Sonntag, 13. Dezember 2009

Erster Engländer

Die Engländer behaupten sich im Londoner Chess Classic. Mickey Adams macht jede Runde solide remis. Mit ebenfalls fünf Remis steht David Howell zu Buche, der einfach nicht totzukriegen ist und Wladimir Kramnik heute sogar etwas ins Schwitzen brachte. Nigel Short hat eine verloren und die übrigen remisiert und muss wohl damit rechnen, als schwächster Engländer zu enden, hat er doch noch sowohl Carlsen als auch Kramnik vor sich. Von den Engländern am besten hält sich bisher Luke McShane, der zwar zweimal verloren hat, nämlich gegen Carlsen und Kramnik, aber auch als einziger Engländer schon gewonnen und zwar ebenfalls zwei, was ihm bei der Drei-Punkte-Wertung klar Rang drei einbringt.

Bis vor einigen Monaten hatte Luke einen lukrativen Job bei Goldman Sachs. Derzeit hat er so viel Zeit für Schach wie noch nie. Ich solle ihn aber trotzdem als Amateur bezeichnen, sagte er mir vor dem Turnier. Profi werde er vielleicht, wenn er Carlsen und Kramnik schlage. Heute schlug er immerhin mit Schwarz Nakamura mit einer guten Neuerung in einem unübersichtlichen Königsinder. Ein ungleich sehenswerterer Sieg als der zum Auftakt gegen Short - wofür er auch zurecht den Preis für die beste Partie des Tages in Höhe von 1000 Pfund erhält. Nachdem der Preis bisher an Carlsen, Kramnik und Nakamura ging, als erster Engländer.

Hammer traf Mister Hundert Prozent

Die sechste Runde des Londoner Opens, für mich war es dank zwei Byes (kampflosen halben Punkten zwecks Genesung und Erfüllung familiärer Pflichten) erst die vierte, begann ziemlich schlecht für mich. Ich meine nicht die Auslosung gegen den Elobesten Jon Ludvig Hammer. Gegen solche Spieler möchte man ja seine Chance kriegen, bevor sie die 2700 überschreiten. Mit etwas Glück kann man dann später sagen: "Karjakin? Pah, den habe ich mal geschlagen..."

Nein, ein Zugausfall der Overground, praktisch die Londoner S-Bahn, bedeutete statt fünf Minuten vor Rundenbeginn 25 Minuten später einzutreffen. Ich habe dann noch heroisch versucht, mit U-Bahn und Bus von Hampstead nach West Kensington zu kommen, was 70 Minuten dauerte und meine Verspätung am Brett auf 35 Minuten anschwellen ließ. Mit smart eingesetzten 12 bis 15 Pfund für Teilstrecken im Taxi wäre es vermutlich auf maximal zehn Minuten einzuschränken gewesen, aber dazu müsste ich mich besser auskennen oder einen Stadtplan dabei haben. Die Overground-Mitarbeiter sind in der Beziehung nicht die geringste Hilfe.

Gott sei Dank wird in London nicht nach ÖSB- oder FIDE-Regeln gespielt, und ich wurde nicht um eine interessante Partie gebracht.

Stefan Löffler - Jon Ludvig Hammer

1. d4 Sf6 2. Lg5 e6 3. e4 h6 4. Lxf6 Dxf6 5. c3 d5 6. Sd2 c5


Tiefe Vorbereitung? Nein, das hatte er mal seinen alten Schul- und Trainingskameraden Magnus bei der Schacholympiade spielen sehen, wie er mir nach der Partie sagte. Mein nächster Zug sieht völlig natürlich aus, ist aber laut Chessbase- Onlinedatenbank eine Neuerung.

7. Lb5+ Ld7 8. Lxd7+ Sxd7 9.exd5 cxd4 10.cxd4

Hier dachte ich eine Weile über 10.Se2 nach. Sowohl 10...dxc3 11.Sxc3 De5+ (oder 11...exd5 12.0-0 Sb6 13.a4) 12.Sde4 f5 als auch 10...d3 11.Se4 Dg6 12.Dxd3 0-0-0 verspricht ein wildes Gehacke. Der Textzug schien mir sicherer, weil ich nur 10...exd5 11.Se2 nebst 0-0, Sf3, Sc3 und Db3 mit problemlosem Spiel für Weiß auf der Rechnung hatte, nicht aber dieses Bauernopfer:

Hammer1

10...Dxd4! 11. dxe6 Sc5 12. exf7+ Kxf7 13. Df3+ Kg8 14. Se2 Te8 15. Td1

Ich war mir nicht sicher, ob ich 15...Dd3 mit 16.h4 oder 16.Sb1 beantworten sollte und hoffte auf einen kleinen Vorteil, als er wieder einen von mir gar nicht beachteten Zug machte, den Hammer, wie er hinterher zugab, auch erst hier sah. Dabei ist es der natürlichste von der Welt. Statt einen Bauern weniger hat er gleich einen mehr.

15...Dxb2 16. O-O Dxa2 17. Sc3 Df7 18. Dg3

Immerhin habe ich dank des unentwickelten Königsflügels und der Schwäche von g6 Kompensation. Sein nächster Zug war ein Fehler, war Hammer hinterher sicher, aber etwas Besseres weiß ich auch nicht.

18...h5 19. Sf3 Th6 20. Sg5 Dc4

Hammer2

Hammer hatte mich durch sein schnelles Spiel und meine Verspätung schon runter auf elf Minuten, und ich blickte nicht alles durch. In meiner Hauptvariante klaffte ein fürchterliches Loch - siehe unten. Hier musste ich 21. h4! spielen, wonach 22.Df3 eine starke Drohung wird. 21...Dg4 ist wegen 22.Dc7 nicht zu befürchten. Ich hatte bei 21.Df3 gesehen, dass auf 21...Te5 22. h4 stark ist.

21.Df3? Le7 22. Td4 Db3 23. Tb1?

Letzte Chance für 23. h4, aber Schwarz hat auch dann Vorteil.

23...Lxg5

Natürlich, die Grundreihe. Materiell hat mein Schnitzer nur einen Bauer eingestellt, aber auch die Initiative. Ich habe keine echte Gegenwehr mehr geschafft.

24. h4 Tf8 25. Dg3 Lxh4 26. Txh4 Df7 27. Tbb4 Tg6 28. De3 Sd3! 29. Tb5 Dxf2+ 30. Dxf2 Txf2 0-1

Nachtrag: Hammer hat das Open mit einem Punkt Vorsprung gewonnen.

Wir stehen auf Berlin

Die Schachfreunde haben am fünften Spieltag der Schachbundesliga die mit drei mehr Großmeistern und gemittelt etwa sechzig bis siebzig Elo mehr angereisten Katernberger mit 7:1 vermöbelt. Da werden bei mir Erinnerungen wach an einen anderen Berliner Kantersieg über einen (noch höheren) Favoriten. Ende der Achtziger schlug Lasker-Steglitz mal Solingen 7:1.

Der Zoodirektor wird sicher bald Näheres berichten, empfahl ich hier am Sonntag. Doch von wegen. Der Zoodirektor breitet derweilen nur episch aus, warum an ihm ein Sozialarbeiter verloren gegangen ist und wie er schwule Herzen bricht. Gerade letzteres bringt für kaum Arbeit viele Kommentare und damit Punkte in den Twoday-Blogcharts, wo der Schachblog nun nach langem aus den Top Ten gekickt wurde.

Also verlinkt und kommentiert verdammt nochmal den Blog, der es verdient (hoffentlich weiß jeder, welcher gemeint ist), oder es knallt!!

Samstag, 12. Dezember 2009

Zahlen bitte

Was hat
288 Seiten
48 Glossen
30 Schachaufgaben
150 Diagramme
100 Fotos
10 Zeichnungen
1200 Geburtstage
1 Personenrätsel
und vieles mehr zum Preis von 14 Euro?

Natürlich der Schachkalender 2010, das ideale Weihnachtsgeschenk unter Schachspielern, von Arno Nickels Edition Marco unter redaktioneller Mitarbeit des Schachbloggers, der um Nachsicht für die kleine Werbeunterbrechung bittet.

Vierzig

Es war, glaube ich, bei Kasparows letzten Turnier als Profi 2005 in Linares, als er zu Anand sagte, von nun an werde er der älteste Teilnehmer sein. Wenn Iwantschuk und/oder Gelfand umher sind, geht die zweifelhafte Ehre an Vishy knapp vorbei, aber bei einigen Turnieren hatte der Inder die Rolle des Ältesten bereits. An diesem Freitag wird Vishy vierzig. Herzlichen Glückwunsch! Er ist in Indien, hat dort vor seinem Geburtstag ein paar Pressefragen beantwortet, unter anderem hier.

Schnelle Lösung

Neben dem Einladungsturnier mit Carlsen, Kramnik und Co läuft im Olympia Kensington auch ein Open. Ich habe mich kurzfristig zur Teilnahme entschlossen. Nach der fünften Runde bin ich der einzige Spieler mit 100 Prozent (falsch, John Cox hat es wie ich gemacht). Warum ich trotzdem nur vier Punkte habe? Nun ja, die maximal zwei Byes (kampflose halbe Punkte) habe ich auch ausgeschöpft.

Heute opferte mein Gegner Charley Storey früh eine Figur für zwei Bauern. Ich war überrascht. Dabei wäre er sonst sofort platt gewesen. Hier war ich an der Reihe:
storey

20.f5!? gxf5

Am Brett dachte ich, 20...exf5 21.Lg5 d4 (21...Tad8 22.Lxf6 Kxf6 23.Sxd5+) 22.Lxf6 Kxf6 23.Sd5+ Lxd5 24.Lxd5 nebst Te2 oder Tb7 sei ziemlich deutlich, doch nach 24...Tad8 25.Df3 ist die Sache vielleicht noch nicht so klar. Allerdings hatte mein Gegner meinen nächsten Zug überhaupt nicht auf der Rechnung.

21.Lxd5! Lxd5

21...exd5 22.Txf5 hält Schwarz nicht aus. Und 21...Sxd5 22.Sxd5 Lxd5 23.Dh5+ Ke7 24.Lg5+ Kd6 25.Txf5 kommt fast auf das gleiche hinaus wie die Partie.

22.Sxd5 Sxd5 23.Dh5+ Ke7 24.Lg5+ Kd6 25.Txf5

Der ist wegen Dh6+ nicht zu nehmen, und gegen 26.Txd5+ ist wenig zu erfinden.

25...Tae8 26.Txd5+ Kxd5 27.Le7+ e5 28.Df3+ e4 29.Df5+ Kd4 30.Lf6+ 1-0

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wie hässlich ist der denn?

Als Nigel Short in der ersten Runde des London Chess Classic gegen Luke McShane schon verloren stand (O-Ton Short: "es waren nur noch Luke, ich und der Hausmeister da"), zögerte er die Aufgabe noch über ein Dutzend Züge hinaus, um wenigstens seine längste Partie zu spielen. Nach 163 Zügen gab er auf. Und wurde rasch belehrt, dass er schon einmal 164 Züge gespielt hatte.

Immerhin war sein Humor am Mittwoch intakt, als er davon erzählte. "Es ist das erste Mal, dass ich nach der ersten Runde eines Turniers schon völlig erschöpft bin." Das könnte auch der Grund sein, warum er in dieser Stellung gegen den von ihm selbst gecoachten David Howell ("wir wissen beide voneinander, welche Stellungen wir kein bisschen verstehen") nicht den Besten und auch nicht den Zweitbesten fand:
shorthowell

Die Computer mögen 32.f4! "Welch ein hässlicher Zug", gab sich Short angewidert, als ihm das eröffnet wurde. "Wenn man nach einem solchen Zug verliert, weiß jeder, woran es gelegen hat."

Schön mag er nicht sein, aber effizient. Welcher der zweitbeste in dieser Stellung ist, ist schon schwerer zu sagen. Der von Short gewählte ist es aber sicher nicht. Nach 32.d5 versprach sich Short einiges von der Zentralisierung seiner Dame auf d4. Tatsächlich hatte Weiß keinen Vorteil mehr, und es wurde bald Frieden geschlossen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Carlsen uneinholbar

Das London Chess Festival hat kaum begonnen, doch Magnus Carlsen ist schon kaum noch einzuholen. Seinen ersten Sieg erzielte er bereits vor der Pressekonferenz, als er Stephen Moss, Edelfeder des Guardian, schlug. Der vielfach ausgezeichnete Journalist hat zwar nur (oder immerhin) 1700 Elo, aber nach 16 Zügen und zwei mutigen Bauernopfern stand die Nummer eins der Weltrangliste äußerst bedenklich (siehe Tagesbericht). Dann verpasste Moss aber ein wichtiges Schachgebot und verlor rasch, schrieb aber diesen Artikel, in dem er aufdeckt, dass Carlsen sich zutraut, sowohl norwegisch als auch russisch zu spielen. Der Punkt wird zwar nicht in die Turniertabelle eingetragen, doch dafür hatte Carlsen anschließend das Losglück auf seiner Seite.

Die Startnummern waren unter weißen Bauern angebracht. Carlsen hatte dank der höchsten Elo als erster die Wahl und griff zum c-Bauern: Starnummer eins, was gleich einmal zwei Weißpartien zum Beginn bedeutet. Und weil Kramnik nach ihm die Nummer acht zog, hatte Carlsen gegen den Hauptrivalen also gleich zum Auftakt Weiß.

Er eröffnete mit dem Bauern, der ihm bei der Auslosung hold war: 1.c4 (Livepartien)Kramnik erwiderte für mich überraschend 1...e5, kam bald etwas unter Druck, verlor dann einen nach a4 vorgepreschten Bauern, ohne Kompensation nachweisen zu können und verrannte sich bei der Rückeroberung. Man könnte auch sagen, Carlsen hat gespielt wie ein Russe und Kramnik wie ein Norweger.

Man muss zwar einschränken, dass Kramnik seit der WM-Niederlage nur zwei ernste Turniere in Dortmund und Moskau gespielt (und gewonnen) hat, aber es ist seit der sechsten WM-Partie von Bonn, also nach 25 Partien, seine erste Niederlage.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kramnik in London zwei Punkte mehr holt als Carlsen und diesen damit in der Eloliste überholt, ist damit ziemlich nahe null gesunken. Carlsens Qualifikation fürs Kandidatenturnier bleibt also praktisch sicher, während Kramnik noch darauf vertrauen muss, dass es einen zweiten Platz nach Elo oder einen Ausrichterfreiplatz für ihn gibt.

Samstag, 5. Dezember 2009

Bestechender Stecher

Vier sind noch im Rennen um den Sieg beim Weltcup. Gelfand trifft im Halbfinale auf Karjakin und Ponomarjow auf Malachow. Wer ist Favorit? Von der Papierform und Erfahrung Gelfand. Als Ex-Sieger eines FIDE-Knockouts empfiehlt sich Ponomarjow. Der bisherige Turnierverlauf spricht für Karjakin, der als einziger erst in zwei der fünf Runden ins Stechen musste. Malachow aber hat etwas, was alle anderen fürchten müssen. Auf zunächst vier Partien sind die Stechen in Chanti-Mansisk angesetzt - Malachow brauchte nie mehr als drei. Mit 8,5 aus 9 hat er im Schnellschach eine Performance von deutlich über 3000 Elo.

Freitag, 4. Dezember 2009

Deutscher Schachheld 2009: Marc Lang

Marc wer? Was soll der geleistet haben? Nun, 23 Partien blindsimultan gegen ausschließlich Vereinsspieler, ohne eine Figur zu vergessen und übrigens auch, ohne einen Euro Honorar dafür zu kassieren. Das ist neuer deutscher Rekord und der ZEIT ein kleines Stück wert.

Das beste ist aber, dass Lang damit seine Grenze noch nicht erreicht sieht. Schließlich hatte er sein geplantes Trainingsprogramm mangels Zeit - er hat zwei Kinder und ist selbstständiger Programmierer - nicht einmal ansatzweise umgesetzt. Er traut sich mehr zu.

Wo steht der Weltrekord? Das hängt davon ab, wen man fragt oder wo man nachsieht. Die deutsche Wikipedia hält es mit Janos Flesch, der 1960 in Budapest 52 Partien auf einmal gespielt haben soll. Für die englische Wikipedia und das Guinessbuch der Rekorde ist dagegen George Koltanowskis 1937 in Edinburgh gegen 34 Gegner gezeigte Leistung die letzte rekordwürdige.

35 Blindpartien gleichzeitig zu spielen hält Lang für nicht unmöglich. Wenn er es tatsächlich wagt, wird die Debatte wieder aufleben, was von späteren Rekorden wie von Najdorf (der 1947 immerhin 45 Gegner hatte, aber auch die Partienotationen) und Flesch zu halten ist. Auch so schon ist Marc Lang mein deutscher Schachheld des Jahres.

Seid Ihr Schachspieler oder was?

Ein unterklassiger Wettkampf in Nordrhein-Westfalen wurde tatsächlich abgeblasen und 0:8 aus Sicht des Gastgebervereins gewertet, weil dessen Uhren, eine frühere Version des Silvertimers, nicht auf die in der Liga geltende Bedenkzeit eingestellt werden konnte. Da haben also 16 Schachliebhaber ihre Zeit geopfert, um an einem Ort zusammen zu kommen und ihren Schachappetit zu stillen, und dann fahren alle hungrig nach Hause, bloß weil sich ein Materialwart oder Mannschaftsführer auf eine im übrigen lange vom DSB promotete Uhr verlassen hat? Hallo?

Ich stell mir vor, ich wäre einer dieser 16 Amateure. Ich hätte an Ort und Stelle die Lust verloren, noch einmal zu einem dieser bescheuerten Mannschaftskämpfe zu kommen. Tschüss, ich such mir eine andere Zeitverschwendung. Gerade im Amateurbereich sollte es doch möglich sein, dass in dem Wettkampf auf eine ähnliche, von der Uhr gehandhabte Bedenkzeit ausgewichen wird. Das letzte Wort dabei hätte im Zweifel der Gastverein, denn das kleine Problem hat ja der Heimverein aufgebracht.

Dass der Vorfall (aber zuerst gesehen bei Rankzero) auf einer Schiedsrichterseite vermeldet wird, nährt allerdings meine Befürchtung, dass für einvernehmliche und im Sinne des Spiels stehende Lösungen immer weniger Raum bleibt.

Es geht ein Gespenst um in den Turniersälen, und es heißt Schiedsrichterismus... Was haben wir Schachspieler zu verlieren als unsere Ketten, sprich immer rigidere Regeln und Regelhüter, die sie ohne Augenmaß auslegen. Brauchen wir ein Manifest?

PS (6.Januar): Ein Protest des ausrichtenden Vereins wurde mittlerweile abgewiesen. Wie die verantwortlichen Funktionäre dabei jede Verantwortung für das von ihnen verantwortete Chaos abgewälzt haben, ist bei Lasker Köln nun nachzulesen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Pa russki, pascholsta!

Der Weltcup verliert Farbe. Die letzten nicht Russisch sprechenden Spieler sind im Achtelfinale ausgeschieden. Mit So, Caruana und Vachier-Lagrave (dem ich es gegönnt hätte schon als Dreingabe an alle, die ihn bisher ignorieren) hat es zugleich drei junge Hoffnungsträger erwischt.

Der letzte Deutsche Naiditsch stolperte schon am Sonntag, dabei war Swidler gegen ihn zwischenzeitlich mausetot (in der sechsten Stichpartie, als Naiditsch nur noch remis brauchte statt Dd3 einfach Sxg7+ Kf7, Lxh6 und Schwarz ist pleite).

Bisher habe ich mindestens alle zwei Tage geschaut, jetzt wohl nicht mehr. Obwohl: Heute ist ein unterhaltsames Interview mit Freund Tkatschjew auf der Turnierseite.

Montag, 30. November 2009

Das Zocken der Funktionäre

Erinnert sich noch jemand, dass der übernächste WM-Kampf bereits an die deutsche Firma UEP und damit am wahrscheinlichsten nach Bonn vergeben war? Drei Monate nach dem Zuschlag waren die Verhandlungen zwischen dem Weltchaosverband und UEP dann plötzlich gescheitert. Außer zwanzig Prozent vom Preisgeld forderte der Weltchaosverband nämlich mehr Kontrolle über die Vermarktung, als ein wirtschaftlich denkender Veranstalter abtreten konnte.

Der gleiche Konflikt um die Vermarktungsrechte bedroht nun das Match Topalow - Anand in Sofia. Nach dem Weltcup soll Oberchaot Iljumschinow nach Bulgarien reisen, um dort den Vertrag zu unterschreiben, meldet das Sofia Echo (Hinweis von Chessbase). Wenn die auf ihre Nebengeschäfte bedachten Funktionäre auf stur stellen, könnten die Bulgaren aussteigen. Erhalten haben sie das Match ja ohne Bankgarantie aufgrund des Ehrenworts ihres Präsidenten, dass drei Millionen Euro für Organisation und Preisgeld zur Verfügung stehen.

Meinen Makropoulos, Iljumschinow und ihre Kumpane, alles durchsetzen zu können, weil sie ja notfalls Topalow gar nicht zum Zug kommen zu lassen brauchen? Anstatt an ihren eigenen Vorteil zu denken, müssten die Funktionäre eigentlich vor allem dafür sorgen, dass in Sofia, wo kein anderer als Topalows Manager Danailow mit die Fäden zieht, faire Bedingungen für den Gast, Weltmeister Anand geschaffen werden. Kommt es zu einem Kompromiss, ist ein Beigeschmack vorprgrammiert, denn Makro und Danailow sind bekanntlich gute Freunde.

Anand hat von außen betrachtet nicht viel zu verlieren, falls das Match in Sofia platzt und er länger Weltmeister bleibt. Unter den Verlierern wären aber, wenn sich mit dieser WM auch das nächste Kandidatenturnier und übernächste WM-Finale hinausschiebt, mal wieder die übrigen Spieler der Weltspitze.

Neunzehn

In einigen Meldungen der letzten Wochen war er es schon, an diesem Montag wird Magnus Carlsen tatsächlich neunzehn Jahre alt. Sonst bloggt er ja nur, wenn er auf einem großen Turnier ist. Ob er an seinem Geburtstag eine Ausnahme macht? Vielleicht weil es der Tag ist, an dem der Vertrag mit seinem neuen Sponsor Arctic Securities über 240 000 Euro bis Ende 2011 offiziell beginnt. Warum erst jetzt, obwohl er schon seit Wochen auf den Seiten des Finanzdienstleisters bloggt? Vielleicht mit Rücksicht auf das von einem anderen Finanzdienstleister, nämlich einer Bank, gesponserte Blitzturnier vorigen Samstag.

Mit Carlsen wartete im Finale. Die Qualifikation gewann Favorit und Hikaru Nakamura erreichten die beiden Favoriten das Finale. Und trotz der Anstrengung der vorigen Spiele, des Jetlags und einer Weißniederlage in der ersten von vier Finalpartien besiegte der Amerikaner den inoffiziellen Blitzweltmeister von Moskau mit 3:1. Partien hat Chessdom.

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