Peinlich. Nun hat der Schachblogger tatsächlich den 15.Februar verpasst (und Jussupows 50.Geburtstag kurz davor auch...). Einfach keinen Kopf für Schach derzeit. Dabei hatte er vor einiger Zeit ernsthaft daran gedacht, zum 25jährigen Jahrestag des vielleicht wichtigsten Datums der jüngeren Schachgeschichte, des Abbruchs des ersten WM-Kampfes zwischen den beiden Kaperows, etwas zu schreiben. Einer, der den Stopping-of-the-Match-Day sicher nicht vergessen hat, ist David Goodman, der damals aus Moskau berichtete und den Titel gebenden Ausdruck erfand, aber einen Rückblick von ihm finde ich auf die Schnelle auch nicht. Nehmen wir also Vorlieb mit
André Schulz, der bei Chessbase lobenswerterweise sehr ausführlich behandelt, was damals in Moskau passierte und seitdem ans Tageslicht kam oder auch nicht.
schachblogger - 16. Feb, 13:15
Bei richtigem Spiel von Schwarz verspricht 1.d4 Sf6 2. Lg5 keinen Vorteil. Doch Weiß scort ausgezeichnet mit dem provokanten Läuferzug und der (vermeintlichen?) Schlagdrohung auf f6. In der dieser Tage erscheinenden Februar-Ausgabe der Zeitschrift
Schachwelt erkläre ich das Erfolgsgeheimnis von Trompowsky einerseits damit, dass sich in vielen Varianten die weiße Stellung leichter spielt, andererseits dass sich die ehrgeizigste Bekämpfungsmethode nicht herumgesprochen hat, obwohl sie dem 2003 erschienenen Standardwerk von Peter Wells´ „Winning with the Trompowsky“ leicht zu entnehmen ist.
Damit sich das nicht ändert, möchte ich hier nicht ins Detail gehen darüber hinaus, was Schachzoodirektor Ilja Schneider bereits
bloggend ausgeplaudert hat: Nach 2. ... d5 3. Lxf6 exf6 ist kein Vorteil für Weiß in Sicht. Zum Glück ist das den allermeisten Schwarzspielern zu langweilig (oder zu Unrecht suspekt), weshalb Trompowsky als Kampferöffnung weiterhin taugt. Dem deutschen Trompowsky-Guru sei an dieser Stelle herzlich gedankt für seine hilfreichen Anmerkungen zu einer früheren Version des Schachwelt-Artikels!
schachblogger - 15. Feb, 14:51
Was machen eigentlich die deutschen Jungtalente? Arik Braun ist seit Oktober an der TU Berlin eingeschrieben. Das "Lieschen vom Blog" Pähtz studiert gleichfalls in der Hauptstadt. Leonid Kritz hat schon seit seiner Nichtberücksichtigung für die deutsche Olympiaauswahl an der University of Maryland in Baltimore angedockt (die gibt gerne Stipendien an Titelträger, um sich mit dem US-Collegetitel im Schach zu schmücken). David Baramidze, der in der elften Klasse die Schule geschmissen hat, holt nun am Abendgymnasium in Ulm das Abi nach, nachdem er festgestellt hat, dass er es nicht schafft, alleine wirksam zu trainieren (als "Wunderkind" war er reichlich mit Trainern versorgt worden).
Was Sebi Bogner und Falko Bindrich vorhaben, muss sich noch weisen. Der eine bastelt noch am Abi, der andere, der seit einiger Zeit stagniert, hat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr Gelegenheit für Turniere, müsste sich aber in allernächster Zeit erheblich steigern, damit Schach eine berufliche Option wird.
Profis sind nur Arkadi Naiditsch (dessen Formkurve in Wijk aan Zee wieder nach oben zeigte, was ihm, wenn die Elozahl Ende Juli stimmt, wohl dort eine Einladung in die A-Gruppe einbringen wird) und Georg Meier. Gut so. Wer nicht oder nicht mehr das Zeug für 2700 hat, sollte nicht auf Schach setzen. Anders als Fußball, Golf oder Tennis ist im Schach zu wenig Geld für langjährige Karrieren mit mehreren Stationen (Spieler, Coach, Manager).
Die meisten, die es im Schach jung zum GM schaffen, haben das Potenzial, es in einem anderen Bereich weit zu bringen. Aber dafür werden sie von den Verbänden und Vereinen nicht gefördert. Schach, Schach, Schach heißt es. Jene, die nicht wie Giri oder Carlsen Extrempotential zeigen, sollten viel besser wie andere High Potentials, die beispielsweise durch exzellente Schulleistungen auffallen, behandelt werden. Damit sie starke Optionen haben, wenn sie aus dem Schach aussteigen, brauchen sie auch Mentoren, die nicht aus dem Schach kommen. Soziale und rhetorische Fähigkeiten sollten sich gezielt fördern lassen. Darauf, dass Schachtalente viel reisen, Fremdsprachen sprechen, sollte sich aufbauen lassen.
Würde die Schachbewegung ihre Talente nicht verheizen, sondern umfassender fördern, winkt dabei eine Umwegrentabilität. Erfolgreiche Ex-Spieler können nämlich später als Mäzene oder Sponsoren zum Schach zurückfinden. Wie der Niederländische Jugendmeister von 1955, der das Spiel kurz danach für Jahrzehnte an den Nagel hängte und Milliardär wurde. Sein Name ist Joop van Oosterom.
schachblogger - 10. Feb, 11:25
An diesem Freitag beginnt das Traditionsturnier in Andalusien einmal mehr als doppelrundiger Sechskampf. Carlsen, Anand und Kramnik sind nicht dabei. Carlsen, weil er auf Rat Kasparows nicht zu viel spielen will. Anand wegen der WM-Vorbereitung. Und Kramnik soll vielleicht ebenfalls nicht auf Wesselin Topalow treffen. Der ist heuer Elofavorit in Linares. Aufgrund der zwei Monate später anstehenden WM gegen den beidhändig aufschlagenden (d.h. 1.e4 und 1.d4 spielenden) Anand wird der Bulgare aber nicht mit offenen Karten spielen und daher wohl eher nur Zweiter.
Hauptanwärter auf den Turniersieg sind für den Schachblogger Lewon Aronjan und der der zuletzt in großer Form spielende und in die Top Ten aufgerückte Vorjahressieger Alexander Grischtschuk. Boris Gelfand wird reichlich remisieren. Vugar Gaschimow und Paco Vallejo werden verfrühstückt. A propos Vallejo. Als Topalow-Sekundant ist er keine gute Wahl. Als spanischer Vertreter wäre der in Wijk aan Zee anfangs heiß aufspielende Schirow besser gewesen.
PS: Die Chessvibes-Leser tippen mehrheitlich auf Aronjan.
http://www.chessvibes.com/reports/linares-2010-who-will-play-who-will-win/#more-21996
Ferner weiß Chessvibes, dass Toppy mit Dominguez als Sekundant nach Linares kommt (Tscheparinki spielt Aeroflot).
schachblogger - 9. Feb, 08:00
Null aus sieben hatte die für Erfurt spielende Maria Schöne in der href="http://www.schachbundesliga.de">Schachbundesliga. Dann schlug sie zu. Und wie. Schönes Samba brachte mit Vlastimil Babula einen 300 Elo stärkeren Großmeister zu Boden zum Erfurter 4:4 gegen Werder Bremen (kurioserweise durfte bei Werder der bisher sieglose Llaneza wieder spielen und gewann als einziger!). Werder müsste nach diesem ungeplanten Punktverlust am 27.Februar Baden-Baden schlagen, um im Titelkampf zu bleiben. Erfurt bleibt übrigens Letzter, weil Tegel und Handschuhsheim remisieren.
schachblogger - 7. Feb, 16:34
Der Schachblogger ist aus dem Urlaub (Baby rumtragen, plantschen und mit Tintenfisch füttern auf Lanzarote) zurück. Wijk aan Zee ist auch ohne ihn zufriedenstellend zu Ende gegangen. Die
Prognose lag recht gut, nur dass er statt Schirow Karjakin weiter vorne erwartet hatte. Der erwartete Sieger Carlsen (der wie erwartet auch mal wieder verloren hat - eine feine Leistung von Kramnik) hat auf seinem
Blog eh zugegeben, wie viel Glück er in der letzten Runde hatte, dass Caruana nicht ihn und Schirow nicht Dominguez fertig machte. Giris fetter Sieg (+33 Elopunkte las ich gerade) in der B-Gruppe freut ihn, wie eifrige Schachblogleser wissen, erst recht. So darf das Schachjahr 2010 gerne weitergehen.
schachblogger - 5. Feb, 14:12
Garri Kasparow hat für das Intellektuellenpflichtblatt New York Review of Books über Computerschach geschrieben. Das
"The Chess Master and the Computer" betitelte Stück enthält wenig Neues, ist aber trotzdem lesenswert. IBM wird ausnahmsweise ohne den Verdacht oder gar Vorwurf der Manipulation erwähnt. Aufhänger ist Diego Rasskin-Gutmans bei MIT Press erschienenes Buch "Chess Metaphors". Darüber verliert Kasparow allerdings nur ein paar Sätze und schließt mit Beobachtungen zum Pokern.
schachblogger - 25. Jan, 15:51
Wijk aan Zee bleibt spannend. Schirows Vorsprung ist fünf Runden vor Schluss auf einen halben Punkt vor Carlsen zusammengeschmolzen. Das Duell der Verfolger Kramnik und Nakamura läuft zur Stunde noch. Die erwartete Enttäuschung ist Anand, der sein achtes Remis gegen den von der gestrigen Carlsen-Klatsche angeschlagenen Iwantschuk bereits quittiert hat. Enttäuschend für die Schachblogger-Prognose, dass Karjakin bisher ebenfalls durchremisiert hat.
Dafür hält Anish Giris Formhoch in der B-Gruppe an. In Runde sieben überzeugte sein Katalanisch gegen L´Ami zwar nicht, und Giri musste am Ende um einen halben Punkt zittern. Aber heute ließ sich David Howell, einer seiner vier Verfolger, auf Grünfeld gegen ihn ein, was wohl gleichzusetzen ist mit Haragiri.
Seinen Lauf erklärt Giri lapidar damit, dass seine Gegner eben Fehler machen. Weil die Niederländer in der A-Gruppe enttäuschen, wird der halbrussische, halbnepalesische 15jährige gerade zur großen niederländischen Schachhoffnung hochgeschrieben. Seinen Platz in der A-Gruppe 2011 soll er bereits in der Tasche haben, berichtet der für das Corusturnier tätige Korrespondent der Volkskrant (Interessenkonflikte also auch dort). Ob Giri den dafür qualifizierenden ersten Platz in der B-Gruppe nach dieser erfreulichen Botschaft einem anderen überlässt, darf bezweifelt werden.
schachblogger - 24. Jan, 16:00