Dienstag, 29. Januar 2008

Und was die Weltrangliste betrifft

Anand ist nach Corus übrigens wieder vorn. Er verliert zwar etwa drei Elopunkte, aber Kramnik büßt zehn Punkte mehr ein als der Weltmeister. Hätte Kramnik den direkten Vergleich am Schlusstag gewonnen, wären sie weiterhin gleichauf. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihn das motivierte, die Stellungswiederholung zu vermeiden. Es kann natürlich gut sein, dass Morelia/Linares, obwohl es eine Woche nach dem Stichtag endet, in der kommenden April-Eloliste schon mitausgewertet wird. Aber dort müsste Anand dann schon deutlich unter seinen Möglichkeiten spielen, um den Spitzenplatz an Kramnik, der nicht dabei sein wird, zu verlieren. Bedeutung ist ein paar Elopunkten Unterschied freilich nur symbolisch zuzumessen. An Spielstärke nehmen sich Anand und Kramnik sehr, sehr wenig.

Suizidale Tendenzen

...sah Wesko Topalow in seinem in Wijk aan Zee gezeigten Schach. Gleich in der ersten Partie gegen Aronjan habe er sich selbst umgebracht, sagte er mir nach der letzten Runde am Sonntag. Sein Figurenopfer gegen Eljanow mag grenzwertig gewesen sein. Obwohl er sicher war, dass er nicht besser stand, hat er (bevor er Dc5 zog) remis abgelehnt - und die vielleicht spielbare Stellung bald darauf eingestellt. Obwohl er ausgeruht nach Wijk aan Zee kam, blieb er am Ende unter fünfzig Prozent. Der spektakuläre und persönlich befriedigende Sieg gegen Kramnik war eigentlich alles, was Toppy am Ende vorzuweisen hatte.

Ergänzung: Interessanterweise lobte auch Kasparow gegenüber Mig Greenguard Topalows Spielanlage, meinte aber, seinem Spiel fehlte es an Perspektive.

Zu diesem Zeitpunkt war Anand - Kramnik eine der letzten laufenden Partien. Nach einer Stunde hätte Kramnik durch Stellungswiederholung remis machen können, tat es aber, trotz Erkältung und ohne Chance auf eine wesentliche Verbesserung in der Tabelle, nicht. "Heute ist Kramnik ein Held!" Ich schwöre, das waren die Worte von Toppy, und er meinte es nur ein kleines bisschen ironisch.

Sein Wettkampf gegen Weltcupsieger Kamsky solle idealerweise kurz nach der WM zwischen Kramnik und Anand stattfinden. Die bulgarische Sportministerin würde Topalow gerne in ihrer Heimatstadt Veliko Tarnowo spielen sehen. Andere Angebote gebe es bislang nicht.

Bobbys Erbe

Was hat Fischer dem Schach hinterlassen? Abgesehen von teilweise zweifelhafter Publicity und einer Reihe großartiger Partien bis 1972 zwei Dinge: Den Fischermodus bei der Bedenkzeit und Fischer Random Chess, deutsch Fischerschach, hier und da auch Chess960 genannt, das dem vom Theorietod bedrohten Spiel eine Zukunft geben sollte. Das sind, bei aller Kritik an dem peinlichen alten Herrn, zwei großartige Hinterlassenschaften, auf die viele Nachrufe überhaupt nicht eingingen und einige wenige auch nur am Rand. Aber was zählt in den Medien schon, was etwas für Schach bedeutet.

Die Story um Fischers Erbe ist in den Medien eine ganz andere, nämlich wer das Geld kriegt, das Fischer, mutmaßlich auf einem Konto bei der Schweizer UBS, hinterlassen hat. Um die zwei Millionen Franken sollen vom Preisgeld, das er 1992 in Jugoslawien kassiert hat, noch übrig sein. Der Telegraph und der Guardian haben berichtet.

Ein Streit zeichnet sich ab zwischen Miyoko Watai, die darauf pocht, mit Fischer verheiratet gewesen zu sein, und der Familie von Fischers verstorbener Schwester Joan, die die Ehe anzweifelt. Außerdem dürfte noch Fischers uneheliche Tochter Jinky Young ins Spiel kommen. Mal als siebenjährig, mal als 2002 geboren beschrieben, kommt sie aus einer Affäre hervor, die Fischer, der häufiger auf den Philippinen war, siehe seine infamen Radiointerviews, mit einer gewissen Marilyn Young in Baguio City hatte.

Eine andere Hinterlassenschaft dürfte Historiker und Biografen (von René Chun war bereits 2004 bei Viking eine Fischer-Biografie angekündigt, meine Nachfrage an Viking, ob damit noch zu rechnen sei, ist bisher unbeantwortet) mehr interessieren, nämlich was Fischer an Notizen, Briefen und Dokumenten hinterlassen hat. Einiges, was er in den USA hinterlassen hat, wohin er nach 1992 ja nicht mehr zurückkehren konnte, soll versteigert worden sein. Aber 31 Kisten hat er sich nach Budapest schicken lassen. Dort allerdings sollen sie ihm gestohlen worden sein, so jedenfalls steht es in diesem eingescannten Brief Fischers auf einer ihm mutmaßlich nahestehenden Website an die ungarische Polizei.

PS: Inzwischen ist von Hans Ree eine sehr lesenswerte persönliche Erinnerung an Fischer auf Chesscafe.

Lesenswert ist auch der Blogeintrag des Fernsehveteranen Dick Cavett, der Fischer mehrmals ins einer Show zu Gast hatte, samt Videoausschnitt hier:
//cavett.blogs.nytimes.com/2008/02/08/was-it-only-a-game/

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