Mittwoch, 3. März 2010

Alle startklar?

Die Besetzung der an diesem Freitag in Bad Liebenzell beginnenden Deutschen Meisterschaft ist eher auf der schwachen Seite. Acht GMs sind der Teilnehmerliste zu entnehmen, keiner von ihnen über 2600. Man kann nur hoffen, dass Elofavorit Chenkin nicht das Rennen macht. Erstmals bei einem DSB-Wettbewerb gilt Nulltoleranz. Das heißt leider nicht, dass Schieber im Wettbewerb unerwünscht sind, sondern dass mit Partieverlust bestraft wird, wer nicht im Saal ist, wenn der Schiedsrichter den Rundenbeginn bekannt gibt. Dass auch der Gegner und die Zuschauer dann keine Partie kriegen, muss ebenso als Kollateralschaden gelten wie, dass manche Schiedsrichter aufgrund der Nullkarenz (wie es natürlich richtig heißt) den Kopf wieder zwei Zentimeter höher tragen.

Im Fußball würde nie angepfiffen, wenn nur eine Mannschaft auf dem Rasen ist. Im Schach geht das, wenn die Karenzzeit nicht null beträgt. Wie man die verblödete FIDE-Regel (verblödet, weil die Sanktion unverhältnismäßig ist) schadlos anwendet, erlebte ich übrigens kürzlich bei der Zweiten Liga in Österreich. Zwei Bretter waren um 15 Uhr noch auf einer Seite frei, dann übernahm einer der raren Schachfunktionäre, die in der Lage sind, aus dem Stegreif eine kleine Rede zu halten, das Wort, bis der Schiedsrichter ihm signalisierte, dass die Vermissten eingetroffen und nunmehr alle zum Rundenbeginn bereit waren.

(PS) Bauerndiplom weist unten zurecht auf die Terminüberschneidung mit der EM in Rijeka hin, wo denn auch die aktiven deutschen 2600er Naiditsch, Meier, Gusti und Fridman von ebendiesem Freitag an alle am Start (und hoffentlich zu jeder Runde schiripünktlich startklar) sind.

Dienstag, 2. März 2010

Kasim wieder im A-Team

Während Anand in Heidelberg für Baden-Baden seine letzten Turnierpartien vor der WM absolvierte und sich dabei mit 1,5 aus 2 und zwei gewonnenen Elopunkten in vier Stunden Gesamtspielzeit sehr effizient zeigte, wurde das Fehlen von Rustam Kasimdschanow bei Mülheim-Nord damit begründet, dass er Anand wie 2008 (als 14...Lb7 im Meraner auf sein Konto ging) bei der WM-Vorbereitung hilft. Auch zwei Monate vorher gilt anscheinend: Ein Sekundant muss härter arbeiten als der Spieler selbst.

PS: Ein FAZ-Mitarbeiter durfte Anand bei der Vorbereitung im Schmittschen Bad Soden besuchen und traf dort außer Kasim auch Peter Heine Nielsen, aber dessen Mitarbeit, um nicht zu sagen Dauerarbeit war ja schon seit längerem kein Geheimnis mehr. Ich könnte mir zwar ein klimatisch angenehmeres Trainingsquartier vorstellen, aber es hat ja auch sein Gutes, wenn die Leute nicht an die Sonne (weil spärlich anwesend) streben, sondern vor den Monitoren bleiben.

Sonntag, 28. Februar 2010

Naiditsch macht Liga wieder spannend

Werder hat den Spitzenkampf der deutschen Bundesliga gegen Baden-Baden 5:3 gewonnen und damit gleichgezogen. Solingen, das bisher nur gegen Baden-Baden verloren hat, ist punktgleich und schon wegen des leichtesten Restprogramms der drei noch voll dabei. Mülheim-Nord ist dagegen nach dem unerwarteten 4:4 bei Bayern München endgültig aus dem Titelrennen, könnte aber Zünglein an der Waage spielen, weil Baden-Baden und Werder noch ausstehen.

Jedenfalls ist fast alles wieder offen an der Spitze (und ein Stichkampf um den Titel nach den vier ausstehenden Runden nicht ganz unwahrscheinlich), was der Liga einige Spannung einhaucht. Mindestens bis zum 10.April, wenn Baden-Baden zuhause gegen Mülheim und Werder zuhause gegen Solingen antritt.

Für Baden-Baden war es die erste Niederlage nach 51 unbesiegten Bundesligarunden. Am Spitzenbrett trennten sich der aus Linares angereiste und erstmals für Werder zum Einsatz kommende Gaschimow und Anand, der seine WM-Vorbereitung unterbrochen hatte und einen Spanier mit Lc5 aufs Brett brachte, bereits nach zwei Stunden remis. Werder gewann nicht unverdient, hatte aber etwas Glück. Ein 4:4 hätte dem Kampfverlauf besser entsprochen. Unglücksvogel war ausgerechnet der bravourös mit Schwarz für sich Chancen generierende Naiditsch (denn besonders spannend ging es an vielen Brettern nicht zu). In Zeitnot lehnte er ein Remisgebot von Roiz ab, weil er glaubte, nur ein voller Punkt reiche Baden-Baden noch. Doch nach seinem letzten, leicht durchschaubaren Gewinnversuch stand Roiz zwei Züge danach auch schon gewonnen. Dass Adams seine vermutlich haltbare Stellung danach gegen Areschtschenko verlor, machte keinen erheblichen Unterschied mehr.

Im Abstiegskampf hat Bayern durch den Punktgewinn gegen Mülheim seine Chancen gewahrt. Die Entscheidung über die Plätze 12 und 13 dürfte erst am letzten Spieltag, dem 11.April fallen, wenn die derzeit auf diesen Plätzen stehenden Berliner und Münchner in Erfurt aufeinander treffen.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Abhaken

Gaschimow blieb bei Benoni. Aronjan brach am Ende doch noch seine Remisserie. Topalow knackte Gelfands Russisch und gewinnt Linares. Von WM-Form ist er sicher nicht weit entfernt, aber gegen Anand darf er nicht so viel riskieren wie in seinen Partien gegen Grischtschuk. Damit verpasst er Carlsen in der Weltrangliste aber um einen Elopunkt. Grischtschuks Aufwärtstrend wird wenigstens mit Rang zwei und einem weiteren Eloplus belohnt, womit er sich als Nummer sechs hinter den derzeit führenden fünf (Carlsen, Topalow, Kramnik, Anand und Aronjan) festsetzt. Gelfand, Vallejo und Gaschimow hatten mit dem Ausgang an der Spitze wie erwartet nie zu tun und setzen sich mit minus zwei gemeinschaftlich nach hinten ab. Obwohl kämpferisch gespielt wurde, war die Remisquote hoch, überschreitet am Ende aber immerhin nicht 70 Prozent. Linares 2010 war kein großes Turnier, aber auch kein Ausfall.

PS: Topalow hat einige kurze Nachfragen für eine FAZ-Meldung beantwortet: Er habe Linares als Training für die WM betrachtet. Er sei gekommen, um neue Eröffnungsideen zu erproben (lies: Anands Prognose, was bei der WM kommt, zu erschweren). Dass er so viel riskierte, hatte mit der Zeiteinteilung seiner Gegner zu tun. Dass er die Carlsen um einen halben Punkt verpasst, sei nicht wichtig. Momentan zähle nichts anderes, als Anand zu schlagen.

Handyausschaltverbot

Anderswo im Sport wird ein ausgeschaltetes Mobiltelefon bestraft: Ein als Ersatzmann nach Vancouver gereister Eisschnellläufer war, als sein Einsatz kam, nicht erreichbar.

Dienstag, 23. Februar 2010

Toppy geht als Weltranglistenzweiter in die WM

Eigentlich sollte Topalow doch die in genau zwei Monaten beginnende WM im Auge haben. Aber abgesehen davon, dass er sein First-Line-Treatment für Anand aufbewahrt, geht er in Linares, statt seinen Turniersieg abzusichern, weiter volles Risiko. Ihm konnte es nur um die Führung in der Weltrangliste gehen, für die plus drei am Ende anscheinend doch nicht ganz genügt hätten. Gegen Grischtschuk schraubte er das Risiko in der vorletzten Runde zu hoch, so dass ihn der Russe eingeholt hat (was beider Leistungen bei diesem Turnier nun besser entspricht), was für die Schlussrunde an diesem Mittwoch Hochspannung verspricht: Mit Weiß gegen den topsoliden Gelfand ist Topalow dabei nur leicht favorisiert, denn Grischtschuk wird auch mit Schwarz gegen den stets voll spielenden Vallejo Chancen kriegen. Aronjan kommentiert seine bisher neun Remis übrigens laut Chessvibes mit "Freude", dass er damit seinen persönlichen Rekord von acht Remis in Folge gebrochen habe.

Freitag, 19. Februar 2010

Toppys Risiko wird belohnt

So wird das nichts mit der Schachblogger-Prognose, dass Topalow in Linares hinter Aronjan oder Grischtschuk Zweiter wird. Im Gegensatz zu Anands äußerst kontrolliertem Auftreten in Wijk aan Zee riskiert der Bulgare viel und masselt sich von Sieg zu Sieg. Schon Gaschimow half mit seinen h-Bauernzügen nach, aber ganz ausgeglichen stand er nie. Grischtschuk dagegen spielte Topalows schwarzfeldrig aus, so dass der mit einem Figurenopfer im Trüben stochern musste, wobei der Russe es verpasste, den Sack zuzumachen und erst die Figur zurückverlor und dann im Endspiel endgültig den Faden. Nach einem Sieg stünde Grischtschuk nun fett vorne. So ist es Topalow, der gleich auch seinen Sekundanten Vallejo mit nicht ganz korrekten Bauernopfern in eine unübersichtliche Stellung lockte, in der der Spanier in Zeitnot dann auch tatsächlich die Übersicht verlor. Zweieinhalb Punkte aus den letzten vier Runden dürften Toppy reichen, um sich die Nummer eins-Position von Carlsen zurück zu holen.

Samstag, 20. Februar 2010

Schützt Schach vor Demenz?

Schön wäre es. Und es wäre ja auch ganz plausibel. Welche bekannten älteren oder verstorbenen Schachgrößen wurden mit Alzheimer in Zusammenhang gebracht? Dem Schachblogger ist kein Fall bekannt (und es sei ausdrücklich darauf verwiesen, dass starke Spieler gemeint sind und nicht Funktionäre).

Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat die Studienlage durchgeackert, weil jede Menge Denksportangebote damit werben (Schach wohl eher zuletzt), vor Demenz zu schützen. Die Literaturschau fand keinen glaubhaften Nachweis, dass Denksport im Alter mehr trainiert als die spezielle Disziplin, von einer neurologischen Schutzwirkung ganz zu schweigen. Mit anderen Worten: es nützt nichts, mit siebzig mit Schach oder Sudoku oder Sonstwas anzufangen.

Wenn etwas präventiv wirkt, ist es eher, was einmal Jahrzehnte früher getan wurde. Wirbt man aber bei Schulkindern für Schach damit, dass sie im Alter nicht knülle werden, könnte das, fürchtet der Schachblogger, eher kontraproduktiv wirken.

Sieben Rufzeichen für Dortmund!!!!!!!

Eigentlich findet der Schachblog es ja Unfug, sämtliche Teilnehmer eines in der zweiten Julihälfte stattfindenden Turniers fünf Monate im voraus festzulegen. Flexibilität, einen oder sogar zwei gerade heiße Spieler kurzfristig aufzunehmen, täte eigentlich ganz gut. Doch für die Einladungspolitik Spieler sind die Dortmunder Schachtage einmal nicht wie stets in den letzten Jahren zu tadeln sondern heuer ohne wenn und aber zu loben.

Kein Leko. Keine Freunderlpartie. Nicht wieder nur ein Deutscher. Dass der Schachblogger das noch erleben darf. Unter diesen Umständen ist er sogar bereit, den schönen alten Turniernamen aufzugeben und künftig vom eigentlich unsäglichen "Sparkassen-Chess-Meeting" zu schreiben. Hier das mit Abschluss des Aeroflot-Opens nunmehr komplette Sechserfeld:

Wladimir Kramnik ist als Vorjahressieger gesetzt. Weil er nach fast einer Dekade Betonschach wieder risikofreudig zur Sache geht zurecht!

Lewon Aronjan, der stärkste in Deutschland lebende Spieler, darf sich nach 2006 endlich einmal wieder beim deutschen Spitzenturnier zeigen. Überfällig!

Maxime Vachier-Lagrave gibt Dortmund den Vorzug vor Biel. Ein feiner Zug des neben den gleichaltrigen Carlsen und Karjakin lange übersehenen Franzosen!

Le Quang-Liem, der noch nicht ganz 19jährige Alleinsieger des Moskauer Aeroflot-Opens, des stärkstens Opens der Welt, hat seine Chance sportlich verdient und nicht, wie leider auch schon geschehen, ermauschelt!

Georg Meier kratzt durch anhaltend solide Leistungen merklich an der deutschen Nummer eins Arkadi Naiditsch. Der nutzt die ihm bei seinem Heimturnier gebotene Nachdenkpause und will dem Trierer, der ihn zuletzt beim Weltcup unterstützte, nun seinerseits sekundieren!

Jan Gustafsson hätte nach seinem Fastsieg 2007 sofort wieder eingeladen gehört. Wenn nicht als Spieler dann mindestens als fixer Kommentator. Schwamm drüber. Nun winkt dem Hamburger im Vorfeld der Olympiade in Chanti-Mansisk wertvolle Spielpraxis gegen Spitzenleute. Es wird gemunkelt, dass er dabei auf Analysen von Leko zurückgreifen kann!

Angeblich sind eine lebhaftere Kommentierung für die Zuschauer uter Einbindung der Spieler, die ihre Partien beendet haben, sowie originellere Texte auf der Turnierseite in Planung. Ob der Schachblogger doch noch Dortmund-Fan wird? Am 15. Juli startet jedenfalls das doppelrundige Kategorie 19-Turnier im Schauspielhaus. Nach Sofia-Regeln. Auch das verdient ein Rufzeichen!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Zitables

83 Prozent Remisquote in Linares bisher ist viel, zu viel, aber mit zwölf Partien bisher ist der Aussagewert beschränkt. Solche Punkteteilungen wie zwischen Aronjan und Topalow (der mausetot schien) lässt sich der Schachblogger gerne gefallen, aber daneben gab es auch schon einiges Blassschach. Gelfand ist übrigens nicht (wie getippt) der Remiskönig, sondern Aronjan und Vallejo. Na ja, vielleicht tut der heutige Ruhetag den Kämpen (fast hätte ich Kämpfern geschrieben) gut, und es wird noch besser.

Bei der taz las ich vorhin die Überschrift, dass dpa einen Zitatfälscher herausgeworfen hat. Hatte einen Verdacht und darum gleich nachgesehen. Es hat aber dieses Mal doch nicht den langjährigen Schachmitarbeiter getroffen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

close to the resorts...
close to the resorts are http://www.turkish-propert y-world.com/alanya_apartme nt.php...
tpw - 22. Jun, 16:18
Hält man das zusammen...
Hält man das zusammen mit der nunmehr von der Landesschachseite...
racingralf - 11. Aug, 09:43
montages wa maandishi...
Rellstabsstelle- Wakati wa mgomo hewa NATO juu ya...
er78kl - 1. Jul, 10:49
Falsifiziert
Dankenswerterweise hat Michael Knapp sich die Arbeit...
Schachblog rank zero - 6. Dez, 09:46

Besuchen Sie auch

Suche

 

Status

Online seit 7340 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Jun, 16:18

Credits


Impressum
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren