hessen 60
Mecklenburg-Vorpommern 60
Niedersachsen 60
Nordrhein-Westfalen 30
Rheinland-Pfalz außer Pfalz 60
Pfalz 30
Saarland 30
Sachsen 60
Sachsen-Anhalt 60
Schleswig-Holstein 60
Württemberg 30

Freitag, 25. September 2009

Ohne Rücksicht auf Verluste

Kasparow hat Karpow nicht geschont: 3:1 in den Schnellpartien, 6:2 im Blitz (Bericht und Nachspielen bei Chessvibes). Standesgemäß für einen zwölf Jahre jüngeren, der mit einem der führenden Spieler der Welt (Carlsen) trainiert, gegen einen gerade aus den Top 100 gefallenen fast 60jährigen, der nur in den ersten Fünf-Minuten-Partien noch einmal alte Klasse aufblitzen ließ. Das Interesse an weiteren Schaukämpfen dieser Art, Karpow sprach in Zürich im August ja von bis zu vier davon, feuert dieses Resultat freilich nicht gerade an. Schon viel eher, wie sich Kasparow heute gegen einen Topalow, Anand, Aronjan oder Kramnik schlagen würde.

PS: Eine Vorschau des Schachbloggers war in der Berliner Zeitung.

Sonntag, 20. September 2009

Die letzten Tage der Null-Minuten-Regel

Nachdem vor wenigen Tagen die Null-Minuten-Karenz in den deutschen Zweiten Ligen zurückgenommen worden war (an denen sich etwa auch die Oberliga Baden orientiert), standen die Erste und Zweiten Frauenbundesligen zunächst alleine mit dem ungeliebten Verspätungsverbot da (sieht man von den an einem fixen Ort ausgetragenen Deutschen Einzelmeisterschaften und der einen oder anderen Landesmeisterschaft ab). Nun läuft eine Abstimmung unter den Frauenschachreferenten und -referentinnen bis 30.September, die verbindlich ist für die bevorstehende Saison. Man darf wohl davon ausgehen, dass es keinen Alleingang der Frauenligen geben wird.

Tot ist die Null-Minuten-Regel in den überregionalen Ligen noch nicht ganz. Von den Mitgliedern der Bundesspielkommission wird sie angeblich immer noch mehrheitlich unterstützt. Bei der Rumpfsitzung im Januar, vor der die Landesspielleiter im Umlaufverfahren in anstehende Entscheidungen eingebunden werden, könnte die Schiri-Fraktion einen neuen Anlauf nehmen. Die deutliche Ablehnung seitens der Spieler und Vereine und die Bitte des DSB-Präsidiums, das zu berücksichtigen, sprechen freilich dagegen.

Bis Januar wäre nun Zeit, darüber nachzudenken, wie man die ja auch nicht gewünschte Unpünktlichkeit wegkriegt. Der den spielwilligen Gegner und die Zuschauer mitstrafende Partieverlust kann es nicht sein. Warum nicht eine finanzielle Sanktion? Wenn nachweislich höhere Gewalt (Zugverspätung, Autostau) im Spiel war, wäre ja nicht nur davon abzusehen sondern im Prinzip auch die laufende Uhr wieder auf die volle Bedenkzeit zu stellen.

Die letzte Heimat der Pünktlichkeitsfanatiker ist neben China nun wohl Österreich. Die Spieler mucken nicht auf. Die Vereine der ersten und zweiten Ligen haben den Schmäh des obersten Regelhüters Werner Stubenvoll, es gebe eh keine Wahl, geglaubt. Und im Verband haben Aktive nahezu nichts zu sagen.

Giri is kampioen van Nederland

Anish Giri ist Niederländischer Meister. In der letzten Runde reichte dem15jährigen ein Remis gegen Reinderman zum klaren ersten Platz (Tabelle). Vorentscheidend war sein schöner Sieg gegen Nijboer am Freitag - ein modischer Königsinder mit Springeropfer auf c7. Nach 22 Zügen ist die schwarze Dame im eigenen Lager gefangen, doch Anish kann sich fünf Züge Zeit lassen, bevor er zugreift.

Nicht nur sein Schach hat seit seinem Auftritt in Wien im August 2008 weiter Fortschritte gemacht, sondern auch Anishs Nederlands, wie man diesem Fernsehbericht entnehmen kann. Mit diesem Resultat sollte ihm der Platz im niederländischen Team bei der Mannschafts-EM in Novi Sad zustehen, der durch die Suspendierung des nach drei Runden ausgestiegenen Sergey Tschüssjakow, sorry Tiviakov frei wird, (Nachtrag:) doch dafür bräuchte er einen niederländischen Pass. Den kann er aber erst mit der Volljährigkeit in knapp drei Jahren beantragen. Dass Anish am zweiten (und wohl auch mal ersten) Bundesligabrett von Emsdetten überfordert wäre, steht kaum nicht zu befürchten.

Mittwoch, 16. September 2009

Von null auf sechzig in einem Rundschreiben

Die Zweitligisten in Deutschland können aufatmen. Bundesturnierdirektor Ralph Alt hat am Dienstag abend ein Rundschreiben verschickt, indem er die angekündigten null Minuten Karenzzeit zurücknimmt. So bleibt es wie gehabt bei sechzig Minuten. Die von der Bundesspielkommission unter seiner Führung beschlossene Änderung sei im Ausschreibungsentwurf der Zweiten Ligen nicht enthalten gewesen.

Scharen von Funktionären hatten sich die Köpfe zerbrochen, wie man die ungeliebte Regel noch vor der Saison abwehren konnte, ohne die satzungsmäßigen Regeln des Deutschen Schachbunds zu verletzen. Alt hat den Knoten durchschlagen. In seinem Rundschreiben spricht er von einem durch ihn selbstverschuldeten Fehler. In Wahrheit werden ihm nun fast alle dankbar sein. Ob der Kelch auch an den Frauenbundesligen vorbei geht, ist Alts Aussendung nicht zu entnehmen.(Erg.:) Das sei außerhalb seiner Zuständigkeit, teilt er auf Anfrage mit.

Dienstag, 15. September 2009

Tschüssjakow

Nach drei Runden ist die Niederländische Meisterschaft in das tiefste Loch seit langem gefallen. Dass aufgrund der Pleite des einst gut dastehenden Verbands und Sponsorenmangels fast die gesamte Elite die in einem Provinzkaff mit einem gegenüber den letzten Jahren extrem reduzierten Preisfonds ausgetragene Meisterschaft schwänzt, war schon schlimm genug. Doch nun gab es auch noch einen Eklat mit dem einzigen teilnehmenden Spitzenspieler, Sergei Tiviakov, der am Tag nach der Schlussrunde in der kroatischen Mannschaftsmeisterschaft erwartet wird und daher ein abschließendes Remis schon vereinbart hatte und seine Teilnahme an der Siegerehrung absagte. Als die Veranstalter das nicht hinnehmen wollten, sondern ihm eine Null ankündigten, falls er am Schlusstag nicht im Turniersaal auftauche, und ihn darüber hinaus auf seine vertragliche Pflicht zur Teilnahme an der Siegerehrung hinwiesen, trat der schwach gestartete Tiviakov (1,5 aus 3) kurzerhand vom Turnier zurück. Bei Chessvibes ist auch seine eigene Darstellung nachzulesen.

Die Wahrheit ist viel einfacher. Tiviakov macht den Tschüssjakow, weil er seit der Russischen Mannschaftsmeisterschaft im April praktisch ununterbrochen Schach spielt und dringend eine Pause braucht, um seine Elo nicht zu ruinieren, und in seiner derzeitigen Form und nach seinem schwachen Start auch kaum noch eine Chance auf den einzig guten ersten Preis von 6000 Euro besaß.

Montag, 14. September 2009

Ihr zweites Ich

Wer Arianne Caoilis Website sieht, muss Lewon Aronjans Freundin für eine eingebildete Schnalle halten. Sieben Sprachen, Musikkarriere, Fallschirmfliegen als Hobby. Dumm nur, dass das gar nicht ihre Website ist. Sie kennt die Person, die da ihr Leben aus vermeintlich ihrer Perspektive beschreibt, nicht einmal, hatte nur einmal kurz Kontakt und ein paar persönliche Fragen beantwortet, wie sie kürzlich Macauley Peterson verriet. Allerdings habe ihr virtueller Stellvertreter einiges dazuerfunden. Es sei ihr aber nicht wichtig genug, um Korrekturen zu bitten. Wikipedia hat reagiert und ihr angebliches Sprach- und Musikgenie rausgenommen. Bisher aber nicht Chessbase, wo zumindest die letzte Antwort in diesem Gralla-Interview dazuerfunden klingt.

Caoili sagte übrigens noch ein paar nette Sachen über Schachprofis (große Egoisten), Lewon (kein typischer Schachspieler) und worüber sie reden (nämlich selten Schach). Eingebildet wird sie wahrscheinlich keiner nennen, der dieses Interview gehört hat.

Samstag, 12. September 2009

Lewon uneinholbar

Aronjan steht nicht nur in Bilbao vorzeitig als Alleinsieger fest, nachdem er seiner Auftaktniederlage gleich vier Siege in Folge anfügte. Ihm sollte auch der Schachoscar 2009 kaum noch zu nehmen sein als vorzeitiger Sieger sowohl des Grand Slam als auch des FIDE-Grandprix, Sieger in Baku und bei den wichtigsten Schnellschachevents in Nizza und Mainz sowie Zweiter in Wijk aan Zee und Dschermuk. Der Schachblogger hat ihn ja schon bei der Schachoscar-Wahl 2008 vor unserem wenig spielenden Weltmeister Anand gesehen. Bei den verbleibenden Höhepunkten des Jahres Nanking, Europacup, Weltcup und London müsste schon einer sehr viel leisten, um Aronjan in der Gunst der über den Schachoscar abstimmenden Journalisten abzuhängen, oder?

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