Donnerstag, 21. Mai 2009

Verheerendes Signal für potenzielle WM-Veranstalter

Die Zukunft der Schach-WM ist wieder einmal unklar. Gute Gelegenheit, noch etwas Porzellan zu zerschlagen, siehe die Interviews mit UEP-Chef Josef Resch und FIDE-Präsident Iljumschinow.

War in der Kampagne von Bessel Kok 2006 und auch noch bei der Gründung von Global Chess 2007 die Rede davon, dass sich die FIDE selbst aus dem operativen Geschäft mit der WM heraushält, gilt das nun offenbar nicht mehr. Das ist ein verheerendes Signal in einer Zeit, in der für gleich zwei WM-Zyklen Organisatoren und Sponsoren gesucht werden. Welche Organisatoren sich das künftig antun wollen? Unerfahrene und solche in Diktaturen (wie Aserbaidschan), die sich ein wenig Sonne von einer Schach-WM versprechen.

Ziemlich überflüssig auch, dass sich Iljumschinow aufregt, dass Kramnik-Leko 2004 von einer Tabakfirma gesponsert wurde. Es war kein FIDE-Wettbewerb, der mit Rücksicht auf die "olympische Anerkennung" des Schachs auf irgendwelche IOC-Regularien hätte Rücksicht nehmen müssen. Wollte Iljumschinow nur einen Seitenhieb gegen Carsten Hensel, der das damals eingefädelt hatte und nun für UEP tätig ist, austeilen? Die FIDE (und die betroffenenen Spieler) könnte im Moment froh sein, wäre ein Geldaufsteller wie Hensel in ihren Reihen.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Der ganze Eiertanz für nichts

Die Verhandlungen zwischen UEP und der FIDE sind beendet und von beiden Seiten für gescheitert erklärt worden.

Dabei war UEP der einzige fristgerechte Bewerber und bis zuletzt bereit, die in der Ausschreibung gestellten Bedingungen zu erfüllen. Laut UEP-Pressemitteilung hat die FIDE in der Zwischenzeit allerdings ihre finanziellen Vorstellungen nach oben korrigiert. Außerdem wollte sie die Vermarktungsrechte des Veranstalters beschneiden. Dass die FIDE nun behauptet, schon mit anderen Veranstaltern und Sponsoren im Gespräch zu sein, kann man glauben oder besser nicht. Gut möglich, dass sie gerade in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten zu hoch pokert.

Es war also zu schön um wahr zu sein, in so kurzer Zeit schon wieder eine WM in Deutschland zu erleben, wäre doch Bonn der wahrscheinlichste Austragungsort. Der eigentliche Schaden liegt aber anderswo. Weil die FIDE den Vorstellungen von UEP bei der Findung des Herausforderers entgegen kam, nämlich statt eines Kandidatenfinals zwischen Grandprixsieger und dem Gewinner des nächsten Weltcups eine Achterausscheidung anzusetzen, wurde der Grandprix entwertet, mit Carlsen stieg ein reeller Anwärter auf den Gesamtsieg aus, und auch zur Absage von Karlovy Vary, vielleicht auch Montreux hat die FIDE mit dem Eingriff in den laufenden Zyklus beigetragen. Ihren eigenen Ruf hatte sie freilich vorher schon ruiniert. Wenn UEP den Zyklus nun gar nicht ausrichtet, war der zusätzlich angerichtete Schaden für die Katz.

Dienstag, 12. Mai 2009

Rybka oder Junior

Nach vier von neun Runden haben der hohe Favorit Rybka und der frühere Weltmeister Junior bereits 1,5 Punkte Vorsprung. Das Turnier, das noch bis Sonntag dauert, wird wohl erst in der direkten Begegnung am Abschluss der Computerschach-WM in Pamplona (mit Link zur Liveübertragung) entschieden.

Gericht verbietet Dopingtests beim Schach

Die Privatsphäre der Schüler werde verletzt, wenn sie nach dem Schachturnier oder Mathewettbewerb auf die Einnahme von Drogen oder leistungsfördernden Substanzen kontrolliert werden, entschied ein Gericht in Kalifornien laut diesem Bericht des San Francisco Chronicle (Hinweis gesehen bei Rankzero). Der Schulbezirk, der die Tests durchführen wollte, konnte weder zeigen, dass Schachspieler oder Mathefreunde besonders gefährdet waren noch dass der Gebrauch von Drogen und Medikamenten unter ihnen besonders verbreitet war. Eine gute und nachvollziehbare Argumentation, um Dopingtests im Amateurschach überhaupt bleiben zu lassen. Die hinteren Bretter einer Schacholympiade kann man sich sparen. Wettbewerbe ohne signifikante Preisgelder oder Qualifikationen für internationale Meisterschaften ebenfalls.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Dass es das noch gibt

Der Mitropa-Cup, eines der überflüssigsten Turniere, das Budgets nationaler Verbände belastet, findet tatsächlich immer noch statt. Samstag geht es in Slowenien (Website) wieder los. Dieses Mal ist Deutschland Favorit mit Gusti, Bara, Braun und Prusikin. Allenfalls Gastgeber Slowenien sollte in die Quere kommen können. Zur Einstimmung schlage ich vor Hape Kerkeling, der nicht ganz zufällig in seiner Fake-Quiz-Show Preise von Mitropa verteilte.

Alijewstan gegen den Rest der Welt

Alijewstan, besser bekannt unter seinem offiziellen Namen Aserbaidschan, nimmt es im Schacht mit allen auf. Nicht Russland oder wenigstens die Ukraine oder Olympiasieger Armenien? Nein, in Aserbaidschan traut man sich, von Donnerstag an eine Weltauswahl mit immerhin Anand, Kramnik, Schirow und Karjakin an vier Brettern herauszufordern: Radschabow, Mamedscharow und Gaschimow sind ja auch alle klar über 2700, und Gusseinow soll auch ein starker Schnellschachspieler sein.

Dass Aserbaidschan eines Tages im Schach eine wichtige Rolle spielen würde, konnte man sich denken, seit Gusseinow, Radschabow und Gaschimow bei der U10-EM 1996 im slowakischen Rimavska Sobota die ersten drei Plätze belegten.

Das Festival, zu dem das Schachturniern gehört, läuft unter dem Titel President´s Cup und ist dem früheren Präsidenten Aserbaidschans Geidar Alijew gewidmet.

Wäre der stärkste Sohn Bakus dabei, hätten die Gastgeber eine bessere, ja sogar richtig gute Chance, mögen die Altvorderen rufen. Richtig, Garri Kasparow ist in Baku groß geworden, allerdings 1990 von dort während antiarmenischer Pogrome überstürzt geflohen.

Auch an den Namen Alijew werden sich die Altvorderen noch erinnern. Hat der sich nicht 1983 bis 1985 maßgeblich für Kasparows Verbleib im WM-Zyklus und dann Titelkampf gegen den vom sowjetischen Schachverband protegierten Karpow eingesetzt? Genau.

Nur war Kasparow später gar nicht mehr froh, auf solche Freunde angewiesen gewesen zu sein. Denn Alijew war alles andere als ein Demokrat, sondern einer, der in der Politik stets dafür sorgte, dass sich seine eigene und ein paar befreundete Familien ihre Taschen und Auslandskonten stopften. Alijew machte sich im postsowjetischen Aserbaidschan quasi zum Präsidenten auf Lebenszeit und sorgte dafür, dass nach seinem Tod 2003 sein Sohn sein Amt erben konnte.

Radschabow wurde in jungen Jahren persönlich vom alten Alijew gefördert. Voriges Jahr war ich an Gajdar Alijews Geburtstag zufällig in Sofia in Radschabows Nähe, nachdem er gerade gegen Aronjan gespielt hatte. Auf die Frage, wer auf seiner Armbanduhr zu sehen war, erwiderte er "our national leader". Man sollte mit Radschabow wohl besser nicht über Politik reden.

Samstag, 2. Mai 2009

Fehlerparade

Grippehalber hatte ich etwas mehr Zeit als gewohnt, um die gerade erschienene Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Schach" zu lesen. Die Lektüre hinterließ allerdings einen schalen Beigeschmack. Ich habe weniger über brilliante Züge und neue Ideen gelesen als Patzer über Patzer präsentiert bekommen oder wie es im Inhaltsverzeichnis marketingsprecherisch heißt eine "Fehlerparade".

Dass sie das Thema im Beitrag über das Blind- und Schnellturnier von Monte Carlo sind, geht ja noch an, aber muss man zwei ausführliche Berichte von Frauenturnieren auch noch mit den feistesten Fehlern ausstaffieren? Auch im Bundesligabericht spielen Einsteller die Hauptrolle, obwohl die als "Gurken des Wochenendes" doch stets schon zeitnah von Georgios Souleidis aufbereitet wurden.

A propos Souleidis: In seinem übrigens sehr feinen Bericht (keine Patzerlese) über das Open in Deizisau fehlt der Hinweis auf seine Mitarbeit beim Turnier ebenso wie in Peter Doggers´ Artikel aus Monte Carlo. Interessenkonflikte sind im Schach wohl nicht ganz vermeidbar, man sollte sie nur transparent machen. Das gilt gerade für die qualitativ einsam führende deutsche Schachzeitschrift. Diese Einschätzung erwähne ich nicht, weil ich gelegentlich selbst dort schreibe (hallo Transparenz), sondern weil eine gewisse, hier öfter erwähnte Website in peinlicher Weise immer wieder ein anderes Heft promotet, im April hier und im Mai hier, und das unabhängige "Schach" links liegen lässt.

Donnerstag, 30. April 2009

Knaller in St.Louis

Die US-Meisterschaft wird nach einigen Jahren Durststrecke heuer mal wieder ein Knaller - auch dank des glücklichen Umstands, dass die Sponsoren schon fix an Bord waren, als die Finanzkrise vorigen Spätsommer begann. Die Topleute Kamsky und Nakamura werden ab 8.Mai in St. Louis ebenso antreten wie Titelverteidiger Shulman, Onischuk, Shabalov und die Veteranen Gulko (der einzige Spieler, der sowohl UdSSR- als auch US-Champ war), Kaidanov, Benjamin und Christiansen. Auf der Qualifikantenliste stehen auch Daniel Fridmans Frau Anna Zatonskih (als einzige Frau) und Irina Krush. Schließlich warten 140.000 Dollar auf die 24 Starter, davon 35.000 Dollar für Platz eins. Für einen freilich äußerst unwahrscheinlichen 100-Prozent-Score ist ein nach Bobby Fischer benannter 64.000-Dollar Bonus ausgelobt (was die hier und da aufpoppende, etwas zweifelhafte Ankündigung erklärt, dass mehr als 200.000 Dollar winken). Emil Sutovsky wird als Kamsky-Sekundant und Kommentator für den ICC in St. Louis sein. Dass bei der Vermarktung geklotzt wird, ist auch daran zu erkennen, dass ICC-Videoguru Macaulay Peterson im Februar kurzfristig aus Europa nach St. Louis eingeflogen wurde, um alles auf die Reihe zu bringen. Nur dass neun Runden Schweizer System gespielt werden, gefällt mir nicht so, zumal das auch bei den aus meiner Sicht verschnarchten Deutsche Meisterschaften so läuft.

Mittwoch, 29. April 2009

Armenischer Doppelschlag

Die Armenier können nicht nur Schacholympiaden gewinnen. Beim Grandprixturnier in Naltschik schaffen sie quasi einen Doppelsieg. Aronjan haut Leko und wird klarer Erster, während der schlecht gestartete Akopjan durch einen Schwarzsieg gegen Eljanow zu Leko auf den geteilten Zweiten aufschließt. Nun fehlt Aronjan, der schon das Grandprixturnier in Sotschi gewann, zum Gesamtwertungssieg und der damit verbundenen Qualifikation zum WM-Kandidatenturnier 2010 in Bonn nur noch ein passables Resultat in der nächsten Grandprixrunde. Ausgetragen wird sie im August vor seinen Landsleuten in Jerewan. Lasst es ein weiteres Schachfest für Armenien werden!

Und was nimmst du vor der Partie?

Diese derzeit rasch die Runde machende Studie in der Zeitschrift Pediatrics zeigt, dass ADHS-Medikamente (Methylphenidat ist der meisteingesetzte Wirkstoff, Amphetamine sollten erst bei Erwachsenen in Frage kommen) die Testleistungen von Schülern in Mathe und Lesen signifikant verbessern und zwar unabhängig davon, ob diese Schüler überhaupt das Zappelsyndrom haben. Ein Schüler sagte, dass ihn die Medikamente nicht schlauer machen, aber ihm helfen, sich zu konzentrieren, und darauf kommt es in Tests ja wesentlich an. Im Magazin New Yorker ist gerade eine Reportage über Neuropharmaka, in der über einen Pokerprofi berichtet wird, der unter Amphetaminen erheblich länger durchhält und auch besser zu spielen behauptet. Bei Chessninja gibt es neben Migs Senf auch eine Reihe von Leserkommentaren dazu.

Natürlich werden einige weiterhin behaupten, dass damit noch längst nicht gesagt sei, dass solche Medikamente auch schachliche Leistungen zu steigern vermögen, und bevor nicht eine (sicher aus Kostengründen nie zu erwartende) randomisierte Kontrollgruppenstudie mit Schachspielern vorliegt, nicht daran glauben, dass Doping im Schach wirkt.

PS: Eine kleine Studie dazu hat nun allerdings der frühere Vorsitzende des Hessischen Schachverbands und Internist in Offenbach, Harald Ballo, angekündigt. Er sucht Probanden.

Dienstag, 28. April 2009

Gerichtliche Schlappe für die ECU

Der Türkische Schachverband hat gegen die Vergabe der Einzel-EM 2009, Europacup 2009 und Junioren-EM 2009 den Europäische Schachunion ECU beim Amtsgericht in Lausanne geklagt und Recht bekommen (obwohl ihr Sekretariat beim DSB in Berlin angesiedelt ist, hat die ECU formell ihren Sitz in der Schweizer Stadt). Chessbase berichtet schon mal im Sinne ihres geschätzten Freunds Ali Nihat Yazici, dass die im März gehaltene EM nun wiederholt werden müsse. Die Kosten der Spieler müsse natürlich die ECU tragen. Welch ein Unfug. Natürlich wird eine längst gespielte EM nicht wiederholt, bloß weil die Vergabe nicht in Ordnung war.

Außerdem fordert der Türke den Rücktritt des Verbandsvorstands und lädt zu einer außerordentlichen Versammlung mit Neuwahlen in die Türkei ein. Der nun schon zwei Jahre währende Clinch zwischen Yazici und ECU-Präsident Kutin hat damit einen traurigen Tiefpunkt erreicht. Von nun an werden die Spieler nämlich mit ins Chaos gerissen. Der Europacup im Oktober (bisher nach Mazedonien vergeben) könnte durchaus neu ausgeschrieben werden. Für die Junioren-EM im August in Italien sind dagegen wohl schon einige Tickets gebucht, der Schaden einer Verlegung wäre erheblich. Der ECU-Vorstand will laut Chessdom Stellung nehmen, sobald die gerichtliche Begründung vorliegt. Und auf der ECU-Seite steht das mittlerweile auch - aber kein Wort mehr.

Leko verdient einen Orden

Dass er Lewon Aronjan beim Grandprixturnier in Naltschik den ersten Platz streitig macht, ist zwar nicht so nett (am Mittwoch treffen die beiden alleine Führenden in der Schlussrunde aufeinander, Aronjan mit Weiß). Aber in einem Turnier gleich zweimal das für seine Solidität gefürchete Russisch (erinnern Sie sich, wie Anand in Bonn eröffnete?) fertigzumachen, erst Gelfand mit einem Pfahlbauer auf f6, dann Kasimdschanow mit einem Pfahlbauer auf h6, ist dann schon ein sehr feiner Zug des Ungarn - zu dem sein Opening Escort Jan Gustafsson sein Schärflein beigetragen haben dürfte.

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