Montag, 15. März 2010

Danke Chessbase!

Man braucht den Spiegel nicht zu kaufen, um das Carlsen-Interview in der aktuellen Ausgabe zu lesen. Chessbase hat es auf Englisch.

Sonntag, 14. März 2010

Markus Ragger knackt 2600

Noch sind vier Runden bei der EM in Rijeka zu spielen und eben so viele in der deutschen Bundesliga und in der österreichischen Bundesliga. Aber in allen drei Turnieren ist der derzeit noch mit 2572 geführte 22jährige Kärntner dicke auf Elosteigkurs und ist im Moment mindestens fünf Punkte über der Marke, die noch kein Österreicher vor ihm geknackt hat (offiziell wird die Zahl übrigens nicht vor 1.Juni). Natürlich ist es das allein nicht wert, die drei Wettbewerbe safe austrudeln zu lassen, sondern er wird wohl schauen, was geht. Go, Markus, go!

Samstag, 13. März 2010

Danke Huschi!

Yeah. Der Chenker hat sie nicht geholt, die Deutsche Meisterschaft (Rangliste). Dass Großmeister Igor ab Runde fünf alle Partien durchremisiert hat, teilweise kurzzügig (wie auch so oft früher in der Bundesliga), hat sich gerächt. So konnte Niclas Huschenbeth an ihm vorbeiziehen - trotz schwerer Ausgangsbedingungen, nämlich ein Schwarzsieg gegen den in seiner Eloklasse verkehrenden Tobias Hirneise war gefordert. Ganz große Leistung von dem kürzlich 18 gewordenen Hamburger, der als Nummer 16 ins Turnier ging, acht GMs hinter sich ließ und selbst eine GM-Norm übererfüllt hat.

Vermutlich hat Chenkin darauf gesetzt, dass Huschenbeth sich in der Schlussrunde mit dem für die Norm nötigen Remis zufrieden geben würde. Doch Großmeister wird Huschi eh über kurz oder nicht allzu lang. Deutscher Meister mit 18 kann er nur einmal werden.

Hätte der Deutsche Schachbund statt der spielerfeindlichen Nullkarenz eine schachfreundliche Antiremisregel eingeführt, wäre Chenkin zum Spielen genötigt gewesen und hätte dank seiner unzweifelhaften Stärke vermutlich sieben oder sogar mehr Punkte und den Titel geholt. Der Schachblogger zieht also (ob zähneknirschend oder augenzwinkernd darf der Leser erraten) seine seit Monaten anhaltende Funktionärsschelte zurück und lobt ihre vorausschauende Weisheit.

Wie viele Fans der hat

Die Deutsche Meisterschaft hat zum Glück nicht den befürchteten Verlauf genommen. Nun erreicht den Schachblogger die Nachricht, dass einige Unverbesserliche einem der unbeliebtesten schwergewichtigsten in Deutschland lebenden russischen Schachprofis eine Fanseite gewidmet haben. Soll der etwa auch noch ins Nationalteam? Zeigt das ja nicht dem Bundesuwe!

Meier-Französisch

Als Teamkollegen bei Werder Bremen haben sie sich besser kennengelernt. Inzwischen haben Yannick Pelletier und Georg Meier beide genug von Werder, treffen sich aber regelmäßig zur gemeinsamen Vorbereitung. Meist in Montpellier, wo der mit der französischen Großmeisterin Sophie Milliet liierte Pelletier seit einigen Jahren lebt. Bei der EM hat er mit der französischen Rubinstein-, quatsch Meier-Variante in Runde drei einen fetten Punkt gemacht:

Navara – Pelletier

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Sd7

Meiers Lieblingseröffnung. Damit verliert der Trierer so gut wie nie und hat schon einige stärkere Gegner zum Überziehen provoziert. Wie nun auch sein Schweizer Trainingspartner.

5. Sf3 Sgf6 6. Sxf6+ Sxf6 7. Lg5 h6 8. Le3

Nigel Short zog kürzlich in London 8. Lh4 c5 und nun das aufgrund der geschwächten Diagonale b5-e8 starke 9. Lxf6.

8. ... Ld6

Früher wurde hier meist 8...Sd5 gezogen. Auf diese Weise kommt Schwarz zwar ans Läuferpaar, aber um den Preis, dass er seinem Gegner das Zentrum stärkt und die f-Linie öffnet.

9. Ld3 b6 10. Se5 0–0 11. Df3 Sd5

Sonst steht Schwarz einfach schlecht. Auf den ersten Blick ist schwer zu glauben, dass die Fesselung des Springers ohne ernste Konzessionen abgeht. Daher ist zu vermuten, dass Pelletier die Konsequenzen vorher zusammen mit Meier analysiert hat.

12. 0–0–0

Weiß sollte sich mit 12. Ld2 Lb7 (12. … Dh4? 13. Le4 Lb7 14. g3 Dd8 15. c4) 13. De4 f5 14. De2 und einem kleinen, aber dauerhaften Vorteil bescheiden.

12. ... Lb7 13. Ld2 Dh4

Unterbindet nicht nur 14. c4 (wegen 14. ... Dxd4), sondern entkräftet auch Df3-e4, was f7-f5 erzwingen würde.

14. The1

Deckt den angegriffenen Bauern indirekt. 14. ... Dxd4 15. Te4 Dc5 16. Sd7 Dc6 17. Sxf8 Sf6 wäre zwar auszuhalten für Schwarz, aber nach 16. Lxh6! Sb4 (16. ... gxh6? 17. Tg4+ Kh8 18. Dxf7! wird sofort matt und nach 16. ... Sc3? 17. Dg3 g6 18. Tee1 Sxd1 19. Lxg6 dauert es nicht viel länger) 17. Dg3 Sxd3+ 18. Txd3 g6 19. Tee3 hat Schwarz nichts für die Qualität. Diese Variante könnte Navara darauf gebracht haben, die Entwicklung im nächsten Zug zu forcieren.

14. ... Tad8

Pelletier verstärkt cool seine Stellung und bringt ein neues Motiv zur Entkräftung von 15. c4? auf, nämlich 15. ... Lxe5 16. Txe5 Sb4 17. Le4 Txd4! 18. Lxb4 Txc4+ 19. Kb1 Lxe4+ 20.Txe4 Dxe4+. Nach 15. Te4 Df6 wäre alles im Lot, doch seinem tschechischen Gegner spukt anscheinend der Einschlag auf h6 im Kopf herum:

15. g3? Dxd4 16. Te4 Dc5 17. Lxh6

Dass 17. ... gxh6?? 18. Tg4+ Kh8 19. Dxf7 mattsetzt, ist leicht zu sehen. Doch Pelletier ist gewappnet. Dank dem Turm auf der d-Linie kann er bald selbst mit Matt drohen.

17. ... Sb4! 18. Lxg7

Nach 18. Dg4 Sxa2+ 19.Kb1 Lxe5 20.Txe5 Dxe5 hat Schwarz alles unter Kontrolle, und 18. Df6 ist ein allzu leicht zu durchschauender Bluff. Nachdem mit 18. ... Sxd3+ ein Angreifer eliminiert ist, kann die Dame im nächsten Zug geschlagen werden.

18. ... Lxe4

Viel stärker als 18. ... Sxd3+ 19. Txd3 Lxe4 20. Dxe4 f5 21. Df4 Lxe5 22. Lxe5 Txd3 23. Dg5+ Kf7 24. Df6+ Ke8 25. Dxe6+ Kd8 26. b4!, und Weiß mischt weiter mit.

19. Dxe4 f5 20. Df4 Lxe5 21. Lxe5 Txd3!

Der feine Unterschied: Es droht matt. Zur gleichen Stellung wie gerade erwähnt führt 21. ... Sxd3+ 22. Txd3 Txd3 23. Dg5+ Kf7 24. Df6+ Ke8 25. Dxe6+ Kd8 26. b4.

22. Dg5+ Kf7 23. Df6+ Ke8 24. Dxe6+ Kd8 25. Lf6+ Txf6 26. Dxf6+ Kc8 27. De6+ Kb7 28. De2 Sxa2+ 29. Kb1 Txd1+ 30. Dxd1 Sb4

Mit dem entfernten h-Bauern hätte Navara hier durchaus noch praktische Probleme stellen können. Doch er hatte genug: 0–1

PS: Sorry, dass es keine Diagramme gibt. Ist aus technischen Gründen momentan zu aufwändig.

Donnerstag, 11. März 2010

Amberguity

Wer ab Samstag in der Nähe von Nizza ist, sollte sich diese Schau gönnen: Im superedlen Palais de la Méditerranée spielen zwölf der Besten mal mit, mal ohne Brett, aber immer Schnellschach. Alle anderen seien auf die feine Turnierseite verwiesen. Dank sei Joop van Oosterom, der einen kleinen Teil von dem, was er als Wahl-Monegasse an Steuern spart, ans Schach umleitet.

Nirgends werden die Spieler so fürstlich behandelt wie bei Amberchess (Amber ist der Name von Van Oosteroms Tochter), so dass eigentlich jeder gerne wieder eingeladen wird. Morosewitsch hat trotzdem kurzfristig abgesagt, wie schon so oft, und ist mit Grischtschuk ausgezeichnet ersetzt. Toppy und Vishy fehlen dieses Jahr, der Grund dürfte bekannt sein. Das trägt dazu bei, dass es dieses Jahr mehr Auswechslungen gegenüber dem Vorjahr gibt als je zuvor bei diesem Wettbewerb.

Leider hat der Veranstalter meine wiederholte Nachfrage ignoriert, wer die Einladungen bestimmt. Transparenz wäre hier allerdings angebracht, denn New in Chess-Chefredakteur Dirk Jan ten Geuzendam ist jedenfalls involviert, was einen Interessenkonflikt zumindest andeutet.

Montag, 8. März 2010

Erst zur Kasse, dann ans Brett

In Teamsportarten ist es weit verbreitet, dass Profis, die zu spät zum Training oder zum Spiel kommen, ein paar Hunderter oder Tausender vom Gehalt abgezogen werden. Notorischen Zuspätkommern ist aber nach Erfahrung der New York Knicks wirksamer beizukommen, wenn der verspätete Basketballer beim Eintreffen gleich seine Geldbörse zücken und zehn oder zwanzig Dollar abdrücken muss. Obwohl die Sanktion viel geringer ist als der Einzug vom Konto, wird sie von den Profis ernster genommen, berichtet die New York Times. Dabei können die Spieler das Scheinchen sogar spielerisch zurückgewinnen.

Daraus ergibt sich, wie man im Schach mit Verspätungen umgehen könnte. Wo reine Amateure spielen, sollte eine Karenzzeit von einer halben Stunde bleiben. Aber vor einem Turnier könnten die Teilnehmer kollektiv beschließen, dass sozial Unbenachteiligte ab fünf Minuten Verspätung einen Obolus zu leisten haben, von dem Getränke und Snacks für die Schlussfeier bezahlt werden. Wo zumindest ein signifikanter Teil der Spieler fürs Spielen gratifiziert wird, also ab der Zweiten Liga aufwärts oder bei Einladungsturnieren, könnte dagegen verbindlich gelten, dass Spieler, die bei Rundenbeginn nicht im Saal sind, beim Schiedsrichter einen Zehner einliefern müssen, bevor sie ihren ersten Zug ausführen (das gleiche wäre übrigens eine angemessene Sanktion fürs Handyklingeln - eigenmächtiges Telefonieren während der Partie sollte freilich untersagt bleiben).

Das eingesammelte Geld darf aber keinesfalls an Veranstalter oder Verband verfallen. Es sollen ja keine Anreize entstehen, Turniere so zu organisieren, dass Verspätungen normal sind - etwa weil es, obwohl nötig, keine Wegweiser gibt, oder weil dämliche Funktionärsreden mündige Spieler vor der Runde aus dem Saal treiben. Am besten gibt man den Bestraften Gelegenheit zur Läuterung und zum Rückverdienen der Scheine - etwa durch Vorführen ihrer beendeten Partie für die Zuschauer.

Samstag, 6. März 2010

Kuriosum am Rande der Deutschen

Mit 120 Teilnehmern an einem A-Open neben der Deutschen Meisterschaft wurde in Bad Liebenzell anscheinend gerechnet. Jedenfalls sind die Preise ab dieser Teilnehmerzahl garantiert. Tatsächlich haben sich nur zehn Interessierte gefunden, darunter vier Großmeister. So findet nun neben der Deutschen ein neunrundiges GM-Turnier namens A-Open statt. Dem Sieger sind 1250 Euro versprochen. Weil das bereits das Vierfache der Startgeldeinnahme ist, dürfte es ab dem zweiten Platz allenfalls noch Sachpreise geben...

Schachbund fördert Dopingprävention der anderen mit 2800 Euro

Laut einem dpa-Bericht vom Donnerstag, auf den Kommentator Bauerndiplom dankenswerterweise hinwies, ist der DSB einer von 15 Sportfachverbänden, der Teile der erhaltenen Fördergelder zurückzahlen muss. "Die Sanktionen gegen die Verstöße richteten sich laut Bergner (Anm: vom Bundesinnenministerium) nach deren Schwere. Die Höchststrafe liegt bei 20 Prozent der zugeführten Mittel. Diese sollen dann in die Dopingprävention von Verbänden fließen, bei denen es keine Beanstandungen gab... Der Deutsche Schachbund muss wegen Verstößen gegen die gemeinsamen Antidopingkriterien des BMI und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die prozentual höchste Summe aus der Förderung zurückzahlen. 16 Prozent (2800 Euro) der gewährten 17 500 Euro werden fällig."

Die FAZ nennt den Grund, dass Antidoping im Jahr 2008 noch nicht ausreichend in der DSB-Satzung verankert war. Die Süddeutsche berichtet: "Am Beispiel des Schachbunds führte Göttrick Wewer, Geschäftsführer der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) allerdings aus, dass man gerade kleinen Verbänden "den guten Willen nicht absprechen" dürfe. Inzwischen seien die Versäumnisse korrigiert." Spiegel online sagte der Nada-Mann, dass der DSB "bei uns nicht wirklich als Risikogruppe in Sachen Doping geführt wird." Und beim Schachbund selbst hält man die Aufgaben mit den Beschlüssen von 2009 und der Dopingproben bei der Deutschen Meisterschaft 2009 für erledigt.

Eine hinreichend Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn von Dopingkontrollen in einer Disziplin und eine Einbeziehung der Aktiven werden übrigens vom Innenministerium nicht gefordert. Man muss dem Schachbund zugestehen, dass er das auch kaum leisten könnte, weil er ganz andere Baustellen hat und viele Aktive Schach gar nicht als Sport betreiben, weshalb mit dem Thema in Schachkreisen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Wenn Sportförderung nur mit Antidoping zu kriegen ist, macht eine pragmatische Haltung Sinn. Und wenn es heißt, die Dopingprävention in den braven Fachverbänden mit 2800 Euro zu unterstützen.

Freitag, 5. März 2010

Müssen Funktionäre und Nationalspieler zusammenhalten?

So sah aus, was sich Herbert Bastian, einer der (aber auch nicht immer geradlinig) denkenden Köpfe im Deutschen Schachbund und anscheinend Dauermeister des Saarlands*, in Runde eins der Deutschen (mit Liveübertragung) gegen Igor Chenkin leistete. Nach 12.cxd5 nebst 13.Lb5+ hätte Weiß bestimmt nicht verloren. Nach 13.Ld2 stand Weiß dann schon auf Abriss.

DEM-Teilnehmer, hört auf den Schachblogger: Stoppt Chenkin! Aber bitte auf faire Weise! Sonst heißt es nachher noch, hol´s der Chenker!

*Als Echo zum letzten Eintrag: Gibt´s eigentlich keine Schulpflicht (für Lehrer) im Saarland, Herr Studienrat Bastian?

Donnerstag, 4. März 2010

Voreilige Vollzugsmeldungen

Einige Websites (Chessdom, Zsuzsa) berichten, dass der 13jährige Ungar Richard Rapport seine GM-Normen beisammen hat. Tatsächlich hat er, drei Wochen vor seinem 14.Geburtstag, seine zweite erfüllt und wird nach dem Regelverständnis des Schachbloggers noch eine brauchen. Was freilich nur eine Frage der Zeit sein dürfte. Seiner Vermarktung ist bereits eine dreisprachige (nämlich ungarisch, deutsch und englisch verfasste) Website gewidmet. Diese listet bereits neun Trainer, darunter Ruck, Pinter und Beljawski. Ein großes Talent zweifellos, aber wenn man den Input und seine bereits aktiven Jahre berücksichtigt nicht unbedingt ein Ausnahmetalent vom Kaliber Carlsens oder Giris.

PS: Die Kommentatoren weisen dankenswerterweise darauf hin, dass das gerade zu Ende gegangene Turnier in Szentgotthart doch schon die dritte Norm sei, weil Rapport zwei First Saturday-Normen mitbrachte. Nun gab oder gibt es eine Klausel, dass nicht mehrere Normen aus dem gleichen Turnier erzielt werden können bzw. solche Anträge von der Titelkomission zurückgewiesen werden können. Aber das war gar nicht der Grund, warum ich nicht bis drei gezählt habe (obwohl ich dazu erfahrungsgemäß sonst in der Lage bin). Bei mir funktionierte der Link zur auf seiner eigenen Seite aufscheinenden zweiten Norm nicht, und ich ging davon aus, dass es sich um die aktuelle handelt, da sie, wie sein Karriereüberblick zeigt, sehr frisch sein musste. Nun hat er anscheinend zweimal im Februar genormt. Gibt´s in Ungarn eigentlich so etwas wie Schulpflicht?

(Nachtrag) Die 2500 soll Rapport übrigens auch schon im Sack haben.

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